19.12.12

Exklusiv

Berlin greift Problemschulen mit Millionen unter die Arme

Einrichtungen in besonderen Problemlagensollen mindestens 100.000 Euro pro Jahr für Psychologen oder Sprachlehrer erhalten.

Foto: Marion Hunger

Kriterien für die Auswahl der Berliner Schulen, die zusätzliches Geld erhalten, könnten der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund, die Zahl der Kinder, deren Eltern Sozialtransferleistungen beziehen, oder die Zahl der Schulschwänzer sein
Kriterien für die Auswahl der Berliner Schulen, die zusätzliches Geld erhalten, könnten der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund, die Zahl der Kinder, deren Eltern Sozialtransferleistungen beziehen, oder die Zahl der Schulschwänzer sein

Für die Berliner Brennpunktschulen ist Hilfe in Sicht. Ein millionenschweres Sonderprogramm für Schulen in besonderen Problemlagen trifft sowohl beim Finanzsenator als auch bei der Bildungssenatorin auf Zustimmung.

SPD-Fraktionschef Raed Saleh und Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) hatten auf ihrer gemeinsamen Reise nach Rotterdam ein Konzept vorgestellt, nach dem Schulen in schwierigen Lagen konsequent unterstützt werden sollen.

Die Schulen, die nach klaren Kriterien ausgewählt werden sollen, würden demnach mindestens 100.000 Euro pro Jahr zur eigenen Verwendung erhalten. Damit sollen dann je nach Problemlage Psychologen, Sozialarbeiter oder zusätzliche Sprachlehrer bezahlt werden.

Etwa 100 bis 150 Schulen mit besonderen Problemen

Über die Verwendung sollen die Schulen selbstständig bestimmen können. Kriterien für die Auswahl der Schulen können laut Saleh etwa der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund, die Zahl der Kinder, deren Eltern Sozialtransferleistungen beziehen, oder die Zahl der Schulschwänzer sein. Buschkowsky und Saleh rechnen mit etwa 100 bis 150 Schulen mit besonderen Problemen. Die nötigen zehn bis 20 Millionen Euro müssten in den Haushalt 2014 eingeplant werden.

Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) sagt dem SPD-Fraktionschef Unterstützung zu. "Ich halte die Vorschläge von Raed Saleh zur Stärkung des Schulsystems für sehr interessant", sagte Nußbaum der Berliner Morgenpost. "Wir sollten gemeinsam im Senat versuchen, in den kommenden Haushaltsberatungen dafür Verstärkungsmittel einzuplanen."

Der Finanzsenator kann den Gedanken nachvollziehen. Der Grundstein für Bildung, Erfolg im Beruf und damit für die Integration in die Gesellschaft werde in den Kitas und in unseren Schulen gelegt. Das gelte besonders für Kinder mit schlechten Startchancen. "Wenn wir mit gezielten Investitionen dazu beitragen können, die Lebenschancen dieser Kinder zu erhöhen, ist das für mich gut angelegtes Geld", sagte der Senator.

Der Finanzpolitiker denkt dabei auch ökonomisch. Am Ende sei es viel teurer, nachträglich für die Kosten gescheiterter Schulkarrieren aufzukommen, als frühzeitig gezielte Förderung zu ermöglichen. Als Beispiele für solche Kosten nannte er Hilfen zur Erziehung, sonderpädagogische Hilfen, Initiativen für nachzuholende Schul- der Berufsabschlüsse, öffentliche Beschäftigungsförderung und schließlich Transferleistungen wie Arbeitslosengeld II oder Grundsicherung im Alter.

Grundschulverband begrüßt die Pläne

Auch Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) will sich dem Vorstoß nicht verschließen. Allerdings betont Scheeres auch, dass ihre Verwaltung natürlich die Schulen mit Entwicklungsbedarf kontinuierlich im Blick habe und diese auch unterstütze. "Wenn es zusätzliche Ressourcen für Berliner Schulen in schwierigen Lagen geben würde, wäre ich sehr erfreut", sagte Scheeres der Berliner Morgenpost. Allerdings müsse man nachvollziehbare Kriterien entwickeln. Nicht immer seien Schulen in einem schwierigen Umfeld Brennpunktschulen, denn gerade an den weiterführenden Schulen könnten Schüler unabhängig vom Wohnort angemeldet werden. Neu wäre, dass mit einem solchen Programm Brennpunktschulen offen benannt würden, was bisher eher vermieden wird. Doch die befragten Schulleiter haben damit keine Probleme.

Auch Inge Hirschmann, Vorsitzende des Grundschulverbandes, begrüßt die Pläne. Vor allem der Aspekt, dass Schulen selbst über den Einsatz der Gelder bestimmen können, sei wichtig. Die Problemlagen seien unterschiedlich, sagte Hirschmann. "Manchmal machen neu gestaltete Räume die Schule attraktiver, manchmal wird dringend eine Fortbildung für die Lehrer benötigt", sagte Hirschmann. Ein Beratungsteam sollte vor Ort mit den Schulgremien ein Konzept entwickeln, wo die Hilfen am meisten Wirkung zeigen könnten.

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