18.12.12

Prozess in Berlin

Sex-Täter gesteht Vergewaltigung einer 13-Jährigen

1995 war der Mann in eine Wohnung in Berlin-Steglitz eingebrochen und hatte das Mädchen überfallen. Jetzt wurde er verurteilt.

Von Michael Mielke

Bärbel K. (Name geändert) hat ihn nach 17 Jahren noch einmal gesehen: Jenen Mann, der am 25. Mai 1995 in Berlin-Steglitz in die Wohnung ihrer Eltern einbrach. Sie war damals 13 Jahre alt und allein zu Hause. Der Mann fesselte und vergewaltigte sie, durchsuchte dann die Wohnung nach Geld.

Alexander L., der sich seit Dienstag wegen dieser Taten vor Gericht verantworten muss, legte vor Gericht ein umfassendes Geständnis ab. "Ich war 20, hatte keinen Wohnsitz, keine Arbeit. Meine Freundin war erst 16 und wollte noch keinen Sex", sagte er.

Sein weniges Geld habe er für Prostituierte ausgegeben. "Danach sah ich keine Möglichkeit mehr, auf legale Art zu Sex zu kommen."

Er habe Selbstmordabsichten gehegt, so der Angeklagte. "Ich dachte, wenn ich einem Kind etwas antue, bin ich danach auch in der Lage, mich umzubringen."

Seit Jahren in der Gefängnispsychiatrie

Es ist vermutlich sein Versuch, sich diese Gewalttaten selber zu erklären. Alexander L. hat nach Einschätzung von psychiatrischen Gutachtern eine schwere Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und sadistischen Zügen. Er ist inzwischen schon seit einigen Jahren – mit Unterbrechungen – in der geschlossenen Gefängnispsychiatrie untergebracht.

Gefasst wurde Alexander L. durch einen DNA-Abgleich mit den Spuren, die er am Opfer und in der Wohnung hinterlassen hat. Dieser Abgleich war vor 17 Jahren technisch noch nicht möglich. Als die Daten in den Computer eingegeben wurden, stellte sich heraus, dass es sich um einen einschlägig vorbestraften Täter handelte.

Alexander L.s Vorgehen an verschiedenen Orten in der Bundesrepublik war fast immer gleich: Er brach in Wohnungen ein, überwältigte die Inhaber und bedrohte sie mit einem Messer.

Es war nicht seine erste Vergewaltigung

In einem Fall war es ein älteres Ehepaar. Alexander L. fesselte und knebelte den Mann, verstaute ihn im Schrank und vergewaltigte anschließend die Ehefrau. In einem anderen Fall drang er in das Haus einer Mutter mit zwei Töchtern ein. Er vergewaltigte die Frau und zwang sie, mit ihm in ihr Geschäft zu fahren und ihm Geld zu geben.

Die inzwischen 30-jährige Bärbel K. sagte am Mittwoch vor Gericht, dass sie noch jahrelang an den Folgen des Überfalls gelitten habe. Sie habe panisch darauf geachtet, dass Fenster und Türen stets verschlossen waren, sagte sie. Auf die Straße sei sie nur noch in Begleitung gegangen. Das habe sich erst gebessert, nachdem ihr die Eltern einen Hund schenkten.

Als 2010 Kripo-Beamte vor ihrer Wohnungstür standen und ihr mitteilten, dass der Vergewaltiger gefasst sei, habe das bei ihr "aber alles wieder aufgewühlt". Das sei noch einmal passiert, erzählte sie vor Gericht, als sie im Sommer dieses Jahres plötzlich einen Mann gesehen habe, der aussah wie Alexander L.: "Gesicht, Statur, ich dachte, der ist es." Er war es aber nicht. Alexander L. saß da im Maßregelvollzug in Niedersachsen.

Da wird er auch noch lange bleiben müssen. Seine letzte Strafe von achteinhalb Jahren wurde vom Gericht zu einer Gesamtstrafe von neuneinhalb Jahren erhöht.

Aber letztlich ist das nicht wichtig. Er wird in der Psychiatrie bleiben. Der renommierte Psychiater Hans-Ludwig Kröber hat Alexander L. im Sommer begutachtet und festgestellt, dass es unverantwortlich wäre, diesen Mann zu entlassen.

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