17.12.12

Berlin-Weißensee

16 Jahre alter BVG-Praktikant klaut Bus und beschädigt Autos

In Weißensee hat ein 16-Jähriger einen Bus der Berliner Verkehrsbetriebe gestohlen. Bei seiner Fahrt beschädigt er mehrere parkende Autos.

Foto: Abix

Der gestohlene Bus der BVG nach der Unfallfahrt in Weißensee und Lichtenberg
Der gestohlene Bus der BVG nach der Unfallfahrt in Weißensee und Lichtenberg

Ein 16-Jähriger hat in der Nacht zu Montag einen Bus der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) in Berlin-Weißensee geklaut.

Von einem BVG-Betriebsbahnhof in der Indira-Ghandi-Straße aus sei er mit dem BVG-Bus durch mehrere Straßen gefahren, sagte ein Polizeisprecher. Zeugen hätten schließlich die Polizei alarmiert.

Dabei fuhr der Jugendliche nach Polizeiangaben drei geparkte Autos an, bevor er eine Ampel an der Kreuzung Rhinstraße/Pyramidenring beschädigte. Dort sei er festgenommen worden. Später übergaben ihn Beamte an seine Eltern. Verletzt wurde bei der ungewöhnlichen Tour niemand.

Wie der Jugendliche den Bus starten konnte, blieb zunächst offen. Dass er auf den eigentlich verschlossenen Betriebshof gelangen und sich dort unbehelligt bewegen konnte, ist hingegen kein Wunder. Der 16-Jährige war Praktikant bei den Berliner Verkehrsbetrieben, wie BVG-Sprecher Klaus Wazlak am Vormittag bestätigte. Er habe daher einen Zugangs-Ausweis für das Gelände besessen. "Während des Praktikums hat er sich offenbar ganz genau die Abläufe angeschaut", sagte Wazlak.

GPS-Gerät des BVG-Busses offenbar nicht eingeschaltet

Ob er für seine Spritztour auch den Schlüssel für den Eindecker geklaut habe, werde derzeit noch untersucht. Das Fahrzeug sei am Vorabend gegen 22.30 Uhr ordnungsgemäß auf dem Betriebshof abgestellt worden. Üblicherweise liefere der Fahrer Schlüssel und Papiere dann bei einem Betriebshof-Mitarbeiter, dem sogenannten Rangierer, ab.

Weil der Schlüssel auch am Montagmorgen noch dort und die Zündung nicht kurzgeschlossen war, gehe die BVG davon aus, dass sich der Jugendliche, auf welchem Weg auch immer, einen Zweitschlüssel besorgt habe. Nach BVG-Angaben lassen sich mit einem Zündschlüssel in der Regel mehrere Busse starten.

BVG-Pförtner öffnete dem 16-Jährigen die Schranke

Als der Bus vom Hof rollte, schöpfte offenbar auch der Pförtner keinen Verdacht und öffnete die Schranke. Die Mitarbeiter seien wohl einfach davon ausgegangenen, dass der Bus auf Linie ginge, vermutete Wazlak.

Dass der Mercedes-Eindecker mit der Fahrzeugnummer 1670 anschließend – von der Leitstelle unbemerkt – durch Berlin fahren konnte, ist nach BVG-Angaben nicht ungewöhnlich. Die Busse haben zwar ein GPS-Gerät, das es den Mitarbeitern in der Leitstelle ermöglicht, alle Fahrzeuge in der Stadt genau zu verfolgen.

Die sogenannte On-Board-Unit, über die unter anderem auch der Ticketverkauf und der Funkverkehr abgewickelt werden, muss aber vom Fahrer eingeschaltet werden. "Ich bezweifle, dass der Junge das getan hat", sagte Wazlak. Auch die im Bus installierte Videokamera habe die Tat nicht verhindern können. Anders als bei Kameras auf U-Bahnhöfen werden die Bilder aus den Bussen zwar aufgezeichnet, aber nicht in Echtzeit in die Sicherheits-Leitstelle übertragen.

Eine nachträgliche Auswertung etwaiger Videoaufnahmen sei aber in diesem Fall wenig hilfreich. "Wir wissen ja schließlich ganz genau, wer gefahren ist", sagte Wazlak.

BVG-Sprecher: "Das war ein teures Praktikum"

Auch über die Motive des 16-Jährigen kann man bei der BVG nur mutmaßen. "Wir wissen aber, dass unsere Fahrzeuge und unsere Technik auf einige Leute eine große Faszination ausüben. Das sehen wir bei jedem Tag der offenen Tür", sagte der Unternehmenssprecher.

Die Tat sei aber umso verblüffender, weil der Junge mit der Ausbildung zur "Fachkraft im Fahrbetrieb" ja offenbar eine Berufskarriere bei den Verkehrsbetrieben anstrebte.

Keinen Zweifel ließ Wazlak daran, dass die Verkehrsbetriebe statt eines Jobangebots nun versuchen werden, den Jugendlichen oder seine Eltern für den Schaden haftbar zu machen. "Das war ein sehr teures Praktikum", so Wazlak.

Wie hoch der Sachschaden genau ist, konnte die BVG noch nicht sagen. Bus 1670 ist nach der nächtlichen Unfall-Tour durch den Berliner Osten zumindest zunächst nicht mehr fahrbereit und musste in die Werkstatt abgeschleppt werden. Neupreis eines vergleichbaren Fahrzeugs: etwa 250.000 Euro.

Quelle: BMO
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