11.12.12

Berlin-Karow

Berlinerin erstickt ihr Baby kurz nach der Geburt

In Karow hat eine junge Mutter gestanden, ihr Kind kurz nach der Geburt erstickt zu haben. Sie war offenbar überfordert.

Foto: Steffen Pletl
In der Beerbaumstraße in Karow soll eine junge Mutter ihr Neugeborenes getötet haben
In der Beerbaumstraße in Karow soll eine junge Mutter ihr Neugeborenes getötet haben

Familientragödie in Karow: Eine 23 Jahre alte Frau steht im Verdacht, ihren neugeborenen Sohn in der Wohnung ihrer Eltern getötet zu haben. Sie wurde zunächst einen Tag lang im Krankenhaus behandelt, am Dienstag wurde gegen sie Haftbefehl wegen Totschlags erlassen.

Nach bisherigen Erkenntnissen hatte Julia K. am Montag gegen 5 Uhr den Jungen in der Wohnung ihrer Eltern an der Beerbaumstraße in Karow zur Welt gebracht. Die Eltern entdeckten ihre Tochter und das Baby und informierten Polizei und Feuerwehr. Alle Reanimationsversuche der Notarztwagenbesatzung blieben erfolglos, das Kind war tot. Die 23-Jährige wurde festgenommen.

Erste ärztliche Untersuchungen ergaben schnell, dass der Säugling bei der Geburt gelebt hatte. Eine Obduktion wurde angeordnet, um die genaue Todesursache klären. Am Dienstagnachmittag gab die Polizei schließlich bekannt, dass der kleine Junge erstickt wurde.

Familie ahnte nichts von Schwangerschaft

Die 7. Mordkommission hat den Fall übernommen. In einer ersten Vernehmung räumte Julia K. die Tötung des Neugeborenen ein. Laut offiziellen Angaben werde das Motiv für die Tat "in der persönlichen Überforderung der jungen Frau zu suchen sein". Bislang sieht es danach aus, dass sowohl die Schwangerschaft als auch die Geburt in ihrem persönlichen Umfeld unbemerkt blieben.

Einem Ermittler zufolge gibt es immer wieder Fälle, in denen selbst engste Angehörige von einer Schwangerschaft nichts mitbekommen, weil die werdende Mutter wegen ihres Körperbaus kaum einen dicken Bauch bekommt oder bereits eine erhebliche Leibesfülle hat und die Schwangerschaft deshalb nicht auffällt.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost lebte Julia K. immer noch bei ihren Eltern in einer Dreizimmer-Wohnung im vierten Stockwerk. Sie hat eine Schwester, die bereits ausgezogen sein soll. Julia K. soll nach einem guten Abitur mit dem Studium begonnen haben. Das Umfeld wird von Ermittlern als gutbürgerlich beschrieben, die Mutter soll ein gut laufendes Textilgeschäft betreiben.

In der Nachbarschaft leben viele Familien mit Kindern. Dort löste die Tat tiefe Traurigkeit und Betroffenheit aus. "Auch wenn die junge Mutter absolut verzweifelt gewesen sein soll, so hätte doch das Kind nicht sterben müssen", sagte ein Anwohner. "Sie hätte das Kind zu einem Krankenhaus mit einer Babyklappe bringen können, wo es professionell versorgt worden wäre. So wurde ihm die Chance auf Leben genommen."

Jetzt versuchen Beamte der 7. Mordkommission, die Identität des Vaters zu ermitteln. Fest steht bislang lediglich, dass er nach einer Beziehung mit der jungen Frau nicht mehr mit ihr zusammen war. Nach Angaben eines Beamten ist es daher durchaus möglich, dass auch der Mann nichts von der Schwangerschaft wusste. Hinweise dazu nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

Kritik nach Fall im September

Erst im September hatte der Tod eines Säuglings Berlin erschüttert. Ein 17 Jahre alter Vater hatte das sieben Monate alte Mädchen so sehr geschüttelt, dass es schwere Hirnverletzungen erlitten hatte und später im Krankenhaus gestorben war. Die Mutter hatte in einem sozialen Wohnprojekt gelebt. Die Berliner Morgenpost hatte damals berichtet, dass sowohl Mitarbeiter der Einrichtung als auch das zuständige Jugendamt bereits im Vorfeld Hinweise auf Misshandlungen gehabt haben sollen. Zudem hätte der junge Mann das Kind deshalb nicht allein sehen oder in der Einrichtung übernachten dürfen. Gegen den 17-Jährigen wurde später Haftbefehl erlassen.

In der Folge gab Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) im Abgeordnetenhaus bekannt, dass zwei Mitarbeitern des Trägers gekündigt worden war. Die Politikerin kündigte darüber hinaus eine lückenlose Aufklärung des Falls an, in den auch das Jugendamt einbezogen war. Sie verwies auf das Netzwerk Kinderschutz, das gegründet worden sei, um solche Misshandlungsfälle mit Todesfolge von Kindern eigentlich zu verhindern. Es müsse dafür genutzt werden, zum Beispiel Ärzte und Betreuer weiter zu qualifizieren.

Der Vorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Georg Ehrmann, hielt es in diesem Zusammenhang für zynisch, dass sich Berlin damit rühme, gut im Kinderschutz zu sein. Dafür sei nötig, dass die Behörden zunächst einmal ihre eigene Arbeit kritisch auf den Prüfstand stellen.

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