11.12.12

Spektakulärer Fund

Museum birgt Teile des Berliner Spionagetunnels

Im geteilten Deutschland nutzten CIA-Agenten den Spionagetunnel, um Gespräche zwischen Ost-Berlin und Moskau abzuhören.

Foto: dpa

Werner Sobolewski in einem ausgegrabenen Segment des berühmten Spionagetunnel
Werner Sobolewski in einem ausgegrabenen Segment des berühmten Spionagetunnel

Er gilt als berühmtester Spionagetunnel des geteilten Deutschlands. In ihm hörten einst CIA-Agenten über heimlich angezapfte Telefonleitungen Gespräche zwischen dem Ostberliner Hauptquartier der sowjetischen Streitkräfte und Moskau ab. Später nutzten Pioniereinheiten der Nationalen Volksarmee (NVA) Teile des Tunnels für Manöver. Mehr als 56 Jahre nach der Entdeckung des Tunnels haben jetzt Bauarbeiter und Spezialisten des Alliierten-Museums Berlin zwei im Sommer dieses Jahres wiedergefundene Segmente in einem Wald etwa 140 Kilometer nördlich von Berlin geborgen. Sie sollen in den nächsten Jahren in einer neuen Sonderausstellung gezeigt werden.

Mit einem Bagger wurden am Dienstag im tief verschneiten Kirchenforst von Pasewalk die beiden eingegrabenen, jeweils 4,23 Meter langen und über 500 Kilo schweren Stahlröhren aus dem Erdreich freigelegt. In den nächsten Tagen sollen sie mit einem Schwerlasttransporter zum Museumsdepot auf dem Flughafen Tempelhof gebracht werden.

"Mit diesen beiden, aus dem ostdeutschen Territorium stammenden Röhren verfügen wir jetzt über einen insgesamt 20 Meter langen Abschnitt des einst 450 Meter langen Spionagetunnels", sagte Museumsdirektorin Gundula Bavendamm.

Die Röhren sind nur leicht angerostet

Dazu gehört auch ein zwölf Meter langer Abschnitt aus dem einstigen Westsektor Berlins mit dem später zugemauerten Originalstück an der Nahtstelle der Grenze. Nach Angaben von Tunnelexperte Bernd von Kostka befinden sich die aus amerikanischer Produktion stammenden und nur leicht angerosteten Tunnelröhren in einem relativ guten Zustand und könnten wieder originalgetreu restauriert werden.

Entdeckt hatte die vier Meter tief eingegrabenen Stahlröhren Werner Sobolewski im August dieses Jahres. "Ich war gerade auf der Suche nach Brennholz, als mir ein Loch im Waldboden auffiel", sagte er. Der 62 Jahre alte ehemalige NVA-Zivilangestellte, der jetzt in den Diensten der Bundeswehr steht, erkannte die miteinander verschraubten und genieteten Wellenprofile sofort wieder.

Zuletzt hatte er die Segmente 1972 beim Bau einer Eigenheimsiedlung in Pasewalk gesehen. Damals hatte ihm ein Oberst davon erzählt, dass die jahrelang in der Kaserne herumliegenden Röhren einst zum deutsch-deutschen Spionagetunnel gehört hatten. "Es war eine unglaubliche Entdeckung", sagte Sobolewski, der im Internet die Geschichte des Reliktes aus dem Kalten Krieg recherchierte und Experten des Alliierten-Museums in Berlin informierte.

Lauschangriff Codename "Operation Gold"

Mit dem unter der Zonengrenze führenden Tunnel wollten die amerikanischen und britischen Geheimdienste heimlich Telefongespräche und Fernschreibverbindungen der Sowjets abhören. Unter dem Decknamen "Operation Gold" wurde von einer Radarstation bei Berlin-Rudow im amerikanischen Sektor in zwei Metern Tiefe eine Tunnelröhre unter der Sektorengrenze nach Altglienicke in Treptow auf Ostberliner Seite gegraben. "In aller Stille hatten Soldaten in Handarbeit die 50 Zentimeter breiten und aus jeweils fünf Teilen bestehenden Tunnelsegmente unter der Erde zusammengesetzt und später das Innere ausgebaut", sagte Sobolewski. Die Arbeiten begannen im August 1954 und wurden im Februar 1955 abgeschlossen.

Unter der Schönefelder Chaussee installierten die CIA-Agenten eine Anzapfstelle, mit der mittels elektronischer Echoverstärker die Gespräche über dort verlaufende Telefonkabel mitgehört wurden. Angeblich sollen während des spektakulären Lauschangriffs nach Kriegsende jeden Tag etwa 1200 Stunden Gespräche mitgeschnitten und 300 Meter Telexe ausgedruckt worden sein.

Elf Monate nach der Inbetriebnahme wurde das Ostende des Spionagetunnels nach massiven Niederschlägen entdeckt und von sowjetischen und ostdeutschen Soldaten freigelegt. Tatsächlich aber hatten die Russen schon vor dem Tunnelbau über den Doppelagenten im britischen Geheimdienst SID, George Blake, Kenntnis von dem Projekt erhalten. Der sowjetische Geheimdienst KGB hatte jedoch die Aktion nicht behindert, weil man in dem Tunnel eine Möglichkeit sah, Desinformationen an die andere Seite weiterzureichen.

Blake, inzwischen hochbetagt, lebe heute in Moskau und werde dort wie ein Nationalheld gefeiert, sagt Sobolewski, der kürzlich Besuch von einem russischen Fernsehteam erhielt. "Die Reporter erzählten mir von ihrem Interview, das sie kürzlich mit Blake geführt hatten", sagt er. "Danach habe ich sie in unseren Kirchenforst geführt und ihnen die freigelegten Tunnelröhren gezeigt."

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