10.12.12

Kriminalität

Polizei will Rocker mit "1000 Nadelstichen" zermürben

Für Rocker wird es ungemütlich. Im Kampf gegen Berlins kriminelle Banden will die Polizei selbst kleinste Verstöße ahnden.

Foto: dpa

Motorrad falsch geparkt? Rocker sollen es schwer haben in Berlin
Motorrad falsch geparkt? Rocker sollen es schwer haben in Berlin

Die Berliner Polizei will den Druck auf kriminelle Rockerclubs in der Hauptstadt mit vielen kleinen Aktionen weiter hoch halten. Täglich seien Einsatzkräfte unterwegs, die etwa die Personalien der Bandenmitglieder feststellen sowie Lokalkontrollen und Durchsuchungen vornehmen sollen, sagte ein Polizeisprecher. Wie viele Beamte deswegen regelmäßig auf der Straße seien, ließ er offen.

Die Rockerszene und damit verbundene Kriminalität ist auch Thema im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses an diesem Montag. SPD und CDU setzen auf ein gezieltes Aussteigerprogramm.

Seit Jahresbeginn sind nach Polizeiangaben mehr als 5000 Personen im Zusammenhang mit dem Rockermilieu überprüft worden, 36 Menschen wurden festgenommen. Der Druck hat seit dem Verbot einer der brutalsten Gruppen der Hells Angels Ende Mai erheblich zugenommen. Allein von Juni bis November wurden bei rund 800 Kontrollen mehr als 3500 Personen überprüft. Das Verbot war damals verraten worden. Weil der Club daraufhin seine Auflösung ankündigte, musste die Polizei ihren Einsatz vorverlegen.

Auch die Steuerfahndung soll helfen

Mit dem hohen Kontrolldruck soll die Motivation der Rocker geschwächt werden. Ermittler nennen diese Taktik "1000 Nadelstiche". Selbst Bagatelldelikte wie Falschparken und überhöhte Geschwindigkeit werden geahndet. Im Fall der verbotenen Hells Angels-Gruppe sollen auch kleinste Verstöße gegen die Verfügung wie das Tragen bestimmter Club-Insignien geahndet werden. Innensenator Frank Henkel (CDU) will zudem mit unkonventionellen Mitteln gegen die Rocker vorgehen und etwa Steuerfahndung oder Ordnungsämter einschalten.

Die Ermittler haben immer wieder Probleme, den Rockern schwere Verbrechen gerichtsfest nachzuweisen. Die Behörden wollen es ihnen darum in der Stadt so schwer wie möglich machen und ihre kriminellen Geschäfte zumindest deutlich stören. Seither sind einige Rocker ins Berliner Umland abgewandert. Andere verhalten sich derzeit ruhig und warten die weiteren Entwicklungen ab.

Quelle: dpa/ap
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