05.12.12

Staatsanwaltschaft

Zweifel an Missbrauchsfall in Berliner Charité wachsen

Noch immer konnten die Ermittler die 16-Jährige nicht befragen. Sie soll schon einmal einen Sozialarbeiter bezichtigt haben.

Quelle: Reuters
22.11.12 1:48 min.
Nach jüngsten Vorwürfen von sexuellem Missbrauch an einer jungen Patientin will die Berliner Universitätsklinik Charité jetzt mit einer Offensive für Aufklärung sorgen.

Die Zweifel an der Darstellung des 16 Jahre alten mutmaßlichen Missbrauchsopfers in der Berliner Charité werden offenbar stärker. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte die Jugendliche 2008 einen Schul-Sozialarbeiter des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Mitte November 2012 soll ein Pfleger in der Rettungsstelle der Charité am Campus Virchow das Mädchen missbraucht haben.

Gegen den Sozialarbeiter wurde damals kein Ermittlungsverfahren eingeleitet, wie der Sprecher der Anklagebehörde, Martin Steltner, am Mittwoch sagte. Er bestätigte damit Medienberichte. Zu Details wollte er sich nicht äußern.

Der Sozialarbeiter soll das Mädchen beim Schwänzen der Schule erwischt haben. Daraufhin habe sie ihn lautstark des sexuellen Missbrauchs bezichtigt. Der Vorfall soll intern geklärt worden sein.

Staatsanwaltschaft prüft Vorwürfe "besonders sorgfältig"

Dies gebe "Anlass, den Verdacht besonders sorgfältig zu prüfen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Das sei aber nicht möglich, weil die Ermittler das Mädchen bisher nicht vernehmen konnten.

Zwar habe die Familie in der vergangenen Woche bestätigt, eine Ladung erhalten zu haben, den Termin jedoch mit unterschiedlicher Begründung abgesagt. Zu einem von der Polizei für Montag dieser Woche vorgeschlagenen Termin sei die Jugendliche – ohne Angabe von Gründen – nicht erschienen.

Auch der Charité ist es bislang nicht gelungen, Kontakt zur Familie aufzunehmen, wie ein Sprecher auf Anfrage sagte. Klinik-Chef Karl Max Einhäupl habe unzählige Male versucht, mit ihr zu telefonieren. Auch auf einen Brief hätten die Eltern nicht reagiert.

Der Pfleger, der den Vorwürfen widersprochen hatte, war unmittelbar danach suspendiert worden. Gegen ihn wurde – nach anfänglichem Zögern – Strafanzeige erstattet. Inzwischen sei ihm die Kündigung ausgesprochen worden, sagte der Charité-Sprecher. Der Personalrat habe sie jedoch abgelehnt.

Der Pfleger soll bereits 2011, 2009 und 2005 wegen Übergriffen auffällig geworden sein.

Quelle: BM/dapd
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