03.12.12

Gefängnis-Statistik

Ältester Berliner Häftling ist 79 Jahre alt

126 Gefangene in Berliner Justizvollzugsanstalten sind nach Senatsangaben älter als 60 Jahre. Das sind mehr als noch vor wenigen Jahren.

Der älteste Berliner Häftling ist bereits 79 Jahre alt. In den Gefängnissen der Hauptstadt sitzen 126 Gefangene, die älter als 60 Jahre sind, teilte die Justizverwaltung mit. Die gestiegene Lebenserwartung in der Gesellschaft spiegele sich leicht auch in den Gefängnissen wider, ein Alterungsproblem gebe es aber nicht, sagte Justizsenator Thomas Heilmann (CDU).

2002 gab es 95 Gefangene über 60 Jahren, 2007 waren es 113. Deutlich gestiegen ist demnach die Zahl der Inhaftierten mit mehr als 70 Jahren. 2007 waren dies noch elf Gefangene, darunter zwei Frauen. Nun gibt es 23 Männer in dieser Altersgruppe. Die Zahl der Inhaftierten geht seit Jahren zurück und liegt nun bei knapp 4500.

Der älteste Gefangene ist seit Mai 2008 inhaftiert und verbüßt eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren wegen sexuellen Missbrauchs. Die Haft geht 2015 zu Ende. Die älteste weibliche Gefangene ist 70 Jahre alt. Sie verbüßt eine Ersatzfreiheitsstrafe wegen Diebstahls. Ersatzfreiheitsstrafen müssen angetreten werden, wenn Verurteilte ihre Geldstrafe nicht zahlen können oder wollen.

Auffällig ist laut Justizverwaltung, dass im offenen Vollzug die17 Gefangenen über 65 Jahren fast ausschließlich wegen Betrugs, Verstoßes gegen die Abgabenordnung oder Steuerdelikten verurteilt worden sind. In Anstalten mit älteren Straftätern gebe es spezielle Angebote bis zur Seniorenberatung, hieß es. Im Gefängnis Tegel, wo die meisten älteren Semester sitzen, werde derzeit untersucht, ob Hilfen für diese Gruppe verbessert werden sollen. Die Haftanstalt biete Ergo-Therapie, Computer-Training und Ernährungs-Tipps, so die Senatsjustizverwaltung.

Sporttherapie und Gärtnerei

Im Gefängnis Charlottenburg könnten Ältere, die nicht mehr arbeiten müssen, trotzdem in der Beschäftigungswerkstatt und Gärtnerei eine Aufgabe finden. Eine Sporttherapeutin biete seit kurzem ein wöchentliches Bewegungsprogramm an. Das Frauengefängnis verwies darauf, dass ältere weibliche Gefangene öfter keine extra Angebote wollten. Manche würde diese Zuordnung als Stigmatisierung empfinden. Das Alter sei nur ein Kriterium bei der Betreuung von Gefangenen, sagte Senator Heilmann. Wichtig bei Älteren sei vor allem, soziale Bezüge "nach draußen" zu erhalten. Auch die generationsübergreifende Unterbringung im Gefängnis habe sich bewährt.

Quelle: dpa/sei
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