30.11.12

Diplomatie

Berlin fordert mehr Geld für Schutz von Botschaften

Nach dem Sturm von Demonstranten auf die iranische Botschaft in Berlin übt Außenminister Westerwelle Kritik. Doch der Senat wehrt sich.

Foto: dapd

Ein Polizeiwagen steht vor der iranischen Botschaft in Berlin
Ein Polizeiwagen steht vor der iranischen Botschaft in Berlin

Die Berliner Innenverwaltung hat nach der Attacke von Demonstranten auf die iranische Botschaft Vorwürfe des Bundes zurückgewiesen, ausländische Vertretungen ungenügend zu schützen. "Es gibt insgesamt 169 diplomatische Vertretungen in der Stadt, die wir je nach Notwendigkeit angemessen schützen", sagte Staatssekretär Bernd Krömer (CDU) am Freitag. Die Kritik sei überzogen.

Die finanzielle Belastung Berlins durch den Schutz der Botschaften sei erdrückend hoch. Darum müsse sich der Bund mehr engagieren. "Wir werden das Gespräch mit dem Bund suchen, wie das aussehen könnte." Berlin erhält jährlich 60 Millionen Euro für hauptstadtbedingte Sicherheitsmaßnahmen.

Am Mittwoch waren Demonstranten auf das Gelände der iranischen Botschaft eingedrungen und hatten das Gebäude beschädigt. Eine Gruppe, die sich als Teil der iranischen Opposition bezeichnete, übernahm die Verantwortung. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte danach Berlin in einem Schreiben auf, Vertretungen besser zu schützen. Allein in den vergangenen zwei Jahren habe es 13 Erstürmungen oder Besetzungen gegeben.

Westerwelle hat noch keine Antwort auf sein Schreiben an Wowereit

"Der Schutz ausländischer Botschaften ist eine völkerrechtliche Verpflichtung Deutschlands", sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Andreas Peschke, am Freitag. Er wies zugleich darauf hin, dass Westerwelle noch keine Antwort auf sein Schreiben an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) erhalten habe. Peschke fügte hinzu, in Zukunft müsse alles getan werden, um Vorfälle wie die Erstürmung der iranischen Botschaft zu verhindern. Dies habe zu diplomatischen Verwicklungen geführt.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, es sei richtig, dass sich das Auswärtige Amt mit dem Senat von Berlin und dem Regierenden Bürgermeister "ins Benehmen setzt". Er erläuterte, dass Berlin für die Erfüllung seiner Hauptstadtaufgaben Geld vom Bund erhalte.

Westerwelle hatte in dem Schreiben an Wowereit deutlich gemacht, "dass bei Schutzmaßnahmen für diplomatische Einrichtungen in Berlin akuter Handlungsbedarf besteht".

Zahl der gefährdeten Institutionen in Berlin gestiegen

Staatssekretär Krömer zufolge steht Berlin als Hauptstadt im besonderen Fokus. "Nirgendwo sonst gibt es so viele Demonstrationen, Kundgebungen und Veranstaltungen – das bindet entsprechend viele Kräfte." Zudem sei die Zahl der gefährdeten Institutionen gestiegen. Der 2007 mit dem Bund geschlossene Hauptstadtvertrag berücksichtige etwa die Folgen des Arabischen Frühlings nicht. Krömer zufolge sammelte der Zentrale Objektschutz mehr als 380 000 Überstunden an.

Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte jüngst die tatsächlichen Kosten für den Schutz der Botschaften mit mehr als 100 Millionen Euro beziffert. Beim Objektschutz fehlten 280 Stellen. Hinzu kommt, dass wegen zwingender Sparmaßnahmen 249 Stellen bei den vollzugsnahen Diensten bis 2016 wegfallen sollen. Dies betrifft auch den Objektschutz.

Quelle: BMO/alu
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Mehr Obst und Gemüse: Viele Schulen wünschen sich gesünderes Essen für ihre Schüler
07:16Schulessen
Berliner Senat verdirbt Eltern den Appetit

Die Reform des Schulessens wird am Donnerstag im Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses abgestimmt. Eltern sollen künftig 37 Euro statt 23 Euro zahlen. Sie hoffen jetzt auf eine soziale Staffelung. mehr...


Sängerin Beyoncé ist in der O2 World in Friedrichshain zu Gast
22.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Donnerstag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Donnerstag, den 23. Mai. mehr...


Die 13.000 BVG-Beschäftigten können sich über ein Lohnplus von knapp 4,8 Prozent in zwei Jahren freuen
07:16Kommentar
Die BVG ist einen bemerkenswerten Kompromiss eingegangen

Die Berliner Verkehrsbetriebe und die Gewerkschaften haben sich rasch auf einen neuen Tarifabschluss geeinigt. Nun ist die Landespolitik gefordert, die sich klar zu ihrer BVG bekennen muss. mehr...


Am Dienstagnachmittag gegen 17.30 Uhr wurde 82 Jahre alter Mann in einer Supermarkt-Filiale erstochen
07:14Mord an Fleischtheke
Verdächtiger wird voraussichtlich in Psychiatrie eingewiesen

Nach der tödlichen Messerattacke auf einen 82-Jährigen in einer Kaufland-Filiale im Wedding muss geklärt werden, ob der mutmaßliche Täter voll schuldfähig ist. Sein Motiv ist weiterhin unklar. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Oklahoma Wiedersehen nach dem schweren Tornado
Umzug Karneval der Kulturen 2013 - Berlin ist bunt
US-Kongress Apple verteidigt Steuersparmodell
Xbox One Microsoft stellt neue Spielkonsole vor
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote