27.11.12

Ermittlungen

Nach Überfall auf Berliner Rabbiner 14-Jähriger befragt

Die Polizei hat offenbar eine Spur im Fall Daniel Alter. Ein Jugendlicher hat möglicherweise einen Film von der Tat auf seinem Handy.

Foto: REUTERS

Rabbiner Alter war im August 2012 im Berliner Stadtteil Friedenau vor den Augen seiner kleinen Tochter von mehreren Jugendlichen zusammengeschlagen worden. Er trug eine Kippa
Rabbiner Alter war im August 2012 im Berliner Stadtteil Friedenau vor den Augen seiner kleinen Tochter von mehreren Jugendlichen zusammengeschlagen worden. Er trug eine Kippa

Drei Monate nach dem Überfall auf den Rabbiner Daniel Alter im Ortsteil Friedenau hat die Berliner Polizei bei ihrer Suche nach den Tätern offenbar eine heiße Spur. Am Dienstag befragten Ermittler einen 14-Jährigen als möglichen Zeugen.

Zudem wurde die Wohnung seiner Eltern durchsucht. Dabei beschlagnahmten die Beamten umfangreiches Beweismaterial, das jetzt ausgewertet wird. Der 14-Jährige soll im Besitz eines vermutlich mit einer Handy-Kamera aufgenommenen Films sein, der den Überfall auf den jüdischen Geistlichen zeigt. Der 14-Jährige bestreitet dies allerdings bislang.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, bestätigte die Befragung des mutmaßlichen Zeugen und die Durchsuchungsmaßnahmen, machte zu weiteren Details unter Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren jedoch keine Angaben.

Daniel Alter war am Nachmittag des 28. August 2012 in Begleitung seiner kleinen Tochter in Friedenau unterwegs, dabei trug er eine Kippa. Vier Jugendliche arabischer Herkunft sprachen den Rabbiner an und fragten ihn, ob er Jude sei. Als Alter dies bejahte, schlugen die Angreifer unter wüsten Beschimpfungen massiv auf ihn ein. Darüber hinaus bedrohten sie das kleine Mädchen. Der Fall erregte seinerzeit weit über die Grenzen Berlins hinaus Aufsehen und Abscheu.

Auch nachdem sich die Aufregung um den Vorfall gelegt hatte, wurden die Ermittlungen des Landeskriminalamtes (LKA) energisch vorangetrieben. Die Beamten des zuständigen Staatsschutzes befragten zahllose Personen in der Umgebung und Kenner der Migrantenszene. Sie gingen mehreren Hinweisen aus der Bevölkerung nach, ohne dass sich zunächst daraus eine heiße Spur ergab. Schließlich stießen sie auf den möglichen Zeugen. Damit könnte ein Durchbruch bevorstehen, auch wenn sich Polizei und Justiz noch zurückhaltend geben.

Dass gewalttätige Übergriffe insbesondere von Jugendlichen gefilmt werden, geschieht immer häufiger. Sollte ein solcher Film existieren, kann er von Kriminaltechnikern wieder hergestellt werden, auch wenn er zuvor auf einem Speichermedium gelöscht wurde.

Quelle: hhn
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