25.11.12

Berlin-Tegel

Flugzeug muss wegen Gänsen in Tegel notlanden

Ein Knall, Flammen, ein steiler Sinkflug: Eine Lufthansa-Maschine musste notlanden. Auch Hessens SPD-Chef Schäfer-Gümbel war an Bord.

Foto: picture alliance / dpa
Vogelschlag hat schon öfter für Notlandungen gesorgt: Das Flugzeug in Tegel konnte sicher laden
Vogelschlag hat schon öfter für Notlandungen gesorgt: Das Flugzeug in Tegel konnte sicher laden

Grund für die Notlandung einer Lufthansa-Maschine auf dem Flug nach Frankfurt am Main waren Graugänse, die ins Triebwerk gerieten waren. Nicht nur das Triebwerk, sondern auch Teile des Flugzeugrumpfes wurden dabei beschädigt.

Um 17.52 Uhr am Sonnabendnachmittag war der Airbus A 320 der Lufthansa planmäßig mit dem Ziel Frankfurt/Main vom Flughafen Tegel gestartet. Exakt 17 Minuten später war die Maschine wieder am Boden. Weil ein Triebwerk ausgefallen war, musste der Flug LA 195 notlanden, wie Flughafensprecher Lars Wagner Morgenpost Online noch am Abend bestätigte.

200 Passagiere seien an Bord gewesen, sagte der Sprecher der Bundespolizeidirektion Berlin, Thorsten Peters. Niemand sei verletzt worden. Allerdings hätten 20 Passagiere darauf verzichtet, gegen 19.30 Uhr mit einer anderen Maschine nach Frankfurt zu fliegen.

Fluggäste glaubten, sie stürzten ab

Ein Mitarbeiter des Bodenpersonals schilderte Morgenpost Online den Vorfall dramatisch: In der Luft habe es geblitzt und zwei, drei Mal geknallt. Seine Kollegen und er hätten gedacht, das Flugzeug stürzt ab: "Es flog steil nach unten, aber konnte dann doch noch notlanden."

Etliche Passagiere hätten wohl unter Schock gestanden, einige hätten geweint und wollten unter keinen Umständen in die Ersatzmaschine einsteigen. Eine psychologische oder medizinische Betreuung der Fluggäste sei nicht erfolgt.

An Bord war auch Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel. Er sprach von einer "Schreckminute". "Es fing an zu vibrieren, es gab einen großen Knall und eine Stichflamme aus dem Triebwerk", sagte der SPD-Landesvorsitzende. Dann sei das Triebwerk ausgegangen.

Wie alle anderen im Flugzeug sei er dann angespannt gewesen, schließlich gebe es keine Chance einzugreifen. Als die Maschine wenig später wieder sicher in Berlin-Tegel gelandet war, hätten viele Passagiere applaudiert. "Das zeigt, wie angespannt alle waren – es war eine unangenehme Situation."

"Die Piloten haben das gut und routiniert gemacht"

Allerdings machte Schäfer-Gümbel klar: "Es gab keine Paniksituation, die Piloten haben das gut und routiniert gemacht und sind weich gelandet."

Schäfer-Gümbel hatte sich, um nicht noch möglicherweise lange am Flughafen zu stehen, gleich für die Zugvariante entschieden. Sein Fazit zu dem turbulenten Flug: "Ich brauche so etwas nicht mehr."

Sowohl die in Alarmbereitschaft versetzte Flughafenfeuerwehr als auch die Polizei hätten die Lage geprüft, es habe bei den Fluggästen keine Anzeichen für eine notwendige medizinische Betreuung gegeben, erklärte Bundespolizeisprecher Peters. Flughafensprecher Wagner sagte: "Natürlich ist so etwas immer eine sehr unangenehme Situation für die Fluggäste. Klar ist aber auch, dass moderne zweistrahlige Maschinen auch mit einem Triebwerk sicher landen können."

Auch mit einem Triebwerk sicher gelandet

Ein Triebwerkausfall wirke oft besorgniserregend auf Passagiere, ob es unter den betroffenen Fluggästen in Tegel am Sonnabend wirklich Schockzustände gegeben habe, könne er nicht sagen.

Wie Bundespolizei-Sprecher Thorsten Peters sagte, sei der Vorfall sofort als Notfall deklariert worden. Nicht nur die Flughafenfeuerwehr sei ausgerückt, sondern auch ein großes Aufgebot der Berliner Feuerwehr. Dieses sei aber bereits vor dem Eintreffen am Flughafen Tegel zurückbeordert worden. Der beschädigte Airbus stehe jetzt auf einer Außenposition und werde seit Sonntag eingehend untersucht.

Zuletzt sorgte Ende Januar dieses Jahres eine Notlandung für Alarm in Tegel. Eine Maschine der Air France musste, ebenfalls wegen eines Triebwerkschadens, notlanden. Nach 18 Stunden ging es für die 300 aus Paris kommenden Passagiere weiter nach Peking.

Notwasserung in New York wegen Vogelschlag

Eine Condor-Maschine musste im Oktober 2011 zu seinem Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel umkehren, weil Vögel in das Triebwerk geraten waren. Wie gefährlich das ist, weiß man spätestens seit der spektakulären Notwasserung auf dem Hudson-River im Januar 2009.

Der Deutsche Ausschuss zur Verhütung von Vogelschlag veröffentlicht dazu furchteinflößende Fakten: Triebwerke können durch Vögel beschädigt werden; sogar Cockpit-Scheiben zersplittern.

Der Ausschuss, den es schon seit 1964 gibt, versucht, Vogelschlag zu verhindern, indem er den Lebensraum für die Vögel am Flughafen möglichst unattraktiv macht. Das heißt: Das Gras wird nicht gemäht, sondern wächst hoch, damit die Greifvögel von oben keine Mäuse darin entdecken können. Auch Sträucher und Beeren sollten am Flughafen nicht wachsen.

Quelle: ab/hhn/diz/mim
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