23.11.12

Gala in Berlin

Joachim Gauck eröffnet Bundespresseball mit Walzer

Der Zeitungskrise zum Trotz haben rund 2.500 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Medien den 61. Bundespresseball in Berlin gefeiert.

Foto: dpa

Mit einem Walzer hat Bundespräsident Joachim Gauck am Freitagabend den 61. Bundespresseball in Berlin eröffnet.

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Spätestens als die Bigband die ersten Takte anstimmte, war alles für einen Moment vergessen. Finanzkrise und Zeitungssterben, Nebeneinkünfte und Wulff-Affäre – davon wollte an diesem Abend keiner mehr sprechen. Nein, beim 61. Bundespresseball am Freitag im Hotel Intercontinental lagen sich führende Volksvertreter und einflussreiche Medienmenschen in den Armen, schoben sich im Wiegeschritt über das Parkett, vollführten Partner- und Richtungswechsel, wie es ihr politischer Alltag sonst nicht erlaubt. Und während Kanzlerin Angela Merkel wie in all den Jahren zuvor konsequent mit ihrer Abwesenheit glänzte, war es für einen der rund 2500 Gäste eine Premiere: Bundespräsident Joachim Gauck wurde die Ehre zuteil, den traditionellen Eröffnungswalzer zu tanzen. Zunächst zusammen mit Sonja Mayntz, Frau des Vorsitzenden der Bundespressekonferenz, Gregor Mayntz. Anschließend mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt. Wie würde das Paar auftreten als Nachfolger von Christian und Bettina Wulff, die 2011 mit längeren Küssen für ein Blitzlichtgewitter gesorgt hatten? Diese Frage trieb zuvor nicht wenige der Anwesenden um. Die Antwort gab das Staatsoberhaupt auf seine Art: Unaufgeregt und doch liebevoll führte er seine Partnerin über das Parkett – und das trotz Knieproblemen. "Das Feiern sollte man sich nicht versagen lassen", sagte er, allerdings in Anspielung auf die kriselnde Medienlandschaft.

In diesem Jahr stand das Ereignis unter dem nebulösen Motto "Perpetuum Mobile". In der Ballzeitung hieß es dazu: "Der Berliner Politikbetrieb ist ständig in Bewegung und produziert aus sich selbst heraus jede Menge Energie und Aufgeregtheit – um beides im gleichen Moment wieder zu verbrauchen." Jede Menge Energie wurde dann tatsächlich verbraucht: auf der Tanzfläche. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler bekannte, "langsame Walzer" zu bevorzugen, während seine Frau Wiebke bewies, dass guter Geschmack nicht teuer sein muss. Ihre Robe hatte sie bei einem Internetversandhaus bestellt. Während vor allem die FDP in Mannschaftsstärke auftrat, war die Opposition in der Unterzahl. Absagen gab es von der SPD-Spitze – möglicherweise wollten die Sozialdemokraten einschlägige Bilder ihres in die Kritik geratenen Spitzenkandidaten Peer Steinbrück im Smoking vermeiden. Auch die Showprominenz war erneut kaum vertreten. Immerhin waren das Schauspielerpaar Andrea Sawatzki und Christian Berkel sowie Designer Michael Michalsky dabei, der zu späterer Stunde Discofox tanzen wollte – und das Kleid von Daniela Schadt lobte: "Ich finde, ihr Stil ist im Einklang mit ihrer Person. Sie ist peppig."

Caroline Rudelt/Annika Schönstädt

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