20.11.12

Polizeipräsident

Warum Klaus Kandt eine gute Wahl für Berlin ist

Bei der Neubesetzung des Berliner Polizeipräsidentenamtes ist eine Entscheidung gefallen. Christine Richter über Kandt und seine Aufgaben.

Foto: dpa

Klaus Kandt wird neuer Polizeipräsident in Berlin
Klaus Kandt wird neuer Polizeipräsident in Berlin

Eine unendliche Geschichte ist am Dienstag endlich zu Ende gegangen: Eineinhalb Jahre nach dem Ausscheiden von Dieter Glietsch hat Berlin wieder einen neuen Polizeipräsidenten. Am Dienstag ernannte der Senat – auf Vorschlag von Innensenator Frank Henkel (CDU) und einstimmig – den derzeitigen Präsidenten der Bundespolizei Berlin, Klaus Kandt, zum neuen Polizeichef. Es ist eine gute Wahl für Berlin.

Kandt, 52 Jahre alt, kennt die Polizeiarbeit von der Pike auf. Er ist seit 1979 Polizist und hat sich Schritt für Schritt hochgearbeitet. Er war unter anderem Teamführer beim SEK Berlin, leitete in Brandenburg die Spezialeinheiten und seit dem Jahr 2008 die Bundespolizeidirektion Berlin. Er kennt sich also auch in der Region aus und hat schon mit vielen Berliner Polizeibeamten zu tun gehabt. Das ist ein Vorteil – für ihn und auch für die riesige Polizeibehörde mit rund 23.000 Mitarbeitern selbst. Denn auch das muss man anerkennen: Kandt beweist Mut, dass er sich auf diesen schwierigen Job einlässt. Es gilt in Berlin nicht nur den 1. Mai zu bewältigen, an dem es seit 25 Jahren in Berlin zu gewalttätigen Demonstrationen kommt. Ein solch große Behörde muss man führen können, fast rund um die Uhr im Einsatz sein, Pannen mit V-Männer vermeiden, Morde aufklären, Gewalt in U-Bahnen und auf zentralen Plätzen verhindern – und dann auch noch politischen Druck aushalten. Denn unter einem CDU-Innensenator steht auch der jeweilige Polizeipräsident in einer Stadt wie Berlin und bei den drei Oppositionsparteien Grüne, Linke und Piraten unter besonderer Beobachtung.

Grüne und SPD zeigen sich enttäuscht

Am Dienstag äußerten sich vor allem die Politiker von der SPD und den Grünen enttäuscht, dass Margarete Koppers, die derzeitige Vize-Polizeipräsidentin, nicht an die Spitze gerückt ist. Sie führte die Behörde seit Glietschs Weggang, sie hatte sich auch um den Spitzenposten beworben. Doch sie hat in den vergangenen Monaten auch etliche Fehler gemacht – im Umgang mit den Rohrbomben, die am Rande der diesjährigen 1.-Mai-Krawalle gefunden worden waren, und über die sie den Innensenator erst nach Tagen informierte. Glücklicherweise waren die Rohrbomben nicht explosionsfähig. Oder auch hinsichtlich des V-Manns der Polizei, der Kontakte zum NSU-Terrortrio hatte, lief bei der Berliner Polizei einiges schief, vor allem im Umgang mit der Generalbundesanwaltschaft bei diesem Fall brillierte auch Koppers nicht. Und noch schwerer wiegt: Loyalität gegenüber Henkel sieht anders aus.

Es ist gut, dass die deutschlandweit größte Polizeibehörde wieder einen Chef hat, einen Polizeiexperten. Für Innensenator Henkel, der in den vergangenen Wochen mächtig unter Druck stand, ist es wichtig, dass er sich nun einen Polizeipräsidenten ausgesucht hat, der sehr erfahren ist, der weiß, wie Polizisten ticken, der loyal an seiner Seite stehen wird. Und das nicht, weil Kandt wie Henkel auch ein Parteibuch der CDU besitzt, sondern weil er so mutig ist, diese Aufgabe in Berlin zu übernehmen. Henkels Erfolg ist auch Kandts Erfolg – und umgekehrt. Das sind gute Voraussetzungen für die nächsten Jahre.

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