20.11.12

Polizei

Klaus Kandt wird ab Dezember Berlins neuer Polizeipräsident

Nach fast zweijähriger Suche soll der Chef der Bundespolizeidirektion Berlin den Posten übernehmen. Klagen bleiben aber möglich.

Foto: dapd

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU, l.) und der neue Polizeipräsident von Berlin, Klaus Kandt
Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU, l.) und der neue Polizeipräsident von Berlin, Klaus Kandt

Klaus Kandt wird neuer Polizeipräsident in Berlin. Das gab Innensenator Frank Henkel (CDU) am Dienstag offiziell bekannt. Zuvor hatte der rot-schwarze Senat diesem Personalvorschlag einstimmig zugestimmt. Kandt war bisher Präsident der Bundespolizei in Berlin. Er soll den neuen Posten im Dezember antreten.

Seit Juni 2011 hatte Polizeivizechefin Margarete Koppers die bundesweit größte Landespolizei kommissarisch geführt. Auch sie hatte sich bereits um den Chefposten beworben.

Ein juristisches Nachspiel ist nicht ausgeschlossen. Nach der Entscheidung haben die unterlegenen Kandidaten 14 Tage Zeit, Einspruch einzulegen. Kandts Mitbewerber Klaus Keese will gegebenenfalls eine Klage prüfen. "Ich werde mich mit meinem Anwalt beraten, sobald ich das Ablehnungsschreiben erhalten habe", sagte der langjährige Leiter der Berliner Polizeidirektion 1.

Zukunft von Margarete Koppers bleibt unklar

Der 61-jährige Keese war schon im Vorjahr mit seiner Bewerbung gescheitert und hatte vor Gericht gleich zweimal das Auswahlverfahren gestoppt. Henkel hatte danach die Stelle im April neu ausschreiben lassen.

Ob auch andere Mitbewerber eine Klage erwägen, wurde zunächst nicht bekannt. Unklar ist auch, ob Koppers bleiben wird. Das hatte die 50-Jährige bislang stets offen gelassen.

Nach Dieter Glietschs Ausscheiden im Sommer 2011 hatte die Juristin die Behörde mit rund 23.000 Mitarbeitern anderthalb Jahre kommissarisch geleitet. Zuletzt hatte sie Henkel mit einem indirekten Vorwurf der Parteilichkeit düpiert.

Der 52-jährige Kandt gehörte zuletzt zu fünf von einst 19 Bewerbern. Kandt war schon zu Jahresbeginn als Favorit seines Parteifreundes Henkel gehandelt worden, ohne dass der Innensenator selbst einen Namen genannt hatte.Das Warten hat sich für Klaus Kandt gelohntKandt hatte sich lange zurückgehalten. Als der Senat nach einem neuen Berliner Polizeipräsidenten suchte, warf der Chef der Bundespolizeidirektion Berlin seinen Hut erst in den Ring, nachdem Innensenator Frank Henkel (CDU) den Weg für ein neues und nach eigenen Angaben "rechtssicheres" Verfahren frei gemacht hatte. Das Warten hat sich für den 52-Jährigen gelohnt. Nun hat sich sein Parteifreund Henkel für den erfahrenen Strategen entschieden – wie schon Anfang des Jahres kolportiert worden war.

Kandt gilt in den Sicherheitsbehörden als bestens vernetzt

Für die Berliner Polizei dürfte Kandt ein guter Coup sein. Er gilt innerhalb der Sicherheitsbehörden als bestens vernetzt – in Berlin, Brandenburg und auf Bundesebene. Bei Kollegen genießt er einen ausgezeichneten Ruf. Bauch-Entscheidungen seien mit ihm nicht zu machen, heißt es. "Man kann mit ihm immer reden, und er nimmt Kritik an", sagte ein ehemaliger Kollege. Eigenschaften, die Kandt von seinem Vorgänger Dieter Glietsch deutlich abgrenzen.

Zugleich sei der gebürtige Schwabe freundlich und verbindlich zu Mitarbeitern. "Er kann mit Menschen", sagte ein Wegbegleiter aus der Bundespolizei. "Man wird ihm die ein oder andere Träne hinterherweinen."

Kandt hat viele Jahre EinsatzerfahrungKandt bringt viel Chef-Erfahrung in die mit 23.000 Beamten und Angestellten größte Landespolizeibehörde Deutschlands mit. Bislang leitete er die Bundespolizeidirektion Berlin mit fast 5000 Mitarbeitern. Neben der Kontrolle des deutsch-polnischen Grenzverkehrs verantwortete er die Sicherheit auf den Berliner Flughäfen und 3200 Eisenbahnkilometern. In dieser Zeit arbeitete er bereits eng mit der Berliner Polizei zusammen – dies dürfte ihm den Start nun stark erleichtern.

Der Ex-Elitepolizist kennt sich mit brenzligen Situationen aus

Zudem kann Kandt auf viele Jahre Einsatzerfahrung im Polizeivollzugsdienst zurückblieben. Vor allem mit brenzligen Situationen kennt sich der Ex-Elitepolizist aus. Kollegen beschreiben ihn als kühlen Kopf, der überlegt und pragmatisch entscheidet, wenn es brennt.

Kandt begann seine Laufbahn bei der GSG 9Seine Laufbahn startete der aus Backnang bei Stuttgart stammende Beamte nach dem Abitur 1979 beim Bundesgrenzschutz, der heutigen Bundespolizei. Dort war er bei der Anti-Terroreinheit GSG 9. Mitte der 80er Jahre wechselte er zur Berliner Polizei und leitete ein Team des Spezialeinsatzkommandos (SEK).

Nach dem Studium an der Polizeiführungsakademie leitete er ab 1993 die Spezialeinheiten der brandenburgischen Polizei. Im Zuge der Polizeireform wechselte Kandt 2002 als Leiter des Führungsstabes und stellvertretender Polizeipräsident nach Frankfurt (Oder). 2005 übernahm er dort den Chefsessel.

Kandt überstand Kritik ohne größeren Schaden

In öffentlicher Kritik stand Kandt nur einmal nach seinem Antritt als Potsdamer Polizeichef 2007: Bei einem Neonazi-Aufmarsch hatten Beamte Pfefferspray gegen Gegendemonstranten eingesetzt. Kritiker warfen der Polizei darum vor, Nazis zu schützen. Kandt überstand die Kritik aber ohne größeren Schaden.

Zu einem öffentlichen Thema wurde während des Bewerbungsverfahrens in den vergangenen Monaten dann auch Kandts Mitgliedschaft in der CDU. Politiker aus der Opposition aber auch des CDU-Regierungspartners SPD rümpften die Nase. Viele von Kandts künftigen Kollegen in der Berliner Polizeibehörde sehen das aber ganz entspannt: Kandts Parteibuch werde im Polizeialltag keine Rolle spielen, meinen sie.

Quelle: dpa/mim/alu
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