19.11.12

Prozess in Wien

Mörderin betonierte Leichen im Keller ihres Eissalons ein

Eine 34-Jährige hat vor Gericht gestanden, zwei Ex-Partner erst erschossen, dann zersägt und schließlich in Beton gegossen zu haben.

Foto: dpa

Die wegen Doppelmordes angeklagte 34-Jährige steht in Wien vor Gericht
Die wegen Doppelmordes angeklagte 34-Jährige steht in Wien vor Gericht

Mit ihren braunen Rehaugen, dem Schmollmund und ihrer zierlichen Gestalt sieht die angeklagte Goidsargi Estibaliz C. (34) aus wie die Unschuld in Person. Und doch soll sie zwei ihrer Ex-Partner heimtückisch erschossen, mit einer Motorsäge zerstückelt und in ihrem Keller einbetoniert haben.

"Lassen Sie sich nicht täuschen", appelliert die Staatsanwältin am Montag beim Prozessauftakt im Wiener Straflandesgericht an die Geschworenen. Auf der Anklagebank sitze eine "eiskalte, brandgefährliche Frau mit einer bösen und einer guten Seite".

Zum Prozessauftakt erschien C. in einem eleganten grauen Etuikleid. Sie bestätigte zunächst ihre Personalien und zeigte keine Emotionen, als die Anklage verlesen wurde. Die Morde hatte sie bereits bei Polizeiverhören gestanden. Zur Begründung gab sie an, sie habe schwierige Beziehungen zu den Männern gehabt, die bei ihr "Wutanfälle" ausgelöst hätten.

C. kam als Au-pair nach Deutschland, wo sie ihren späteren Ehemann kennenlernte. Nach der Heirat 2007 habe sich die Beziehung zu dem Deutschen verschlechtert, sagte die Angeklagte aus. Ihr Mann habe sie angeschrieen und gedemütigt.

Das Paar zog dann von Berlin nach Wien, wo es eine Eisdiele eröffnete, die laut C. eine "absolute Pleite" war. Das Paar ließ sich scheiden, doch nach Aussage der Angeklagten ließ sie ihr Ex-Mann nicht in Ruhe. Im April 2008 erschoss sie ihn aus nächster Nähe mit einer Pistole vom Typ Beretta.

Mann getötet, weil er nicht ausziehen wollte

Mit einer Waffe schießt sie dem Mann mehrfach von hinten in den Kopf, als er vor dem Computer sitzt, wie die Frau vor Gericht erzählt. Er habe nicht ausziehen wollen, begründet sie ihre Tat: "Ich war hilflos, ich kriege mein Leben nicht mehr zurück." Sie zerteilt die Leiche mit einer Motorsäge, friert Teile ein und betoniert alles schließlich im Keller ihres Eissalons ein, wie sie schildert.

Etwa zwei Jahre später soll sie ihren neuen Freund, einen Eismaschinen-Vertreter, wegen seiner angeblichen Untreue fast auf die gleiche Weise ermordet haben. Vorher habe sie sich bereits eine neue Kettensäge und wieder Beton besorgt: "Ich dachte, ich habe nur Fantasien und würde sie nicht in die Tat umsetzen."

Leichenteile nur durch Zufall entdeckt

Handwerker entdeckten im Juni 2011 bei Umbauarbeiten zufällig die Leichenteile im Keller. Die 34-Jährige flüchtet und wird einige Tage später in Italien festgenommen. Bei ihrer Festnahme war sie im zweiten Monat von einem weiteren Mann schwanger. Derzeit ist sie in einer Psychiatrie untergebracht.

Eine Psychiaterin hatte ihr in einem zuvor bekannt gewordenen Gutachten eine Persönlichkeitsstörung attestiert. Sie sei zurechnungsfähig, habe aber Rückfallgefahr. Die Angeklagte selbst widerspricht dem: "Ich würde mich lieber aufhängen, als jemand anderem Schaden zuzufügen." Mordgedanken begleiten sie ihrer Schilderung nach schon sehr lange.

Einer ihrer Anwälte erklärt ihre Taten mit physischer und psychischer Gewalt, die sie im Laufe ihres Lebens von Männern erfahren habe. Sie sei "ein schwer gestörter Mensch, der sich nicht ausgesucht hat, gestört zu sein", sagt ihr Verteidiger Rudolf Mayer.

Neuen Freund heiratete sie in der U-Haft

Ihr neuer Freund hat sie trotz von der Psychiaterin attestierter Rückfallgefahr in Untersuchungshaft geheiratet. Im Gefängnis brachte sie im Januar 2012 auch das gemeinsame Kind zur Welt, dass nun bei ihren Eltern in Spanien lebt. Gegen ihren Ehemann hege sie auch keinerlei Tötungsabsichten, versichert die Frau vor Gericht: "Er ist ganz sanft. Er ist das Gegenteil von einem Macho. Er würde mich nie in so eine Situation bringen."

Die geständige Mörderin machte in den letzten Monaten in Österreich viele Schlagzeilen. Besonders Boulevardzeitungen lassen sich für die Eissalon-Besitzerin Namen wie "Eislady", "Eisbaronin" oder "Eiskalter Engel" einfallen. Immer dabei: Das Bild ihrer Festnahme, das die gutaussehende Frau mit der spanisch-mexikanischen Doppelstaatsbürgerschaft im engen, bauchfreien Top zeigt.

Das Urteil in dem Prozess wird in dieser Woche erwartet.

Quelle: dpa/AFP/sei
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