19.11.12

Personalmangel

Berliner Verwaltung muss 25.000 neue Mitarbeiter einstellen

In Berlin geht bis 2017 jeder vierte Beschäftigte im öffentlichen Dienst in den Ruhestand. Deshalb muss eingestellt und ausgebildet werden.

Foto: Tagesspiegel

Noch arbeiten 114.000 Menschen direkt für das Land Berlin, die sich 104.000 Vollzeitstellen teilen. Bis zum Ende der Legislaturperiode soll nach jahrelangem Personalabbau die Zielzahl von 100.000 erreicht sein
Noch arbeiten 114.000 Menschen direkt für das Land Berlin, die sich 104.000 Vollzeitstellen teilen. Bis zum Ende der Legislaturperiode soll nach jahrelangem Personalabbau die Zielzahl von 100.000 erreicht sein

Das Land Berlin läuft in die Personal-Falle. Wenn der öffentliche Dienst des Landes nicht massiv neue Mitarbeiter einstellt und viel mehr junge Menschen als bisher ausbildet, verlieren viele Behörden und Dienststellen in drei bis spätestens vier Jahren ihre Leistungskraft.

Diese Warnung kommt nicht nur von Personalräten und Gewerkschaften, sondern neuerdings auch von der größten Regierungsfraktion, der SPD: "Wenn wir jetzt nichts tun, dann fehlen uns in wenigen Jahren so viele Mitarbeiter, dass wir teilweise nicht mehr arbeitsfähig sind", sagte SPD-Fraktionschef Raed Saleh Morgenpost Online.

Die Sozialdemokraten gehen davon aus, dass Berlin wegen der anwachsenden Pensionierungswelle bis 2017 insgesamt 25.000 Mitarbeiter im öffentlichen Dienst einstellen muss, um die als notwendig angenommene Personalstärke von 100.000 Stellen zu halten.

Denn in den nächsten fünf Jahren gehen fast 30.000 Beamte und Angestellte in den Ruhestand. Das ist jeder vierte Mitarbeiter. In manchen Dienststellen ist absehbar, dass in wenigen Jahren nur noch die Hälfte des Personals da ist. Denn die Ämter sind infolge des langjährigen Einstellungsstopps überaltert, 57.000 Mitarbeiter sind über 50, nur 3000 jünger als 30.

Bereits 2016 massive Lücken in den Ämtern

Saleh kündigte eine parlamentarische Initiative für eine "Ausbildungsoffensive" an. Diese sei "erforderlich, um die Leistungsfähigkeit unserer Verwaltung" zu erhalten und zu verbessern. Und weil sich bereits 2016 massive Lücken in den Ämtern zeigen werden, weil mehr als ein Viertel der Beschäftigten in den Ruhestand ausscheidet, muss nach Ansicht der SPD-Experten rasch gegengesteuert werden, denn es dauere drei Jahre, um junge Leute qualifiziert auszubilden.

Die Koalition hat für die Senatsverwaltungen eine Personalstärke von 80.000 als Ziel definiert, inklusive Polizisten, Lehrern, Justiz und Finanzbeamten. 20.000 Beschäftigte sollen demnach in den zwölf Bezirksämtern arbeiten. Noch arbeiten 114.000 Menschen direkt für das Land Berlin, die sich 104.000 Vollzeitstellen teilen. Bis zum Ende der Legislaturperiode soll nach jahrelangem Personalabbau die Zielzahl von 100.000 erreicht sein, die man nach Einschätzung der Experten brauchen wird. Dafür müssen die Bezirke noch 1400 Jobs streichen, die Hauptverwaltungen den Rest.

Seit 1991 hat Berlins Verwaltung die Hälfte seiner zur Nachwendezeit mehr als 200.000 Stellen gestrichen. Die Phase des Abbaus ist aber nun zu Ende. Eine echte Personalentwicklung sei aber durch die dauernde Abbaudiskussion erschwert worden, heißt es in der SPD. Jetzt sei es höchste Zeit, umzusteuern. Es gelte, die Landesverwaltung als attraktiven Arbeitgeber zu profilieren und sicherzustellen, dass die ausscheidenden Älteren Erfahrung und Wissen an die Jungen weitergeben können.

Weil vonseiten der Landesregierung bisher keine ausreichenden Aktivitäten zu registrieren sind, um dem drohenden Personalmangel entgegenzusteuern, machen die Parlamentarier jetzt dem eigenen Senat Druck. Bis zu ihrer Fraktionsklausur im kommenden Januar wollen die Sozialdemokraten die grundlegenden Anforderungen an ein Personalentwicklungskonzept vorlegen.

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