18.11.12

Rocker

Hells Angels gründen offenbar neues Chapter in Berlin

Die Berliner Polizei macht Druck auf die Rockerszene: Vor einem Boxkampf überprüfte sie Hunderte Besucher.

Von Michael Behrendt

Die Polizei behält den Druck auf die Berliner Rockerszene bei. Bereitschaftspolizisten haben am Sonnabend insgesamt fünf Kontrollstellen auf den Zufahrtstraßen zu einer Boxveranstaltung in Köpenick eingerichtet. Die Polizei hatte zuvor Hinweise erhalten, wonach Angehörige der Hells Angels und deren Unterstützerclubs dort erscheinen wollten.

Ab 18 Uhr wurden insgesamt 340 Personen überprüft, von denen 74 dem Rockermilieu zuzurechnen sind. Zudem wurden 247 Fahrzeuge kontrolliert, drei von ihnen wurden aus technischen Gründen sichergestellt. Darüber hinaus wurden vereinzelt Klappmesser, Reizstoffsprühgeräte und Schlagstöcke beschlagnahmt. Zu Widerstandshandlungen kam es nicht, Festnahmen wurden nicht vermeldet.

Weitere Kontrolle in der Nacht zuvor

Bereits in der Nacht zum Sonnabend waren bei einer Veranstaltung an der Streustraße in Weißensee 177 Mitglieder des Rockerclubs und Sympathisanten kontrolliert worden. In dem Vereinsheim hatten sich insgesamt 250 Menschen versammelt, darunter 50 aus Dänemark.

Während der vierstündigen Aktion wurden von allen Kontrollierten die Personalien aufgenommen. Einem eingesetzten Beamten zufolge hatten sich die Rocker aus ihrer Sicht "taktisch klug" verhalten, denn es wurden keinerlei verbotene Gegenstände gefunden.

Nach Informationen von Morgenpost Online könnte bei dem Treffen ein neuer Ableger - ein so genanntes "Chapter" - der Hells Angels in Berlin geplant oder bereits gegründet worden sein.

An der Streustraße hatten die Bandidos bis vor wenigen Monaten das Clubhaus des Chapter "Southside" gehabt, bis sich die Gruppe am 29. Mai 2012 auflöste und die Mitglieder zu den eigentlich verfeindeten Hells Angels überliefen. Am gleichen Tag lösten sich dann auch stadtweit andere Gruppierungen der Hells Angels auf – offenbar wollten die Rocker einem drohenden Verbot zuvorkommen.

Einem Polizeiführer zufolge soll auch nach den Verbotsverfahren gegen die führenden Rockerclubs der Druck auf die Szene aufrecht erhalten werden, damit sich keine neuen kriminellen Strukturen festigen, die die Sicherheit der Stadt erneut gefährden können. Offenbar nicht ohne Grund – am vergangenen Freitag wurde ein Führungsmitglied der Bandidos in seiner Wohnung in Tiergarten festgenommen. Der Mann wird laut Staatsanwaltschaft mit einem geplanten Sprengstoffanschlag auf übergelaufene Bandidos in Verbindung gebracht.

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