11.11.12

Opel

Achtung, Adam kommt!

Opels kleinstes Modell will junge Stadtmenschen verführen.

Von Thomas Geiger
Foto: Opel

Vor allem beim äußeren Auftritt will der mit 3,70 Metern Länge kleinste Opel eigene Akzente jenseits des modischen Retro-Stils setzen.

9 Bilder

Achtung, jetzt kommt Adam. Und das ist kein Scherz. Denn über den Namen des neuen Kleinwagens von Opel sind schon so ziemlich alle Witze gemacht worden. Doch wenn der 3,70 Meter kurze Zweitürer Mitte Januar 2013 für Preise ab 11.500 Euro in den Handel kommt, wird den anderen das Lachen möglicherweise vergehen.

Denn selten in den vergangenen Jahren ist ein Auto von Opel so konsequent positioniert worden wie der kleine Bruder des Corsa. Die Überlegung dahinter: Wer viel zu transportieren hat, der wird sich sowieso ein anderes Auto kaufen. Also konzentrierten sich die Konstrukteure auf das, was das Marketing als Wünsche der jungen Kundschaft in den Städten identifiziert hatte: Lust am Leben, viel Farbe, Individualität. Der Adam ist ein Charaktergesicht, genau wie die Konkurrenten Mini, Fiat 500, Citroën DS3 oder Audi A1.

Sehr wendig und flott in der Kurve

Mit viel Corsa-Technik wirkt der Adam auf der Straße richtig erwachsen. In der Stadt ist er wunderbar wendig, man surft mit ihm durch den Verkehr und bugsiert ihn in winzige Parklücken. Allerdings ist das Auto nicht eben übersichtlich, deshalb hilft gegen Aufpreis beim Einparken sogar ein Rangier-Roboter.

Und gegen Muskelkater vom Lenkradkurbeln gibt es eine City-Funktion, die die Lenkung auf Knopfdruck so leichtgängig macht wie das Volant an der Playstation. Mit Fahrgefühl hat das dann nicht mehr viel zu tun, dafür kann man den Adam dann mit dem kleinen Finger rangieren.

Überzeugen kann der Opel auch auf der Landstraße, vor allem dann, wenn man das Sportfahrwerk samt 18-Zoll-Reifen bestellt. Der Wagen liegt dann satt auf der Straße und kommt flotter durch die Kurven, als man es ihm zutrauen würde. An den Mini kommt er in Sachen Fahrdynamik vielleicht nicht heran; aber den Fiat 500 lässt er weit hinter sich.

Was dem Adam dagegen fehlt, sind ein paar modernere Motoren. Denn zum Start gibt es nur die etwas angestaubten Vierzylinder, die man schon aus Corsa & Co. kennt. Moderne Turbo-Direkteinspritzer kommen erst in frühestens 18 Monaten, Diesel sind gar nicht vorgesehen.

Stattdessen schürt Opel die Hoffnung auf eine sportlichere Variante, wohl mit 150 PS oder sogar mehr. Doch die Gegenwart besteht aus drei Benzinern mit 1,2 oder 1,4 Litern Hubraum und 70 bis 100 PS, damit sind Geschwindigkeiten zwischen 165 und 185 Stundenkilometern möglich.

Nicht schlecht für einen Kleinwagen, aber wer den Spaß auch vor der Stadt genießen will, der muss den mittleren Motor mit 87 PS ordentlich treten. Dann wird der Vierzylinder ziemlich laut – und den Normverbrauch von 5,1 Litern (mit optionaler Start-Stopp-Automatik) kann man dann auch vergessen.

Vielfältige Farbenpracht

Sonst noch was zu meckern? Auf den Rücksitzen ist wenig Platz, ebenso im Kofferraum mit der hohen Ladekante, mit 170 Litern bietet er rund 80 Liter weniger Fassungsvermögen als zum Beispiel der VW Up. Aber wir haben es mit einem Kleinstwagen zu tun, der über Emotionen Käufer finden will.

Und schnittig gezeichnet ist der Adam auf jeden Fall: Mit der stark gewölbten Motorhaube, den großen Scheinwerfern und dem weit nach unten gerückten Kühler hat das Auto ein charmantes Gesicht, auf den Flanken sorgen gegenläufige Sicken für Schwung, und das Heck ist kurz und knackig.

Knallige Farbtöne unterstreichen den Auftritt, auch Zwei-Farben-Lackierungen wird es geben.

Besonderer Clou sind die C-Säulen, die durchbrochen sind und deshalb besonders leicht wirken. Auch innen zeigt sich der Opel in Sachen Optik offensiv. Kunden, die noch Namen wie Kadett oder Ascona kennen, werden sich zwar die Zunge brechen – aber wer den Adam bestellt, der kann ihn ordern als als bunten "Jam", als eleganten "Glam" oder als sportlichen "Slam". Damit entscheidet er sich jeweils für eine Auswahl aus vielfältigen wie vornehmen Dekorelementen – den LED-Sternenhimmel im Dach hat sonst nur Rolls-Royce im Angebot. Allerdings verlangt Opel nur 280 Euro Aufpreis dafür.

Insgesamt gibt es zwölf Karosseriefarben, drei zusätzliche Dachlackierungen, sage und schreibe 31 Rad/Reifendesigns, Felgenzierclips in sechs Farben, vier Innenraumgrundtöne, 15 Sitz-Designs, 19 zum Teil hinterleuchtete Dekore und nicht zuletzt sechs Dachhimmel. So bunt treibt es wohl kein anderer Kleinwagen, bei Opel geht man davon aus, dass nur selten zwei Adam gleich aussehen werden.

Hinzu kommen jede Menge Technik. ESP und sechs Airbags hat er serienmäßig an Bord, und wer will, kann den Wagen gewaltig aufwerten: Auf Wunsch kann man ihn nicht nur mit beheiztem Lenkrad, Lederpolstern oder einem Totwinkelwarner bestellen. Sondern es gibt auch ein Infotainment-System im Tablet-Design, das via Smartphone sogar ins Internet kommt. Außerdem spielt es alle Musik-, Video- oder Fotodateien des Handys abspielt.

Mit dem kleinen Adam ist Opel ein großer Wurf gelungen. Der Wagen kann dazu beitragen, dass Kunden in Zukunft die Marke mit dem etwas angestaubten Design wieder sexy finden. Dazu allerdings muss der Hersteller seinen Kleinsten möglichst lange in Mode halten. Geschehen könnte das zum Beispiel über neue Karosserievarianten, ein Cabrio etwa ist angedacht. Gut möglich, dass Adam bald Familie bekommt.

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