06.11.12

Kokain

V-Mann fädelte millionenschweren Deal ein

Es ging um einhundert Kilogramm Kokain für Berlin. Ein verdeckter Ermittler der Polizei soll das Millionen-Geschäft in Gang gebracht haben.

Foto: dapd

Über den Hafen in Bremerhaven sollte das Drogengeschäft laufen
Über den Hafen in Bremerhaven sollte das Drogengeschäft laufen

Das Berliner Landgericht hat an diesem Mittwoch über einen in zweierlei Hinsicht brisanten Fall zu entscheiden: Zum einen geht es in der Strafsache, die bereits seit April 2012 verhandelt wird, um einen der größten Kokainfunde der vergangenen Jahre. In rechtlicher Hinsicht erlangt das Verfahren zudem Relevanz, weil die Richter darüber entscheiden müssen, inwieweit der Staat das Drogengeschäft durch den Einsatz einer sogenannten Vertrauensperson (V-Mann) provoziert hat. Genau dies sei hier in unzulässiger Weise geschehen, sagen die Verteidiger der fünf Angeklagten. In ihren Plädoyers beantragten sie deshalb die Einstellung des Verfahrens.

Hintergrund auch für die überregionale Aufmerksamkeit, die das Verfahren erlangt hat, sind knapp einhundert Kilogramm hochreines Kokain, die im August 2011 in einem Schiff aus Südamerika nach Bremerhaven geschmuggelt und dort von der Polizei beschlagnahmt wurden. Das Geschäft soll laut Anklage ein 52 Jahre alter Café-Inhaber aus Berlin in Auftrag gegeben und mit mehreren Komplizen eingefädelt haben. Nach Angaben des Rechtsanwalts Marcel Kelz, der den Hauptverdächtigen Namik A. gemeinsam mit Strafverteidiger Stefan Conen vertritt, hätte es den Deal jedoch ohne den Einsatz eines V-Mannes nie gegeben.

So habe erst der im Auftrag des Landeskriminalamtes (LKA-Dienststelle 651) agierende V-Mann "Moharem" seinen Mandanten zu dem Geschäft gedrängt. Bei vorherigen Observierungen und Telefonüberwachungen habe es keinerlei Anzeichen dafür gegeben, dass Namik A. mit Drogen zu tun gehabt hätte. Im Gegenteil: "Mein Mandant lebte mit seiner Frau und dem Kind in einer Zweizimmerwohnung und fuhr ein altes Auto. Das sind nicht unbedingt Merkmale eines Dealers, der große Geschäfte macht", sagte Kelz Morgenpost Online. Auch habe Namik A. Kokain dem V-Mann gegenüber als "Teufelszeug" bezeichnet, das er nicht anfasse.

Kontakte im Hafen

Es sei dann der V-Mann gewesen, der den Kontakt zu einem Hafenarbeiter in Bremerhaven herstellte. Der wiederum war ein verdeckter Ermittler der Polizei. Der V-Mann habe immer wieder auf A. eingeredet, doch endlich die Hilfe des Kontaktmannes in Anspruch zu nehmen. Namik A. habe erst nach einer ganzen Weile eingewilligt. Die Staatsanwaltschaft geht dagegen davon aus, dass A. von sich aus zur Tat bereit war und nicht in unzulässiger Weise provoziert wurde. Im Plädoyer forderte die Anklage daher acht Jahre Haft für Namik A.

Strafverteidiger Marcel Kelz vertritt die Auffassung, die Ermittlungen gegen seinen Mandanten hätten bereits im Jahr 2009 eingestellt werden müssen. Sollte das Gericht dieser Einschätzung nicht folgen, haben Kelz und die Verteidiger der Mitangeklagten hilfsweise die Verurteilung wegen eines minder schweren Falles beantragt. Danach würde Namik A. statt bis zu 15 Jahren Haft eine Freiheitsstrafe von höchstens fünf Jahren drohen. Einen sechsten Angeklagten hatte das Gericht bereits vor einiger Zeit freigesprochen.

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