25.10.12

Totes Baby

Keim-Infektionen bei Säuglingen in Berlin weiten sich aus

Insgesamt habe es vier Darmkeim-Infektionen bei Säuglingen am Deutschen Herzzentrum gegeben. Das berichtet das Bezirksamt Berlin-Mitte.

Foto: dpa

Das Bezirksamt Mitte berichtet, es habe im Deutschen Herzzentrum in Berlin vier Darmkeim-Infektionen gegeben, darunter sei auch der Fall des gestorbenen Babys
Das Bezirksamt Mitte berichtet, es habe im Deutschen Herzzentrum in Berlin vier Darmkeim-Infektionen gegeben, darunter sei auch der Fall des gestorbenen Babys

Die Darmkeim-Infektionen bei Säuglingen in Berlin haben wahrscheinlich ein größeres Ausmaß als bislang angenommen. Auch am Deutschen Herzzentrum habe es mehrere Darmkeim-Fälle gegeben. Das berichtete das Bezirksamt Berlin-Mitte am Donnerstagabend. Bislang war bekannt, dass zwei Stationen der benachbarten Charité von dem Keimausbruch betroffen sind. Das Bezirksamt berichtete nun aber, es habe im Herzzentrum vier Darmkeim-Infektionen gegeben, darunter sei auch der Fall des gestorbenen Babys.

Bei einem weiteren Säugling sei der Darmkeim festgestellt worden, das Kind war aber ohne Krankheitssymptome. Der zuständige Bezirksbürgermeister Christian Hanke sprach von einer sich ausweitenden Krise. Ein Krisenstab habe seine Arbeit aufgenommen.

Kripo beschlagnahmt Krankenakten am Herzzentrum

Unterdessen sind rund drei Wochen nach dem Tod eines Babys in der Berliner Charité die juristischen Ermittlungen angelaufen. Am Donnerstag beschlagnahmte die Kripo im Auftrag der Staatsanwaltschaft Krankenakten aus dem Deutschen Herzzentrum Berlin.

"Das war uns auch so angekündigt worden. Die Unterlagen werden für die Ermittlungen benötigt", bestätigte die Sprecherin des Herzzentrums, Barbara Nickolaus. Auch die Charité hat nach eigenen Angaben bereits Akten an die Polizei weitergeleitet.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung im Fall des Neugeborenen, das im Herzzentrum am 5. Oktober gestorben war – vermutlich aufgrund einer Darmkeim-Infektion, die es sich zuvor in der Charité zugezogen hatte.

Exhumierung der Babyleiche

Geprüft wird auch noch, ob das Baby für eine Obduktion exhumiert werden soll. Ein externer Gerichtsmediziner müsse nun beurteilen, ob dies noch sinnvoll sei, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft: "Das dauert." Erst am Mittwoch hatten die Ermittler erfahren, dass das Kind, das sie eigentlich obduzieren sollten, bereits bestattet war.

Der Zustand der noch sechs erkrankten Kinder auf zwei Charité-Stationen für Früh- und kranke Neugeborene war am Donnerstag weiter stabil. "Wir haben keine Veränderungen zum Vortag, keine neuen Infizierten", berichtete eine Sprecherin. Bei insgesamt 16 – symptomfreien – Kindern waren die Keime nachgewiesen worden. Acht von ihnen werden derzeit noch intensiv beobachtet.

Das Aufklärungsteam aus Experten von Robert Koch-Institut, Landesgesundheitsamt und Charité, das Licht auf die Infektionskette mit den Serratia-Keimen werfen soll, kündigte noch für den Nachmittag eine Stellungnahme an.

Senator Czaja fordert bessere Zusammenarbeit

Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) forderte nach Pannen bei der Kommunikation über die Darmkeim-Infektionen eine bessere Zusammenarbeit der Charité mit anderen Institutionen. Die Grünen wollen über die Probleme an der Charité auch im Abgeordnetenhaus diskutieren. Der Gesundheitsausschuss solle sich am kommenden Montag damit befassen, forderte der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Heiko Thomas, am Donnerstag.

Zum Gesundheitszustand des Gynäkologen, der durch eine Prügelattacke in seinem Büro schwer verletzt wurde, machte die Charité unter Verweis auf den Patientenschutz keine Angaben.

Quelle: dpa/bee
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    Serratien oder Serratia gehören zur Familie der Darmbakterien (Enterobakterien). Sie kommen in der Darmflora von Menschen und Tieren vor, aber auch in der Umwelt wie in Boden, Wasser, Pflanzen und Nahrungsmitteln. Meist sind sie harmlos, können aber auch zu Krankenhausinfektionen führen.

  • Symptome

    Gefährlich sind die Bakterien vor allem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Sie sind daher ein Problem auf Intensivstationen oder in Kinderkliniken. Sie können Harnwegs-, Atemwegs- und Wundinfektionen, Blutvergiftung oder Lungenentzündung hervorrufen. Der bakterielle Erreger wird mit Antibiotika behandelt, ist aber gegen viele Arten resistent.

     

    Quelle: dpa

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