23.10.12

Astronomie

Neues von Alpha Centauri

Forscher entdecken in dem Sternsystem einen Planeten.

Foto: AFP

Der neu entdeckte Planet gleicht in seiner Größe und dem Abstand zu seiner Sonne der Erde. Allerdings ist der Planet wahrscheinlich von flüssiger Lava bedeckt
Der neu entdeckte Planet gleicht in seiner Größe und dem Abstand zu seiner Sonne der Erde. Allerdings ist der Planet wahrscheinlich von flüssiger Lava bedeckt

Es sind weit mehr als 800 Exoplaneten, die Astronomen bereits entdeckt haben. Mehr als 800 fremde Welten, die weit entfernte Sonnen umkreisen. Die meisten sind zu groß, zu heiß, gasförmig oder anderweitig völlig ungeeignet, um als Abbild unseres Planeten, sozusagen als zweite Erde, zu gelten.

Doch nun scheint es so, als würde die Wissenschaft die Science-Fiction langsam einholen: In der Fiktion von James Camerons Hollywood-Film "Avatar – Aufbruch nach Pandora" gibt es in der Sternformation Alpha Centauri fünf Planeten. Einer von ihnen, Polyphem, wird von einem Mond namens Pandora umkreist. Auf dem gibt es Leben, in Form einer blauen Spezies namens Na'vi. Nun haben Forscher der Europäischen Südsternwarte in den chilenischen Anden tatsächlich einen Planeten in Alpha Centauri gefunden.

Noch wissen die Astronomen nicht so recht, wie weit die Parallelen gehen. Fest steht: Es gibt in der Tat mindestens einen Planeten im Sternsystem Alpha Centauri. Er ist etwas größer als die Erde, aber viel näher an seinem Stern. Übertragen auf unser Sonnensystem würde der Planet noch innerhalb des Orbits des sonnennächsten Planeten Merkur seine Bahnen ziehen. Einen Umlauf schafft der neue Planet in nur rund drei Tagen und 2,5 Stunden – ein ziemlich kurzes Jahr.

Und wo einer ist, könnten noch mehr sein. Der US-Astronom Gregory Laughlin von der Universität von Kalifornien in Santa Cruz hält die Aussichten für optimal, bei Alpha Centauri weitere Planeten zu entdecken – vielleicht sogar insgesamt fünf, womit sich dann eine weitere Parallele zu "Avatar" bewahrheiten würde. Alpha Centauri besteht aus drei Sternen. Auch im Film leuchten drei Sonnen am Himmel des Planeten Polyphem und seines Mondes Pandora. In der Hollywood-Fantasie umkreist Polyphem allerdings den Stern Alpha CentauriA, während der nun entdeckte Exoplanet seine Runden um den Stern Alpha CentauriB dreht.

Auch Marc Kuchner, Astrophysiker am Goddard-Weltraumzentrum der US-Raumfahrtbehörde Nasa, wäre nicht überrascht, wenn es weitere Welten in diesem Sternsystem gäbe. Noch bis vor wenigen Jahren glaubten Experten, dass die Umlaufbahnen von Planeten in Doppel- oder Dreifachsternsystemen nicht stabil sein können. Mittlerweile jedoch ist sogar ein Planet aufgetaucht, der vier Sonnen hat.

Auf der Jahrestagung der Division für Planetenwissenschaft der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft in Reno haben Astronomen jetzt den Planeten PH1 vorgestellt. Diese Abkürzung steht für Planet Hunter, ein Programm unter Federführung der Yale-Universität. PH1 ist etwas größer als Neptun und umkreist zwei Sterne in 5000 Lichtjahren Entfernung von der Erde. Die beiden Sterne wiederum umkreisen sich alle 20 Tage selbst. Und damit nicht genug: In einer Entfernung, die ein Dutzend Mal größer ist als der Durchmesser unseres gesamten Sonnensystems, befindet sich ein weiteres Sternenpaar, das das erste umkreist.

300 Grad Oberflächentemperatur

Leben ist auf PH1 nicht möglich, denn er ist ein heißer Gasriese, der die beiden Sterne in einem Abstand umrundet, der nur ungefähr zwei Drittel der Entfernung der Erde zur Sonne entspricht. Doch Astronomen halten es für möglich, dass PH1 von einem Mond à la Pandora umkreist wird, auf dem es sich vielleicht leben lassen könnte. Noch ist fraglich, ob es auf ihm flüssiges Wasser gibt, denn auf PH1 herrschen Temperaturen von geschätzten 300 Grad Celsius.

Möglichen Besuchern oder Bewohnern dieser Welt böte sich ein faszinierendes Himmelsspektakel: Während stets zwei Sonnen zu sehen wären, gäbe es tagsüber ein weiteres Paar Punkte am Himmel – schwächer leuchtend und in größerer Entfernung, aber immer noch näher als alle sonstigen Sterne.

Dass die Wirklichkeit dort draußen im Weltall eine Vielfalt von Exoplaneten hervorgebracht hat, an die vor einigen Jahren noch niemand zu glauben wagte, beweist auch die Entdeckung von 55 Cancrie. Dieses Himmelsobjekt, 41 Lichtjahre von der Erde entfernt, verdankt seinen Namen dem Sternbild Krebs sowie der Tatsache, dass es der mittlerweile fünfte entdeckte Planet um den Stern 55 Cancri ist – daher der Buchstabe e. Hinter 55 Cancrie verbirgt sich der wohl größte Diamant des Universums. Denn dieses Objekt besteht nach Berechnungen der Astronomen aus Graphit, Eisen, Siliziumkarbid und Silikaten. Das ergibt zwangsläufig einen Kern aus Diamant. Bei der Größe von 55 Cancrie entspricht dies einem Diamanten von der dreifachen Masse der Erde.

Und dann sind da noch Exoplaneten, die keinen Stern umkreisen, sondern allein ziellos durchs All ziehen. Sie machen zwei Prozent aller Exoplaneten aus. Voriges Jahr ist Astronomen weltweit zwölf Mal der Nachweis eines solchen Nomaden-Planeten gelungen. Ihre Herkunft ist jedoch ein Rätsel.

Alpha Centauri jedenfalls beflügelt auch die Phantasie der Forscher. "Hinter jedem Astronomen verbirgt sich ein verhinderter Weltraumreisender", sagt Nasa-Astrophysiker Marc Kuchner – und Alpha Centauri sei einer der begehrtesten Orte im Universum. "Diese Sternformation stand immer schon im Mittelpunkt aller interstellaren Reisewünsche." Logisch, denn zu keinem Stern wäre die Anreise so kurz wie zu einem der drei Sterne von Alpha Centauri.

Sie sind im Schnitt rund 4,3 Lichtjahre von der Erde entfernt. Das Licht von Alpha Centauri benötigt also etwas mehr als vier Jahre, bis es auf der Erde eintrifft. Könnten Astronauten mit Lichtgeschwindigkeit reisen, würde deren Reise auch "nur" rund vier Jahre dauern.

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