22.10.12

Antrittsbesuch

Joachim Gauck will Berlin im Kampf gegen Gewalt unterstützen

Bundespräsident Gauck mahnt bei seinem Antrittsbesuch in Berlin eine Kultur des Miteinanders an - und empört sich über den Tod von Jonny K.

Foto: dpa

Bundespräsident Joachim Gauck (2.v.l.) und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt mit Klaus Wowereit und dessen Lebensgefährten Jörn Kubicki (r.) vor dem Brandenburger Tor in Berlin
Bundespräsident Joachim Gauck (2.v.l.) und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt mit Klaus Wowereit und dessen Lebensgefährten Jörn Kubicki (r.) vor dem Brandenburger Tor in Berlin

Bundespräsident Joachim Gauck hat Toleranz in der Gesellschaft und die Besinnung auf eigene Werte angemahnt. Er wünsche sich "mehr zivilgesellschaftliche Gesinnung" und eine "Kultur des Miteinanders", sagte Gauck am Montag bei seinem offiziellen Antrittsbesuch im Land Berlin.

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) forderte eine "aktive Zivilgesellschaft", die jeder Form von Gewalt eine klare Absage erteilt.

Wer tolerant sei, könne es sich nicht leisten, eigene Werte nicht zu kennen, sagte Gauck im Roten Rathaus bei der Eintragung ins Goldene Buch der Stadt vor mehreren hundert Gästen. Je unsicherer man sich bei eigenen Werten sei, umso mehr entstünden Vorurteile und Ressentiments. Toleranz dürfe aber nicht mit Gleichgültigkeit verwechselt werden, betonte der Bundespräsident. Es gebe "keine Duldsamkeit" gegenüber Ideologien, die die demokratische Gesellschaft ablehnten.

Wer sich seiner Werte bewusst sei, dürfe auch Trennendes aussprechen und könne "Verschiedenheit ganz gut aushalten", sagte Gauck weiter. Zwar gebe es bei Vielfalt auch Reibung, die jedoch nicht gleich Aggressivität bedeuten müsse. "Wir brauchen stärker eine Kultur des positiven Diskurses", sagte das Staatsoberhaupt. Gauck warb für ein Berlin, "das sich vor Verschiedenheit nicht fürchtet". Wenn das Miteinander hier nicht gelinge, "wie wollen wir dann die Verschiedenheit Europas aushalten", fragte er.

Engagement gegen Gewalt

Der Bundespräsident, der von seiner Lebenspartnerin Daniela Schadt begleitet wurde, sicherte den Berlinern seine Unterstützung beim Engagement gegen Gewalt zu. Die Gesellschaft müsse weiterhin "Entschlossenheit zeigen" und die Menschen dürften dabei "nicht wegschauen", sagte er mit Blick auf die brutale Prügelattacke am Alexanderplatz, bei der vor einer Woche ein 20-Jähriger getötet wurde. Das Verbrechen habe ihn "total empört".

Wowereit, der den Bundespräsidenten als langjährigen Berliner mit "mecklenburgischem Migrationshintergrund" begrüßt hatte, sagte, Berlin habe in der Vergangenheit immer prosperiert, wenn es offen und tolerant gewesen sei. Bei aller Toleranz müsse aber täglich für ein Klima gekämpft werden, in dem keine Gewalt entstehen könne, hob der Regierungschef unter Hinweis auf die Tötung des jungen Berliners hervor.

Der aus Rostock stammende Gauck und ehemalige Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde stehe für einen "wichtigen Teil der Geschichte" und die Aufarbeitung der DDR-Diktatur, würdigte Wowereit den Gast. Zugleich verwies er auf Erfolge der Stadt in Bereichen wie Wirtschaft und Bildung. Auch die Integration von Zuwanderern sei "100.000fach gelungen", wenngleich noch viel zu tun bleibe.

Kein Routine-Besuch

Gauck bekannte, dass die Visite beim Land Berlin für ihn "kein Routine-Besuch" sei. Es bewege ihn, als Bundespräsident seine jetzige Heimatstadt zu besuchen, in der er seit mehr als 20 Jahren lebe. Ungeachtet dessen sei er noch "total gespannt", Neues kennenzulernen.

Begonnen hatte der Besuch am frühen Vormittag mit einem gemeinsamen Gang durchs Brandenburger Tor. Nach der Vorstellung der rot-schwarzen Landesregierung und der Eintragung ins Goldene Buch standen der Besuch eines Gründerzentrums für junge Unternehmen und Begegnungen mit Jugendlichen, die sich in einem Kunstprojekt engagieren, auf dem Programm. Letzte Station sollte die Sehitlik-Moschee in Neukölln sein, wo Gauck mit Gemeindevertretern sprechen wollte.

Berlin ist das fünfte Bundesland, dem Gauck einen Antrittsbesuch abstattete. Zuvor war der Bundespräsident, der seit März im Amt ist, bereits in Baden-Württemberg, Thüringen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt zu Gast.

Quelle: dapd/bee
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Trauerfeier am Sonntag
  • Gedenken

    Am Sonntag, dem 28. Oktober 2012, haben alle Berliner noch einmal Gelegenheit, sich von Jonny K. zu verabschieden. In der Zeit von 15 bis 18 Uhr im Haus der Begegnung in Charlottenburg, Fürstenbrunner Weg 10-12, 14059 Berlin (S-Bahnhof Westend). Die Trauerfeier und die Beisetzung erfolgen im engsten Familienkreis.

  • Engagement

    Der Verein Berliner helfen e.V., eine Initiative der Berliner Morgenpost, übernimmt in Kooperation mit dem Bestattungsinstitut Grieneisen die Kosten für die Beerdigung und die Trauerfeier. Die Familie wünscht sich auch einen Grabstein, der an Jonny K. erinnert.

  • Unterstützung

    Wer die Spandauer Familie des Gewaltopfers vom Alexanderplatz finanziell unterstützen möchte, kann spenden an:

    Berliner helfen e.V.

    Stichwort "Jonny"

    Bank für Sozialwirtschaft

    Konto 33 07 100 (Spendenkonto 55), BLZ 100 205 00

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