20.10.12

Keimbefall

Toter Säugling - Hygieneexperte kritisiert Berliner Charité

Der Tod eines Säuglings in der Charité war ein Hygienefehler, sagt Gesundheitsexperte Zastrow. Der Fall sein ein Zeichen von "Schlamperei".

Foto: dpa
An der Berliner Charité ist ein Früchchen an Keimen gestorben (Archivfoto)
An der Berliner Charité ist ein Früchchen an Keimen gestorben (Archivfoto)

Der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), Klaus-Dieter Zastrow, hat den jüngsten Vorfall einer Krankenhaus-Infektion, bei dem an der Berliner Charité ein Neugeborenes gestorben ist, als "Hygienefehler" und Folge von Schlamperei bezeichnet.

"Ob es nun Serratien oder andere Keime sind - wenn ordentlich desinfiziert wird, kann es keine Probleme geben. So eine Infektion ist immer ein Hygienefehler und kein wundersames Unheil von oben", sagte Zastrow in einem Gespräch mit Morgenpost Online.

Zastrow sagte: "Und wenn ich dann eine Fläche habe, die schlecht oder gar nicht desinfiziert ist – erster Fehler – , dann muss ich die angefasst haben und ohne ordentliche Desinfektion der Hände ans Kind gegangen sein, um das Kind zu infizieren – zweiter Fehler."

"Solche Vorfälle sind eigentlich immer ein Zeichen von Schlamperei. Fälle, in denen die Verunreinigung über Medizinprodukte, in Infusionen oder Salben, ins Haus kommt, sind sehr selten", so das DGKH-Vorstandsmitglied Zastrow.

Zastrow plädierte ferner dafür, Mitarbeiter, die in einer Klinik bekannt dafür seien, regelmäßig gegen die Hygiene-Vorschriften zu verstoßen, zu entlassen. "Die Katastrophen, die sich an die Fehler anschließen, sind viel zu gravierend, als dass man darüber hinweg sehen darf", sagte Zastrow.

Auf die Frage, ob die Charité zu spät die Öffentlichkeit informiert habe, sagte Zastrow, die Frage sei, wie die verstrichene Zeit von der Klinik genutzt worden sei. "Man muss nicht alles sofort aus dem Fenster hängen und Panik machen, man muss aber sofort reagieren, eindämmen, behandeln, die Ursache finden. Was ich aber jetzt nicht hören will sind Sätze wie: Wir haben die Hygiene-Maßnahmen verschärft. Was will man noch verschärfen? Alles Machbare muss man immer tun. Entweder man steht bei Rot an der Ampel oder nicht. Die Standards stehen fest."

Quelle: dol
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Serratien - bakterielle Erreger
  • Darmbakterien

    Serratien oder Serratia gehören zur Familie der Darmbakterien (Enterobakterien). Sie kommen in der Darmflora von Menschen und Tieren vor, aber auch in der Umwelt wie in Boden, Wasser, Pflanzen und Nahrungsmitteln. Meist sind sie harmlos, können aber auch zu Krankenhausinfektionen führen.

  • Symptome

    Gefährlich sind die Bakterien vor allem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Sie sind daher ein Problem auf Intensivstationen oder in Kinderkliniken. Sie können Harnwegs-, Atemwegs- und Wundinfektionen, Blutvergiftung oder Lungenentzündung hervorrufen. Der bakterielle Erreger wird mit Antibiotika behandelt, ist aber gegen viele Arten resistent.

     

    Quelle: dpa

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