16.10.12

Prozess in Berlin

Ex-Rocker ist Angeklagter und Kronzeuge zugleich

Drei Jahre und zehn Monate - so das Urteil für einen Berliner. Der Rocker-Aussteiger zeigte sich kooperationsbereit.

Es gibt derzeit mehrere Bücher von Aussteigern aus dem Rockermilieu. Auch Roman L. aus Berlin könnte eines schreiben.

Der 24-Jährige war Mitglied bei "La Onda", einem sogenannten Supporterclub der berüchtigten Rockervereinigung "Bandidos MC Berlin". Seit September 2012 ist Roman L. im Moabiter Kriminalgericht eine Art Stammkunde geworden: als Kronzeuge und als Angeklagter. Am Dienstag wurde er von einer Jugendkammer zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.

Der Rocker-Aussteiger hat in diesem Prozess ein umfassendes Geständnis abgelegt. Es ging um einen Überfall auf einen Drogenhändler.

Roman L. war mit zwei Mittätern nach Hellersdorf zur Wohnung des Dealers gefahren. Sie hatten sich bei ihm als Polizisten ausgegeben und ihm offeriert, dass sie von seinen Geschäften mit Drogen wüssten und Schweigegeld dafür wollten. Sollte er zahlen, würden sie seine Akte vernichten.

Der Dealer willigte ein. Sie fuhren zur Wohnung seiner Mutter, wo er seine Einkünfte bunkerte. Dort gab er ihnen 21.000 Euro. Es war ein kurzer Prozess.

Gericht, Staatsanwalt hatten in dem Wiederholungsprozess abgesprochen, welche Strafe im Falle eines Geständnisses zu erwarten sei. Den Bruch mit der Szene und das Geständnis werteten die Richter als strafmildernd. Einbezogen wurde ein Urteil vom Mai 2012, bei dem Roman L. wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden war.

In den Kreisen von "La Onda"

Roman L. war durch einen Bekannten in die Kreise von "La Onda" geraten und in der Hierarchie des Rockerclubs schnell aufgestiegen. Am Ende soll er zuständig für die Kontaktpflege mit anderen Rockerclubs gewesen sein.

Trotz dieser Karriere hatte er beschlossen, "La Onda" den Rücken zu kehren. Dies teilte er den Mitgliedern der Rockergruppierung so auch mit. Daraufhin wurde er von den Rockern unter Druck gesetzt. Er müsse über alles Erlebte und Gesehene schweigen und sich zudem freikaufen. Ansonsten würde man ihm keine Ruhe lassen.

Ein fester Betrag wurde nicht festgelegt. Roman L. zahlte zunächst 18.000 Euro. Das reichte den Rockern aber nicht. Sie legten ihm nahe, den Dealer nochmals auszurauben. Was Roman auch tatsächlich versuchte.

Einen Tag später wurde er festgenommen. Bei der Polizei legte er ein umfassendes Geständnis ab. "Ich will einen Schlussstrich ziehen und mit der kriminellen Vergangenheit abschließen" sagte er vor einem Monat in einem Prozess, bei dem drei ehemalige Rocker-Kollegen wegen Brandstiftung verurteilt wurden. Sie hatten ein Auto abgefackelt, das einem Mitglied der Hells Angels gehörte. Auch Roman L. hatte mitgemacht, ging im Prozess wegen seiner Kooperationsbereitschaft aber straffrei aus.

Am 24. Oktober 2012 wird Roman L. erneut ins Kriminalgericht gebracht. Wieder als Angeklagter und gleichzeitig als Kronzeuge gegen die ehemaligen Kumpane. Diesmal geht es um eine Attacke auf Hells Angels, bei der einer der Rocker mit einem Messer niedergestochen wurde.

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