16.10.12

Prozess

Berliner soll Sexpartner getötet und zerstückelt haben

Abgetrennte Körperteile in Plastiksäcken, der Kopf in einem Topf. Wegen Mordes steht ein 37-Jähriger in Berlin vor Gericht.

Foto: dpa/DPA
Banker nach Mord in Berlin zerstückelt
In einer Wohnung in diesem Haus in Berlin-Mariendorf hat ein 43-Jähriger den Kopf eines ermordeten Berliner Bankers aufbewahrt

Achteinhalb Monate ist es her, dass die Polizei in einer Wohnung in Berlin-Kreuzberg Leichenteile eines vermissten Mannes fand. Die abgetrennten Körperteile waren verstaut in diversen Plastiksäcken oder Behältern. Der Kopf des Opfers soll in einem Kochtopf gelegen haben. Bei dem Toten handelte es sich um den 37-jährigen Carsten S.

Die Obduktion ergab, dass der Bankangestellte erstickt wurde. Der Mieter der Wohnung, Michael S., sitzt seit 23. Januar 2012 als Tatverdächtiger in Untersuchungshaft. Ab Mittwoch befasst sich das Landgericht Berlin nun mit dem Fall.

Michael S. muss sich vor Gericht wegen Mordes verantworten. Der heute 44-Jährige soll sein Opfer am 5. Januar 2012 in seiner Wohnung in der Markgrafenstraße bei sadomasochistischen Praktiken getötet haben, um seinen sexuellen Trieb zu befriedigen.

Der Anklage nach hatte er den 37-Jährigen an Händen und Füssen am Bettgestell gefesselt und ihm Nase sowie Mund mit mehreren Lagen Paketband verklebt. Die hilflose Lage des Sexgespielen soll den arbeitslosen Angeklagten erregt haben.

Sadomaso-Spiele mit Einverständnis des Opfers

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die makabren Fessel- und Knebelspiele mit Einverständnis des späteren Opfers Carsten S. stattfanden. Die Anklage schließe aber auch nicht aus, dass der 37-Jährige "den Wunsch geäußert habe, bei solchen Praktiken zu Tode kommen zu wollen", sagte eine Justizsprecherin.

Angeklagter spricht von Unglücksfall

Seit 3. Januar 2012 galt Carsten S. als vermisst. Wochenlang hatte die Polizei nach ihm gesucht. Bei den Ermittlungen kamen die Beamten auf die Spur von Michael S.

Anfangs wurde er noch als Zeuge vernommen. Als eine Wohnungsdurchsuchung mit Hunden angekündigt wurde, verlor der bislang unbestrafte Mann offenbar die Nerven.

Beim Eintreffen der Polizei am 23. Januar offenbarte er sich sofort als Täter. Zuvor hatte er versucht, sich das Leben zu nehmen. Den Ermittlungen zufolge räumte er die Tötung ein, verwies aber auf einen Unglücksfall.

Ob Michael S. das Opfer vorsätzlich zur eigenen sexuellen Befriedigung tötete oder ein Unglück zum Tod des Bankangestellten führte, wird das Gericht bis Ende November versuchen zu klären.

Am Verfahren nimmt auch ein Gutachter teil. Er soll über die Frage der Schuldfähigkeit des 44-Jährigen befinden. Nach Angaben der Justizsprecherin gibt es "vorläufig" keine Anhaltspunkte für eine eingeschränkte oder gar aufgehobene Steuerungsfähigkeit des Angeklagten.

Quelle: dapd/sei
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