Ermittlungen
Hertha-Fan gewürgt - Polizei sucht Fotos und Videos
20 Minuten kämpfte das Opfer gegen das Ersticken. Die Berliner Polizei ermittelt auf Hochtouren und ist auch auf Hilfe angewiesen.
Nach dem lebensgefährlichen Angriff auf einen geistig behinderten Hertha-Fan auf dem Berliner S-Bahnhof Olympiastadion fehlt noch jede Spur von den Tätern. Obwohl am Freitagabend beim Hertha-Spiel gegen 1860 München Fahndungs-Flugblätter verteilt wurden, gebe es bislang keine neuen Hinweise, sagte ein Sprecher der Berliner Polizei am Sonnabend.
Es werden noch immer Zeugen gesucht, die etwas gesehen haben oder mit Fotos sowie Videoaufnahmen behilflich sein können.
Nach dem Heimspiel gegen Dynamo Dresden vor anderthalb Wochen war ein 31 Jahre alter Hertha-Fan von Unbekannten fast erdrosselt worden. Unbekannte hatten dem Opfer mit Down-Syndrom dessen Fanschal eng um den Hals geschnürt und das Ende des Schals an einem Geländer festgeknotet. Dabei wäre der 31-Jährige fast erstickt.
Die Täter gingen dabei äußerst perfide vor. Sie verknoteten den Schal und wickelten ein Ende um das Geländer. Bei den vergeblichen Versuchen des 31-Jährigen, sich zu befreien, zog sich der Schal immer weiter zu. Der Mann saß reglos auf dem Boden aufgrund seiner Behinderung unfähig, um Hilfe zu rufen und fiel so zunächst niemandem besonders auf.
15 bis 20 Minuten musste der hilflose Hertha-Fan in dieser Lage ausharren, schätzen Ermittler. Erst um kurz nach 20 Uhr wurden Beamte der Bundespolizei auf den 31-Jährigen aufmerksam, erkannten die Situation und befreiten ihn. Zu diesem Zeitpunkt sei er bereits stark benommen gewesen, sagte ein Polizeisprecher am Freitag.
Polizei bittet um Mithilfe
Der Vorfall wurde erst jetzt mit neun Tagen Verspätung bekannt. Die Befragungen des Opfers seien aufgrund seiner Behinderung und einem durch die Tat erlittenen Schock äußerst schwierig und langwierig gewesen, sagte ein Ermittler zur Begründung.
Die Ermittlungen wegen eines versuchten Tötungsdeliktes hat inzwischen das Fachkommissariat Sportgewalt des Berliner Landeskriminalamtes (LKA) übernommen. Die Dienststelle ist seit einer Umstrukturierung der Berliner Polizei im Jahr 2008 die Nachfolgeorganisation der früheren Ermittlungsgruppe (EG) Hooligan. Sie besteht fast ausschließlich aus szenekundigen Beamten. Die Berliner Ermittler arbeiten in diesem Fall eng mit Kollegen aus Dresden zusammen, da nach Angaben eines Polizeisprechers auch Fans der Gastmannschaft als Täter in Frage kommen.
Derzeit werden Bilder aus der Überwachungskamera des Bahnhofes ausgewertet. Zugleich wendet sich die Polizei an die Öffentlichkeit. Personen, die nach dem Spiel, insbesondere in der Zeit zwischen 19.45 Uhr und 20.05 Uhr im oder am S-Bahnhof Olympiastadion etwas Auffälliges bemerkt haben, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer (030) 46 64–97 72 10 an das zuständige Fachkommissariat zu wenden. Interessiert ist die Polizei auch an etwaigen Foto- oder Filmaufnahmen.















