01.10.2012, 14:34

Urteil Tiefgaragen-Schläger muss sechseinhalb Jahre in Haft

Ein 74-Jähriger ist in einer Berliner Tiefgarage krankenhausreif geprügelt worden. Nun wurde dem Schläger der Prozess gemacht.

Wilhelm K. wollte am 15. April 2012 seinen Sohn vom Spätdienst abholen. Gegen 1 Uhr, der 71-Jährige wollte gerade in einer Tiefgarage an der Ringbahnstraße in Berlin-Tempelhof in seinen Wagen steigen, wurde er plötzlich von hinten gepackt, zu Boden geschlagen und ausgeraubt.

Der Täter wurde am Montag von einer Moabiter Strafkammer wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Es handelte sich um eine Gesamtstrafe. Verurteilt wurde auch ein versuchter Überfall, bei dem der 24-jährige Cezary N. im Januar 2012 im Stadtteil Adlershof eine ältere Dame attackierte und ihr die Handtasche entreißen wollte. Die Seniorin hatte sich jedoch erfolgreich gewehrt. Wenig später wurde Cezary N. zum ersten Mal festgenommen, kurz darauf jedoch wieder freigelassen.

Cezary N.s Verteidiger verlas zu Beginn des Prozesses eine Erklärung, in der sein Mandant die Überfälle pauschal gestand. "Ich hatte eine problematische Zeit und kann mich nur entschuldigen", hieß es in der Stellungnahme. Der gebürtige Pole stand schon in seiner Heimat mehrfach vor Gericht und hat dort auch schon ein Jahr im Gefängnis verbracht. Nach Berlin war er gekommen, um hier seinen in Kreuzberg lebenden Vater zu besuchen.

Bei der Polizei hatte er ausgesagt, dass er sich an den Überfall auf Wilhelm K. angeblich nicht mehr erinnern könne. Vor der Tat habe er eine Diskothek in Wedding besucht und dort reichlich Alkohol zu sich genommen. Eine Begründung, warum er auf den schon auf dem Boden liegenden Rentner auch noch eingetreten hatte, gab es nicht. Nebenklagevertreter Markus Lehmann sprach von "einer außergewöhnlich brutalen Tat". Bemerkenswert sei auch, "dass sich der 24-Jährige offenbar ganz gezielt ältere Leute als Opfer für seine Überfälle ausgesucht" habe.

Wilhelm K. erlitt bei dem Überfall mehrere Rippenbrüche, einen Nasenbeinbruch und Prellungen im Gesicht. "Mein Leben hat sich von Grund auf geändert", sagte der gelernte Elektromechaniker vor Gericht. Er habe sich anfangs "nicht mehr aus dem Haus getraut". Auch das Auto habe er inzwischen verkauft. Bis heute sei er in psychotherapeutischer Behandlung. Die Entschuldigung des Angeklagten nahm er nicht an.

(mim)
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