29.09.12

Magen-Darm-Probleme

Tausende Berliner Kinder erkrankt - Eltern verunsichert

In Sachsen und Thüringen wurde in einigen Fällen das Norovirus diagnostiziert. Die Zahl der Krankheitsfälle steigt.

Foto: Steffen Pletl

Mehrere Schulen mussten vor den Ferien geschlossen werden. So auch die Grundschule „Am Vierrutenberg“ in Lübars
Mehrere Schulen mussten vor den Ferien geschlossen werden. So auch die Grundschule "Am Vierrutenberg" in Lübars

Die Suche nach den Ursachen für die massenhaften Magen-Darm-Erkrankungen nach dem Verzehr von Schulessen geht auch am Wochenende mit Hochdruck weiter. In einer Telefonkonferenz tauschten am Sonnabend Behördenvertreter der betroffenen fünf Bundesländer, das Robert-Koch-Institut, die Landeslabore sowie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittel ihre Informationen aus. "Doch nach wie vor ist völlig offen, ob Bakterien, Viren oder Toxine die Kinder krank gemacht haben", so Claudia Engfeld, Sprecherin des Berliner Senatsverwaltung für Verbraucherschutz.

Bei der Suche nach der Ursache für den Massenausbruch ist jedoch in einigen Fällen das hochansteckende Norovirus diagnostiziert worden. In Sachsen gab es am Sonnabend 16 bestätigte Norovirus-Fälle, in Thüringen sieben, wie Behördensprecher mitteilten. Ob die Noroviren die Hauptquelle der Magen-Darm-Erkrankungen sind, war aber weiterhin unklar.

Die Zahl der Erkrankten hat sich unterdessen erneut erhöht: 8365 Kinder und Jugendliche, die nach dem Verzehr von Kantinenessen in Schulen und Kindergärten an Durchfall und Erbrechen leiden, wurden in den fünf Bundesländern registriert. Die Zahl der gemeldeten Fälle in Berlin hat sich hat sich am Sonnabend um 37 auf 2213 erhöht. In Brandenburg stieg die Zahl der an Magen-Darm-Erkrankungen leidenden Kinder und Jugendlichen auf 2415. Die Entwicklung sei vor allem auf Nachmeldungen zurückzuführen, so das Gesundheitsministerium in Potsdam. Bis Freitagabend waren lediglich 1749 Fälle gemeldet worden.

Hohe Dunkelziffer erwartet

Aufgrund des Wochenendes und des Beginns der Herbstferien müsse zudem mit einer hohen Dunkelziffer gerechnet werden, so der Leiter des Fachbereichs Hygiene und Umweltmedizin im Gesundheitsamt Berlin-Mitte, Dr. Karl Schenkel. Die Berliner Gesundheitsämter haben wegen der Epidemie Notrufnummern geschaltet und beraten Erkrankte auch am Wochenende.

Betroffen sind in Berlin die bereits bekannten 82 Einrichtungen, davon 58 Schulen, 22 Kitas und zwei weitere Einrichtungen. Die Bezirke Spandau und Neukölln sind nach wie vor nicht betroffen. Alle Einrichtungen, in denen Krankheitsfälle auftraten, waren von der Catering-Firma Sodexo beliefert worden.

In den vergangenen Tagen war die Unsicherheit bei Schülern, Eltern und Lehrern unter anderem auch deshalb groß, weil Schulen und Kitas von den zuständigen Landesbehörden zum Teil nur sehr unzureichend und spät informiert worden waren.

Und das Informationschaos geht offenbar weiter: Die Einrichtungen, die eine Ferienbetreuung anbieten und von Sodexo beliefert werden, wurden erst im Laufe des Freitags beziehungsweise werden am Montag mit einem Update von der Senatsbildungsverwaltung informiert. Elternvertreter berichteten von sehr unterschiedlichen Erfahrungen: So wurden einige Schulen bereits ab Freitag desinfiziert, während an anderen betroffenen Einrichtungen nichts geschah und auch vonseiten der Schulleitungen die Eltern nicht über die massenhaften Erkrankungen informiert wurden. Auf Nachfrage blieb oft unklar, wie der Hortbetrieb am Montag weitergehen soll.

Hinweise auf Noroviren

Wie ernst die Berliner Behörden die Lage auch weiterhin einschätzen, zeigt eine Dienstanweisung der Feuerwehr an ihre Mitarbeiter: Im Zusammenhang mit dem massenhaften Auftreten von Magen-Darm-Erkrankungen sind bei der Feuerwehr alle Wachen von der medizinischen Leitung angewiesen worden, neue Verdachtsfälle und Einlieferungen in Kliniken durch die Rettungsdienste zu melden.

Während die zuständigen Berliner Senatsbehörden darauf verweisen, dass über den Auslöser der Epidemie nur spekuliert werden könne, verdichten sich in anderen Bundesländern die Hinweise, dass Noroviren die bundesweit größte Magen-Darm-Erkrankungswelle der vergangenen Jahre ausgelöst haben könnten. In Thüringen wurden bislang hochansteckende Noroviren in sieben Fällen nachgewiesen, wie das Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz mitteilte. In Sachsen wurde laut Behörden in 16 Fällen ebenfalls das Norovirus nachgewiesen.

Doch bei der Bewertung dieser Ergebnisse sind die Behörden vorsichtig. Das Robert Koch-Institut in Berlin wollte zum Nachweis der Noroviren keine Einschätzung geben. "Wir müssen nicht jedes Laborergebnis kommentieren", teilte Sprecherin Susanne Glasmacher lediglich mit. Beim Mini-Marathon in Berlin am Sonnabend mussten mehrere Schulen wegen der Erkrankungen absagen.

Rufnummern der Behörden

Die Berliner Gesundheitsämter sind am Wochenende erreichbar und geben Betroffenen Auskunft:

Charlottenburg-Wilmersdorf: 0172/3630380 und 902916020

Friedrichshain-Kreuzberg: 902988368

Lichtenberg: 0175/2674353

Marzahn-Hellersdorf: 902933631

Mitte: 901833208

Neukölln: 902391280

Pankow: 902952862

Reinickendorf: 902945056

Spandau: 902794031

Steglitz-Zehlendorf: 902993624

Tempelhof-Schöneberg: 0170/5655142

Treptow-Köpenick: 902974754.

Feuerwehr: Wegen des vermehrten Auftretens von Magen-Darm-Erkrankungen sind alle Wachen von der medizinischen Leitung angewiesen worden, neue Verdachtsfälle sowie Einlieferungen in Kliniken durch die Rettungsdienste zu melden. Der Feuerwehr zufolge wurden aber bis zum Sonnabendnachmittag keine weiteren Notfälle in der Hauptstadt bekannt.

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