27.09.2012, 17:38

Nahverkehr Jede zehnte S-Bahn kommt zu spät in Berlin

Foto: Amin Akhtar

Die Berliner S-Bahn ist wieder kräftig ins Stocken geraten: Unpünktlicher als in diesem Spätsommer war sie zuletzt beim Winterchaos 2010.

Die Berliner S-Bahn hat ein massives Pünktlichkeitsproblem. Das geht aus aktuellen Zahlen des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) hervor. Im August fuhren demnach nur noch 90 Prozent aller Züge mit weniger als vier Minuten Verspätung. Schlechter war der Wert zuletzt beim Winterchaos Ende 2010. Gegenüber dem Juli verschlechterte sich die Pünktlichkeitsquote um 2,8 Prozentpunkte. Hauptgründe waren laut VBB die "weiterhin auftretenden Fahrzeug- und Infrastrukturstörungen", Unwetterschäden, Polizei- und Notarzteinsätze.

Auch die verminderte Höchstgeschwindigkeit einiger Züge wirkte sich laut der Analyse negativ aus. Seit ein eigens für die S-Bahn entwickeltes automatisches System den Füllstand der Besandungsanlagen – einer Art ABS für Züge – überwacht, müssen die Triebfahrzeugführer oft vorzeitig auf Tempo 60 drosseln. S-Bahnchef Peter Buchner gibt zu, dass Fahrgäste derzeit immer häufiger auf ihren Zug warten müssen. Die Pünktlichkeitswerte seien "total unbefriedigend", sagte Buchner am Mittwochabend auf einer Veranstaltung des Berliner Fahrgastverbandes Igeb.

Die S-Bahn berechnet die Pünktlichkeit der Züge nach einem anderen System und kommt – gemessen an den Fahrten, die tatsächlich stattgefunden haben – auf aktuell 92 Prozent. Das Mindestziel des Tochterunternehmens der Deutschen Bahn seien aber 96 Prozent, sagte Buchner. Selbst in den Krisenjahren 2010 und 2011 seien mehr Züge ohne Verspätung gefahren als jetzt. Für den Fahrgastverband sind die aktuellen Zahlen ein Beleg für den teilweise schlechten Zustand der Infrastruktur. "Vor allem die Vielzahl der Signalstörungen sind ein deutliches Alarmsignal", sagte Igeb-Sprecher Jens Wieseke.

(BMO)
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