Ausbauprogramm
Berlin erhält in diesem Jahr 1000 neue Kita-Plätze
Bis Ende 2015 will Berlin insgesamt 11.000 neue Plätze für die Betreuung der Jüngsten schaffen. Doch der Bedarf scheint größer.
Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) will bis Ende 2015 rund 11.000 neue Kita-Plätze schaffen. Davon soll in 2012 1000 und 2013 dann 2200 Plätze entstehen. Die restlichen 7800 sind bis Ende 2015 geplant. Das teilte die Senatsverwaltung am Montag mit.
In einem speziellen Stadtplan ist neuerdings festgelegt, in welchen Stadtteilen der Bedarf an Kita-Plätzen besonders groß ist. Je höher die Priorität ist, desto eher sollen hier Fördergelder aus dem Landesprogramm zum Kita-Ausbau fließen.
Scheeres will so einen "bedarfsgerechten" Ausbau von Kita-Plätzen in diesem und im kommenden Jahr erreichen. 20 Millionen Euro stehen dafür bereit. Die Kitas können Zuschüsse zu Bauvorhaben, Mietkosten oder einen Pauschalbetrag von 1000 Euro für jeden neuen Kita-Platz beantragen.
Seit dem Start des Programms im Juli 2012 seien bereits 100 Anträge eingegangen, 31 von ihnen aus Stadtteilen mit besonders hohem Bedarf an neuen Plätzen. Schon jetzt haben die Anträge ein Gesamtvolumen von 16 Millionen Euro, von denen allerdings in diesem Jahr laut Jugendverwaltung nur vier Millionen Euro ausgegeben werden können.
Über das Ausbauprogramm freute sich Oswald Menninger, der Vorsitzende der Liga der Wohlfahrtsverbände Berlins. Auch der Bedarfsatlas sei ein richtiger Schritt. Wichtig sei allerdings, dass dieser ständig angepasst wird, weil sich der Bedarf oft verschiebe.
Wo der Bedarf am größten ist
Der jetzt veröffentlichte Bedarfsatlas zeigt, dass nicht nur in Teilen der Innenstadtbezirke viele Plätze fehlen. Nur 16 von insgesamt 135 definierten Regionen in den Bezirken sind demnach heute und auch künftig ausreichend mit Betreuungsangeboten ausgestattet.
Die Liste der Regionen, in denen es nicht genügend Kitaplätze gibt, ist lang. Demnach ist jedoch nicht immer dort, wo die Wartelisten am längsten sind, auch die höchste Dringlichkeitsstufe angegeben. So sind etwa Teile von Friedrichshain oder Prenzlauer Berg gar nicht in der ersten Kategorie vertreten. Dafür tauchen hier überraschend auch Regionen in Außenbezirken auf, wie Halensee, Lankwitz oder Schmöckwitz.
In Prenzlauer Berg beispielsweise gibt es zwar laut Atlas derzeit zu wenige Kitaplätze, doch die Jugendhilfeplaner gehen davon aus, dass der Bedarf hier künftig zurückgeht. Das entspricht der Dringlichkeitsstufe zwei. Teile des Boom-Bezirks Friedrichshain tauchen erst in der dritten Kategorie der Prioritätenliste auf. Das bedeutet: Hier gibt es derzeit ausreichend Plätze, die Nachfrage wird aber in den kommenden Jahren steigen."Die Situation hat sich entspannt, wir haben erstmals freie Tagesmütterplätze zu besetzen", hatte Monika Herrmann, Bildungsstadträtin der Grünen, im Juli erklärt. Sie hatte in den vergangenen Jahren immer wieder auf den Notstand hingewiesen. 2000 zusätzliche Plätze seien in den vergangenen vier Jahren schon geschaffen worden. Es gebe zwar immer noch einen Mangel, aber 1200 Plätze würden bis 2014 noch dazukommen, so die Stadträtin weiter.
Ausreichend versorgt sind heute und in Zukunft laut Bedarfsatlas etwa das Regierungsviertel und Schöneberg Nord und Süd. Die Listen mit den Dringlichkeitsstufen sollen jedoch im Herbst noch einmal überarbeitet werden. Für das Jahr 2013 gibt es dann einen neuen Bedarfsatlas, in den auch die in diesem Jahr noch bewilligten Förderungen mit einfließen sollen.
Die Opposition sieht die Pläne der Senatorin kritisch. Die Grünen glauben nicht, dass die 20 Millionen Euro aus dem Landesprogramm und die rund 28 Millionen Euro Zuschüsse aus dem Bundesprogramm zum Kita-Ausbau ausreichen, um in Berlin genügend Plätze für alle Kinder bis sechs Jahre zu schaffen. Sie rechnen damit, dass dafür mindestens 100 Millionen Euro notwendig sind.
Vom 1. August 2013 an gilt ein Rechtsanspruch auf Betreuung in Kita und Kindergrippe schon für Kinder ab dem ersten Geburtstag. Bisher galt er für Mädchen und Jungen ab drei Jahren.















