Prozessauftakt
Missbrauch bei Kindereisenbahn – Männer bestreiten Straftat
Im letzten Prozess um sexuellen Missbrauch bei der Berliner Parkeisenbahn sitzen seit Montag zwei frühere Mitarbeiter auf der Anklagebank.
Im einem Prozess gegen zwei frühere ehrenamtliche Mitarbeiter der Berliner Parkeisenbahn Wuhlheide haben die Angeklagten den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen bestritten. Über ihre Anwälte räumten die 30- und 39-Jährigen am Montag vor dem Amtsgericht Tiergarten lediglich ein, Sexualkontakte zu einem Jugendlichen ab 2009 gehabt zu haben. Die Verteidigung sieht darin "kein strafbares Handeln", weil das Opfer bereits 16 Jahre alt gewesen sei und in keinem Abhängigkeitsverhältnis zu den Angeklagten stand.
Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern vor, bereits ab Mai 2008 bis April 2010 einen anfangs noch 15-Jährigen wiederholt in ihren Wohnungen aber auch bei einem Ferienausflug im Emsland sexuell missbraucht zu haben. In einem Fall sollen sie sich gemeinsam an dem Opfer vergangen haben. Die Anklage benennt insgesamt 26 Taten, wobei dem 30-Jährigen allein 20 derartige Übergriffe zur Last gelegt werden.
Nur "aushilfsweise" für Freizeitbahn tätig
Den Angeklagten zufolge hatte der Junge sie ab 2009 mehrfach in ihren Wohnungen in Berlin und Hannover besucht. Über ihre Anwälte bestätigten sie, dass es dabei zu Sexualkontakten kam. Die Verteidigung verwies darauf, dass der 39-Jährige im Tatzeitraum nur noch "aushilfsweise" bei der Parkeisenbahn tätig war. Auch der mitangeklagte Lebenspartner sei im Jahr 2009 siebenmal und 2010 nur einmal für die Parkeisenbahn im Einsatz gewesen, hieß es. Es habe daher "kein Betreuungsverhältnis" bestanden, argumentierte der Anwalt.
Nach Angaben eines Ermittlungsbeamten hatte der Junge die Missbrauchstaten "über sich ergehen lassen", weil er Angst hatte, aus dem Verein geworfen zu werden. Bei dem inzwischen 19-jährigen Opfer handelt es sich um den Hauptgeschädigten im Missbrauchsskandal bei der Parkeisenbahn Wuhlheide. Er war auch von anderen bereits verurteilten Parkeisenbahnern missbraucht worden.
Erst im Juni 2012 war ein leitender Mitarbeiter der Freizeitbahn wegen derartiger Übergriffe auf Kinder zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Gegen drei weitere Hobby-Eisenbahner waren zuvor Bewährungsstrafen verhängt worden. Ende Mai 2012 trat der ehrenamtliche Geschäftsführer der Freizeiteinrichtung zurück, nachdem neue Missbrauchsfälle bekannt geworden waren. Der Prozess wird fortgesetzt.
Die Parkeisenbahn, eine schmalspurige ehemalige "Pioniereisenbahn" der DDR, gibt es seit 1956. Kinder und Jugendliche können hier in ihrer Freizeit Lokführer oder Schaffner lernen.















