03.09.12

Häusliche Gewalt

Berlinerinnen verprügeln immer öfter ihre Partner

Die Zahl der häuslichen Gewaltfälle ist unverändert hoch. Gleiches gilt für die Täterzahlen. Doch die Schläger sind immer öfter auch Frauen.

Immer öfter geht häusliche Gewalt in Berlin auch von Frauen aus. Im vergangenen Jahr fiel fast jeder vierte Tatverdacht auf eine Frau (24,7 Prozent), fünf Jahre zuvor war es nur gut jeder fünfte gewesen (21,2 Prozent). Das geht aus der jüngsten Kriminalstatistik hervor. Insgesamt gab es 10.532 Täter und 12.957 Opfer – rund drei Viertel der Misshandelten waren Frauen. Das Dunkelfeld dürfte jedoch sehr viel größer sein. Viele Opfer – Frauen wie Männer – trauen sich trotz oft jahrelanger Gewalt nicht zur Polizei.

Insgesamt ist die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt seit Jahren nahezu unverändert. Im Vorjahr zählte die Polizei 16.108 solcher Delikte. Dass es zehn Jahre zuvor nur 7552 Fälle waren, hat nach Angaben der Behörde mit einer heute besseren Sensibilisierung der Ermittler zu tun.

Die Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen (BIG) gibt zu bedenken, dass prügelnde Männer oft aus Wut ihre Frauen im Gegenzug anzeigten, wenn die Polizei vor der Tür stehe. So würde das eigentliche Opfer plötzlich zum Täter gemacht.

Das Gros bei häuslicher Gewalt machen Körperverletzungen aus - 2011 waren es 8839 Fälle. In den anderen Fällen ging es um Delikte wie Nötigung, Vergewaltigung oder auch um Mord und Totschlag. Lösen sich Opfer von ihren Peinigern, ist die Gefahr Experten zufolge aber nicht gebannt. Für Frauen steige bei Trennungen das Risiko enorm an, dass die Gewalt gegen sie erst recht eskaliere, sagt Patricia Schneider, Geschäftsführerin der Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen (BIG). "Studien zeigen, die Gefahr für Frauen von ihren Männern getötet zu werden, ist dann fünfmal so groß."

2011 wurden in Deutschland laut Statistik 154 Frauen von ihren aktuellen oder ehemaligen Lebenspartnern umgebracht. In Berlin gab es insgesamt vier vollendete und acht versuchte Tötungsdelikte. Anfang Juni 2012 sorgte in Kreuzberg der Fall einer von ihrem Mann enthaupteten Türkin für Entsetzen. Der Tat sollen Nachbarn zufolge jahrelange Misshandlungen vorausgegangen sein – gemeldet hatte dies niemand.

Etwa die Hälfte der Tatverdächtigen ist zwischen 30 und 49 Jahren alt. Experten zufolge spielen kulturelle Hintergründe bei den Taten oft eine Rolle – vor allem wenn Männer ihre Frauen schlagen. Gut ein Drittel hat keinen deutschen Pass, die meisten davon – rund ein Drittel – haben türkische Wurzeln.

Als probates Mittel setzen Politik und Polizei auf den sogenannten Platzverweis für prügelnde Partner, der in Berlin nach einer Probephase Mitte 2002 eingeführt wurde. Darunter fallen etwa Wegweisungen, Betretungsverbote sowie Kontaktverbote. Zuletzt kamen diese Maßnahmen aber immer seltener zum Einsatz. Waren es 2007 noch 2408 Verweise, waren es im vergangenen Jahr nur noch 2142.

Quelle: dpa/sei
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