31.08.12

Schulalltag

Frau Freitags Kolumne

Zwischenzeugnis: Wenn die Biene kommt.

Foto: BM
Frau Freitag

Kaum hat man die Hitzewelle einigermaßen unbeschadet überlebt, muss man sich im Unterricht neuen Herausforderungen stellen. Gestern zum Beispiel war eine Biene in meinem Raum. So eine Biene kann dir ja den ganzen Unterricht kaputt machen. Eine Biene ist schlimmer als Ibo, Hamid und Hamsa zusammen. Die Biene und ich, wir kennen uns schon, denn sie wohnt bereits seit Montag in meinen schulischen vier Wänden. Bisher blieb sie immer in ihrem Versteck, wenn ich unterrichtete. Wahrscheinlich war es auch ihr zu heiß, und sie hat ein paar Tage in einer kühlen Ecke gedöst. Heute allerdings fliegt sie über die Köpfe der Schüler, macht einen kleinen Ausflug. Ich denke sofort – oh no, my friend! Nicht jetzt! Ich will meinen Schülern doch gerade den Aufsatz austeilen, den ich am Sonntag so mühselig verbessert und sogar zensiert habe.

Liebe Biene, ich mach mir doch nicht am Sonntagvormittag sooo viel Arbeit und gehe NICHT an einen kühlen See wie alle meine Kollegen, um mir jetzt von dir die Show stehlen zu lassen. Ha, denkt die Biene, denken kannst du viel, aber jetzt bin ich dran!

Sie verringert ihre Flughöhe, und zack – ein Schüler in der letzen Reihe sieht sie und schreit: "EINE BIENE!!!!" Zwei Mädchen in der dritten Reihe springen synchron in die Höhe: "Ich bin allergisch!" "ICH AUCH!!!" Immer sind sie allergisch und immer haben sie Höhenangst oder Asthma und überhaupt. Ich bin genervt. Die Biene ist mittlerweile voll in ihrem Element. Sie fliegt kreisend über die Köpfe der Schüler. Alle beobachten sie. Wenn mich mal alle so intensiv beobachten würden... Ich kann da vorne machen, was ich will. Nie gucken sie zu mir, um sich von mir was beibringen zu lassen. Aber so eine poplige Biene.... oh – wie spannend! Die beobachten wir jetzt die ganze Stunde. So eine Biene haben wir ja noch nie gesehen. Wahrscheinlich ist die Biene auch noch nicht mal eine Biene, sondern eine ordinäre Wespe.

Ich langweile mich. Ist auch immer das Gleiche. Biene oder Wespe über dem Kopf – Schüler rennt in die hinterste Ecke. Zwei Schüler werfen Hefter an die Decke. Juckt die Biene kein Stück. Noch nie hat in meinem Beisein ein Hefter eine Biene oder eine Wespe getötet.

Hysterische Mädchen kreischen, dass die Biene von den Attacken mittlerweile ganz aggressiv geworden sei. Ich kann bei dem Vieh keine emotionale Veränderung wahrnehmen. Hannah kommt wieder mit ihrer Bienenallergie. Ich sage leise: "Dann geh' doch raus." Das lässt sie sich nicht zweimal vorschlagen. Kommt nach ein paar Minuten wieder rein. Langeweile ist wohl schlimmer zu ertragen als der vermeintliche Tod durch Bienenallergie.

Ich stehe immer noch vorne und will die schriftlichen Ergüsse austeilen. Schert absolut NIEMANDEN. Die Biene nicht und schon gar nicht die Schüler. Jetzt können sie mal so richtig die pubertäre Sau rauslassen. Kreischen, rennen, mit Sachen nach dem Insekt schmeißen, einige holen gelangweilt ihr Frühstück raus und fangen an zu essen. Und dafür war ich nun Sonntag nicht am See... toll.

Irgendwann suggeriere ich der Biene, dass es jetzt reicht und lenke sie in die Richtung der offenen Tür. Sie folgt meinen Fluganweisungen und verschwindet in den Flur. Die Schüler gucken mich verstört an. "So. Zu euren Aufsätzen!"

Fazit: Wenn ich mich mal nicht vorbereitet habe, dann muss ich nur eine Biene mit in den Unterricht bringen. Im Zweifelsfall tut es auch eine Wespe.

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