Sicherheit
Berliner Senat will mehr Polizei für Kampf gegen Einbrecher
Weil die Zahl der Wohnungseinbrüche steigt, will Berlins Innensenator Henkel die Polizei-Präsenz in Risikostadtteilen verstärken.
Die Berliner Polizei will den Kampf gegen Wohnungseinbrecher verstärken. "Es gibt Tendenzen, die Anlass zur Sorge geben", sagte Innensenator Frank Henkel (CDU) am Montag im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Im Jahr 2011 war die Zahl der Wohnungseinbrüche in Berlin um 26,3 Prozent auf 11.000 gestiegen, im ersten Halbjahr 2012 noch einmal um 12,9 Prozent. "Wir werden die Präsenz der Polizei in den Risikostadtteilen verstärken", kündigte Henkel an. Außerdem soll die Verfolgung der Täter intensiviert werden. Bei entsprechenden Anzeichen sollten künftig gezielter spezielle Observationskräfte der Polizei eingesetzt werden, sagte Henkel. "Die Durchführung solcher operativen Tage, wie ich sie nenne, sind zentrale Bestandteile meiner Strategie."
Der Anstieg der Wohnungseinbrüche geht nach Erkenntnissen der Polizei vor allem auf das Konto so genannter reisender Täter. Dabei handelt es sich um organisierte Banden vor allem aus Ost-Europa, die systematisch in Wohnungen – vor allem in den Randgebieten der Stadt – einbrechen. Die Täter wohnen in von Komplizen angemieteten Wohnungen und verschwinden nach den Taten unverzüglich.
Beratung wieder kostenlos
Henkel forderte die Berliner auf, Wohnungen und Häuser besser gegen Einbrüche zu schützen. "Das Risiko lässt sich mit relativ einfachen Mitteln minimieren", sagte Henkel. Künftig wird nach Angaben des Innensenators die Beratung der Polizei zum Schutz vor Einbrechern wieder kostenlos sein.
Bei den Einbrüchen waren Verbrecher 2011 besonders häufig in Tiergarten, Mitte und im Hansaviertel unterwegs, so die Autoren des Kriminalitätsatlasses, den Henkel zusammen mit der Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers am Montag vorstellte. In den Innenstadtbezirken würden Einbrecher wegen der hohen Zahl an Touristen, die durch die Straßen liefen, nicht auffallen, begründete Henkel den Anstieg. Aber auch die Ortsteile am Stadtrand seien betroffen – etwa Grunewald, Dahlem und Marzahn. Dies habe mit der geringen Bevölkerungsdichte, den vielen noblen Villen und den nahe gelegenen Autobahnen zu tun, auf der die Banden die Stadt schnell wieder verlassen könnten.
Henkel zufolge sollen Polizei und Staatsanwaltschaft künftig besser bei der Bekämpfung von Einbrecherbanden zusammenarbeiten. Laut Behörde kümmerten sich fortan Staatsanwälte für die Organisierte Kriminalität (OK) um die Bearbeitung der Fälle mit reisenden Tätern. Wegen des Problems mit diesen Banden habe er die rumänischen und bulgarischen Botschafter in Deutschland angeschrieben, sagte Henkel. In den Briefen habe er Hospitationen von ausländischen Polizisten bei der Hauptstadtpolizei angeregt. Eine Rückmeldung gebe es bislang noch nicht.
"Keine No-Go-Areas"
Laut Kriminalitätsatlas gab es insgesamt die meisten Straftaten im Verhältnis zur Einwohnerzahl in Tiergarten, Mitte und Spandau. Für belastete Regionen gebe es häufig nachvollziehbare strukturelle Erklärungen, sagte Koppers. Eine dramatische Häufung oder gravierende Entwicklungen zeichneten sich nicht ab. "Es gibt in Berlin keine No-Go-Areas", sagte Koppers.
Die Autoren gehen im Bericht auf einzelne Delikte ein, die etwa der Straßenkriminalität angehören und bei denen der exakte Tatort erfasst werden konnte. "Der Kriminalitätsatlas ist ein Werkzeug, damit wir Kriminalität besser verstehen und bekämpfen können", sagte Polizeisprecher Stefan Redlich. "Er ist ein Hilfsmittel für alle, die sich um Sicherheit und Lebensqualität in unserer Stadt kümmern."
Das alle zwei Jahre erstellte Zahlenwerk unterscheidet sich von der im April veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik für 2011, da es die Taten kiezbezogen erfasst. Dabei wurden 17 Deliktarten unterschieden. Nicht berücksichtigt wurden von Kriminalität betroffene Touristen, Pendler und Ausflügler.
Die Polizeivizepräsidentin nannte den Bericht eine wichtige Grundlage zur Bewertung der Kriminalitätsentwicklung in der Stadt. Sie warnte allerdings vor einer "verzerrenden und unstatthaften" Betrachtung rein nach Quantität. Der Bericht bemühe sich daher um ein differenziertes Bild unter Berücksichtigung regionaler Besonderheiten und sozialer Gegebenheiten.















