26.08.12

Überforderung

Viele Berliner Grundschüler scheitern auf dem Gymnasium

Rund acht Prozent aller Berliner Gymnasiasten schaffen die Anforderungen nicht und müssen die Schule wechseln. Tendenz steigend.

Von Florentine Anders
Foto: DAPD
Schriftliche Abiturpruefung
44,6 Prozent der Berliner Schüler, die am Probejahr scheiterten, hatten von ihrer Grundschule eine Gymnasialempfehlung

Viele Grundschüler scheitern im Probejahr auf den Gymnasien. Die Sekundarschulen in Berlin müssen sich auf noch mehr Rückläufer einstellen, als bisher erwartet. Insgesamt 270 Schüler hatten versucht, durch eine Nachprüfung nach den Sommerferien den Wechsel an die Sekundarschule zu verhindern.

Doch 220 der heutigen Achtklässler sind gescheitert. Sie müssen die siebte Klasse zwar nicht wiederholen, aber das Gymnasium verlassen. Zählt man die 98 Schüler mit, die schon im Laufe des Schuljahres vom Gymnasium an eine andere Schule gewechselt sind, steigt die Zahl der Rückläufer von 847 auf 945. Das sind etwa acht Prozent aller Gymnasiasten, im Vorjahr waren es 5,9 Prozent, die nach dem damals noch gültigen Probehalbjahr wechseln mussten.

Damit ist die Zahl nicht mehr weit entfernt von der Größenordnung, die die Schulleiter bereits zum Halbjahr prognostiziert hatten. Die Fördermaßnahmen im zweiten Halbjahr scheinen also weniger erfolgreich gegriffen zu haben als zunächst von der Verwaltung angenommen. Die Verlängerung der Probezeit von einem halben auf ein ganzes Jahr hat den meisten Schülern nur wenig geholfen.

Für die 220 Schüler aus den Nachprüfungen müssen nun noch Plätze an den Sekundarschulen gefunden werden. Doch die meisten Klassen waren schon zum Schulstart voll. Die Bezirke werden möglicherweise weitere Rückläuferklassen einrichten müssen.

Wie viele Klassen, an denen nur die Schulwechsler vom Gymnasium unter sich sind, es insgesamt gibt, konnte Senatorin Sandra Scheeres (SPD) im Bildungsausschuss noch nicht abschließend sagen. Rückläuferklassen oder sogar eine Rückläuferschule wie in Tempelhof-Schöneberg sind pädagogisch umstritten und auch politisch nicht gewollt. Doch viele Bezirksämter sahen sich dazu gezwungen, weil an den Sekundarschulen nach der Abschaffung des Sitzenbleibens nun keine Plätze in den Klassen mehr frei werden. Die meisten Klassen wurden mit der Maximalbesetzung von 26 Schülern eingerichtet, eine Überschreitung in den achten Klassen ist nicht erlaubt.

Die bildungspolitische Sprecherin der CDU, Hildegard Bentele, fordert, bei der Einrichtung der neuen siebten Klassen Plätze vorzuhalten: "Die Klassen sollten nur mit 24 oder 25 Schülern belegt werden, damit Schulwechsler integriert werden können." Die Qualität des Unterrichts müsse in den fünften und sechsten Klassen besser werden. Immerhin hatten 44,6 Prozent der Schüler, die am Probejahr scheiterten, von ihrer Grundschule eine Gymnasialempfehlung. Zudem müsse die Beratung der Eltern verbessert werden. Sie würden ihre Kinder häufig überfordern. Doch die Einschränkung des Elternwillens kommt für die SPD nicht infrage. Die Abschaffung des Elternwahlrechts wäre das Ende des Schulfriedens, sagt Lars Oberg von der SPD-Fraktion.

Die Opposition fordert, künftig Rückläuferklassen zu verhindern. "Diese Klassen sind nicht zu akzeptieren, sie laufen dem Grundgedanken der Sekundarschulreform völlig zuwider", sagt Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen. Grüne und Piraten wollen den Zugang zu den Gymnasien durch einen Test erschweren und das Probejahr abschaffen. Ähnliche Forderungen gibt es von Schulleitern.

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