21.08.12

"Campus Party"

Wie die Geeks in Berlin die Welt verändern wollen

In Tempelhof steigt in dieser Woche eines der größten Internet-Festivals der Welt. Morgenpost Online sprach mit dem Chef-Organisator.

Foto: DAPD
Campus Party
Mitbegründer: Paco Ragageles von der Campus Party in Tempelhof

Paco Ragageles ist einer der Gründer der Campus Party und Geschäftsführer des Unternehmens Futura Networks, welches die Campus Party auf der ganzen Welt veranstaltet.

Ragageles, Jahrgang 1967, möchte die größte Gemeinde von Technologie-Freaks, den sogenannten Geeks, schaffen, damit diese ihr Können zum Wohle der Menschheit einsetzen. Der Spanier ist verheiratet und hat drei Kinder, er lebt mit seiner Familie in Madrid.

Hans Evert und Christian Mutter haben mit Ragageles über die Campus Party in Berlin gesprochen.

Morgenpost Online: Herr Ragageles, es gibt jede Menge Kongresse für Computerspieler, für Internetfirmen, für Hacker. Was unterscheidet die von der Campus Party?

Paco Ragageles: Bei uns geht es um viel mehr als nur zu spielen oder nur um das Internet. Hier in Tempelhof haben wir 24 verschiedene Technologiebereiche. Dazu 500 Vorträge und Diskussionen und 600 Redner, darunter Leute wie Paulo Coelho. Eine Besonderheit ist zudem, dass die Leute hier sechs Tage lang leben, verschiedene Vorträge hören, sich miteinander austauschen und diskutieren. Es geht hier vor allem um Bildung. Das ist wirklich einzigartig unter all den Veranstaltungen der Techie-Szene.

Morgenpost Online: Campus Partys gibt es seit 1997. Sie finden in Spanien, Brasilien, Mexiko und Kolumbien statt. Wie kamen Sie auf Berlin?

Paco Ragageles: Die EU-Kommission und Telefónica, der Sponsor, wollten eine große europäische Campus Party. Ich selbst bin durch einige europäische Länder gereist. Dann habe ich den ehemaligen Flughafen hier gesehen und gedacht: Ja, das ist es. Dazu hat Berlin diese agile Gründerszene und viele junge Leute mit Ideen, Menschen, die danach hungern, etwas zu entwickeln. In Deutschland gibt es keinen besseren Ort.

Morgenpost Online: Wird es die Campus Party auch im nächsten Jahr in Berlin geben?

Paco Ragageles: Da bin ich nicht so sicher. Wissen Sie, das ist eine recht teure Veranstaltung. Die ganze Organisation hier kosten alleine fünf Millionen Euro. Dazu kommt Technologie im Wert von zwei Millionen Euro von unseren Partnerunternehmen.

Morgenpost Online: Gab es kein Geld vom deutschen Staat oder vom Land Berlin?

Paco Ragageles: Nein. Die Stadt hat uns 30 Prozent Nachlass bei der Miete erlassen. So zahlen wir für die sechs Tage 400.000 Euro, um in den Hangars zu sein. Es ist das erste Mal, dass wir für eine Campus Party Miete zahlen müssen. In anderen Ländern werben die Regierungen ganz offiziell auf unserer Webseite damit, dass sie uns unterstützen.

Morgenpost Online: Ist die Campus Party eigentlich eine Veranstaltung ausschließlich für Technologie-Freaks, sogenannte Geeks?

Paco Ragageles: Im Grunde schon. Aber vergessen Sie nicht: Geeks, Menschen, die Technologie verstehen wollen, werden als Bewegung immer wichtiger. Sie wollen nicht mehr anonym vor ihren Computern oder in ihren Techniklaboren hocken, sondern sie wollen auch die Welt verändern.

Quelle: Hans Evert und Christian Mutter
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