KittyCam-Projekt
Katzen filmen ihren Tag
Haustiere waren mit Videogeräten um den Hals auf Streifzug.
Garfield oder Fritz the Cat – dass jede Katze ihren eigenen Kopf hat, muss man nicht erklären. Aber vor lauter Gemienze und Gemaunze ignorieren die Besitzer gern einen unkorrigierbaren Wesenszug ihrer Plüschtiger: Jede Katze ist ein Raubtier. Das belegen jetzt 2000 Stunden Filmmaterial, das 60 amerikanische Hauskatzen selbst aufgezeichnet haben. Mit kleinen, leichten Nachtsichtkameras um den Hals haben die Tiere ihre nächtlichen Streifzüge durch die Vororte eines Städtchens im US-Bundesstaat Georgia gefilmt.
Die "KittyCams" haben Forscher der Universität Georgia gemeinsam mit "National Geographic" erfunden. Eine Woche lang schickten die Verhaltensbiologen ihre 60 Teststreuner mit den wasserdichten LED-Kameras auf die Pirsch. Pro Katze sind 37 Stunden Material entstanden – und gleich bei der ersten, flüchtigen Durchsicht kamen die Forscher einem Verrat auf die Schliche: Einige der Projektkatzen gingen regelmäßig bei einer Zweitfamilie ein und aus, von der sie sich füttern, streicheln und verhätscheln ließen.
Der überwiegende Rest der Streuner verbrachte den Großteil der Nacht allerdings damit, kleine Wildtiere zu jagen: Eidechsen, Lurche, Mäuse, Vögel, Würmer, Schnecken und Käfer. Durchschnittlich fielen zwei Tiere innerhalb einer Nacht der Mordlust der Katzen zum Opfer. Doch nur ein Fünftel der Beute war tatsächlich als Verpflegung gedacht. Mindestens genauso viel erlegtes Kleinvieh schleppten die Katzen als Mitbringsel für ihre Besitzer nach Hause. Den Großteil der Beute ließ das tierische Filmteam allerdings einfach liegen – nachdem es zuvor noch ein wenig Katz und Maus gespielt hatte. "Vor allem kleine Reptilien fielen den Katzen viel öfter zum Opfer als gedacht", sagt die Projektleiterin der Studie, Kerrie Anne Loyd. "Die Hauskatzen schaden den Wildtieren, die Besitzer sollten sie nachts im Haus behalten."
Doch das Nachtleben der Katze gefährdet nicht nur andere Lebewesen – sondern vor allem auch sie selbst. Jede zweite Testkatze schockierte die Forscher mit Filmsequenzen, die zeigten, wie sie mehrere teils stark befahrene Straßen überquerte. Jede Vierte kämpfte mit Artgenossen, und ein Fünftel der Streuner vertrieb sich die Zeit damit, Gullys oder Kellerspalten zu erkunden, in denen die Tiere des Öfteren auch stecken blieben. Jede vierte Filmkatze probierte außerdem alles Ess- und Trinkbare, was sie in fremden Haushalten oder Abfalltonnen fand. Insgesamt – das belegen die Filme – benehmen sich Kater risikofreudiger als Katzen, und junge Tiere leben gefährlicher als ältere.
Genetiker werden die Abenteuerlust und der Killerinstinkt der 60 Kamera-Kätzchen freilich kaum erstaunen. Schon vor einiger Zeit haben US-Forscherteams das Erbgut einer vier Jahre alten Abessinierkatze mit Namen "Zimt" entschlüsselt, deren Vorfahren sich schon vor mehreren Generationen auf Sofas und in den Stuben in Schweden rekelten. Das Erbgut des zahmen Kätzchens verglichen sie mit dem der wichtigsten Wildkatzenlinien sowie mumifizierten Grabbeigaben aus dem alten Ägypten. Ergebnis dieser Fleißarbeit waren 20.285 penibel durchbuchstabierte Katzengene – und die Erkenntnis, dass die wichtigsten Merkmale unserer Hauskatze sich in den vergangenen 100.000 Jahren kaum verändert haben. Im Katzengenom ist der Killerinstinkt noch immer fest verankert.
















