18.08.12

Anekdoten

Sex im Pflegergang des Berliner Aquariums

Verschwundene Schlangen, Dreharbeiten für Edgar Wallace und Sex im Pflegergang: 99 Anekdoten aus der Geschichte des Hauses und seiner Bewohner.

Foto: DAPD
Artenvielfalt im Zoo Berlin
Zwei Besucherinnen sitzen im Aquarium Berlin vor einem Wasserbecken mit Siambarben

9,99 Euro kostet ab morgen die Patenschaft für ein ausgesuchtes Aquariumstier für ein Jahr. Das Angebot hat seinen Grund: Das Aquarium wird am Sonnabend 99 Jahre alt. Gefeiert wird tags darauf, wenn Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz von einer Russlandreise zurückgekehrt ist. Das Fest ist als Auftakt gedacht für das große Jubiläumsjahr hin zum 100-jährigen Bestehen.

Die Kunden sind treu. "Wir haben im Schnitt 900.000 Besucher pro Jahr", sagt Aquariumskurator Rainer Kaiser. Einziger bitterer Beigeschmack: "Seit 2012 erhält das Aquarium keine Zuwendungen mehr vom Land Berlin", so der Vorsitzende der Freunde des Hauptstadtzoos, Thomas Ziolko. Deshalb wirbt Eberhard Diepgen als Vorsitzender des Zoo-Stiftungskuratoriums ebenfalls um Paten.

Gründung ist einem Konflikt geschuldet

Schwierige Situationen sind nichts Neues in der Geschichte des Hauses. Sogar die Gründung vor rund 100 Jahren ist einem Konflikt geschuldet. Der Zoo baute sein eigenes Aquarium erst, nachdem 1910 das von Alfred Brehm eröffnete Berliner Aquarium Unter den Linden geschlossen hatte. Der Grund: Bauspekulation. "Eine Versicherungsgesellschaft hatte Aquariumsaktien aufgekauft, weil sie auf dessen Boden bauen wollte", erzählt der Zoo-Historiker Harro Strehlow. Da man sich auf keinen Neubau einigte, kamen alle Tiere in die Zoos Leipzig und Frankfurt am Main. Berlins Zoochef Ludwig Heck ließ seinen Direktionsassistenten Oskar Heinroth ein eigenes Aquarium planen. Bauzeit: 22,5 Monate. Es wurde 53 Meter lang, 35 Meter breit und drei Stockwerke hoch, zeigte Wassertiere und Reptilien und Amphibien. "Die Dreiteilung haben wir bis heute beibehalten", sagt Kaiser.

Mittelpunkt ist die Krokodilhalle. Ein Novum in der Geschichte zoologischer Gärten: "Erstmals konnten Besucher durch eine überdachte Freilufthalle gehen", sagt Kaisers Chef, Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz, "die Halle ist einer meiner Lieblingsorte."

Nach Schließungen während des Ersten Weltkriegs machte Heinroth das Haus ab 1923 zum artenreichsten Institut weltweit. Im Jahr 1939 waren es 746 Arten mit 8532 Individuen. Die Zahlen führt der Autor Goetz Kronburger in seinem Buch "Aquarium Berlin. Die schönsten Geschichten" an.

Bombenschäden im Krieg

Heinroth leitete das Haus bis zum – vorläufigen – Ende. In der Nacht auf den 24. November 1943 schlug eine Bombe in die Krokodilhalle ein. Das Wasser rauschte aus den Eingängen, die meisten Tiere starben. Das Gebäude wurde zur Ruine und geschlossen. Heinroth starb am 31. Mai 1945. Seine Frau Katharina Heinroth übernahm die Leitung des Zoos, ihr nicht weniger legendärer Kollege Werner Schröder kümmerte sich um das Aquarium. Von 1952 über 1956 bis 1959 wurde Stockwerk für Stockwerk wieder aufgebaut und eröffnet. Schröder besorgte viele Tiere auf Reisen, brachte ein weißes Krokodil aus Miami im Handgepäck zurück. Schröder war pfiffig und diplomatisch, intelligent und ein Freund von Künstlern. Walt Disney wollte ihn als wissenschaftlichen Berater anstellen, Mick Jagger lud ihn nach einer spontanen Führung zu einem Rolling-Stones-Konzert in die Waldbühne ein.

1977 folgte Jürgen Lange als Aquariumschef, später wurde er Zoo-Direktor. "Es war nach 25 Jahren höchste Zeit für eine Sanierung." Lange erinnert sich lebhaft an seinen ersten Rundgang hinter den Kulissen. "Danach wollte ich meinen Vertrag rückgängig machen." Doch er blieb und holte Rainer Kaiser aus dem Zoo Stuttgart, der Wilhelma, nach Berlin zwecks Renovierung und Neubau. Das 1981 eröffnete Achteck im Osten des Altgebäudes beherbergt fünf große Landschaftsbecken für tropische Süß- und Seewassertiere plus Uferlandschaft und passender Vegetation. Kosten: 3,5 Millionen Euro.

Der Tierbestand veränderte sich. "Viele Meerestiere wie Haie, Quallen und Korallen konnte man früher nicht halten", so Lange. Doch dann wurden neue Filter-, Strömungs- und Beleuchtungstechniken entwickelt. Die Tierpfleger um Marco Hasselmann in der Fischabteilung erfanden einen Quallenzylinder, Kaiser meldete ihn im Sommer 2012 als Patent an. "Wir haben so viele Anfragen von Ausstellungshäusern, Versicherungen und Banken, dass wir mit unserer Erfindung Geld verdienen können."

Eine Schabe namens Thomas Große

Gewachsen sind seit Mitte der 80er-Jahre die Zuchtabteilungen – aus Neugier und Not. Viele Tiere sind gefährdet. "Wir haben uns auf die schwierige Zucht von Korallen, Korallenfischen und Quallen konzentriert", sagt Lange. Er lobt heute noch die Mitarbeiter des Hauses wegen ihrer Hingabe. So wurde eine Schabe (Lucihormetica grossei) nach dem Aquariumsgärtner Thomas Große benannt. Er hatte sie 1997 in Venezuela entdeckt. Zu den Gewässern am Rand der Sahelzone publizierten Reviertierpfleger Marco Hasselmann und Quallenzüchter Daniel Strozynski jüngst in Fachzeitschriften. Hasselmann hat hinter den Kulissen Seepferdchen und Sepien nachgezüchtet, künftig widmet er sich mit universitärer Begleitung den afrikanischen Zitterwelsen. "Ich will mehr über die elektrischen Impulse herausfinden."

Die letzte Sanierungsphase wurde vor einem Jahr abgeschlossen, dabei erhielt die Fassade wieder den ockerfarbenen Originalanstrich. "Wir stehen gut da", kommentiert Blaszkiewitz. Neue Bauvorhaben gebe es keine, Pläne sehr wohl. "Uns fehlt ein großes Haibecken."

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1. Alter I Die ältesten Tiere im Aquarium sind vermutlich die Schwarzen Pacus. "Sie stammen noch aus den 50er-Jahren", sagt Reviertierpfleger Marco Hasselmann. Schwarze Pacus werden mehr als einen Meter lang und 30 Kilo schwer. Zu sehen im südamerikanischen Landschaftsbecken im Erdgeschoss.

2. Alter II Bodo Vogt ist Tierpfleger bei den Reptilien. Er hat 1975 seine Lehre im Zoo begonnen und arbeitet seit 1978 im Aquarium. Dort ist der 54-Jährige inzwischen der dienstälteste Mitarbeiter. "Damals gab es keinen Fahrstuhl, wir mussten Tiere, Eimer oder Blumenerde über die Treppen hochschleppen", erinnert er sich.

3. Minimum Der vielgestreifte Schneckenbarsch ist der kleinste ausgewachsene Fisch. Er wird 2,5 Zentimeter groß und wohnt in leeren Schneckenhäusern. Herkunftsort: Tanganjikasee in Afrika. Kleinste Aquariumsbewohner sind die Ameisen im zweiten Obergeschoss. Die Roten Weberameisen leben in einer offenen Anlage, die sie wegen eines Wasserlaufs nicht verlassen können.

4. Gefährlich Krokodile sind nicht ohne. Aber als gefährlichstes Tier stuft der dienstälteste Aquariumsmitarbeiter Bodo Vogt die Diamantklapperschlange ein. Ihr Gift zersetzt die roten Blutkörperchen. "Den Biss würde ein Kind wohl nicht überleben". Deshalb kontrolliert Vogt mehrmals täglich, ob die Scheiben noch abgeschlossen sind und sich die vier Schlangen hinter dem Glas aufhalten. Reguläres Futter: Ratten – alle zehn Tage.

5. Wertvoll Aquariumskurator Rainer Kaiser schätzt die Brückenechsen als wertvollste Exemplare des Tierbestands ein. "Es sind streng geschützte Tiere, von denen nur noch wenige Vertreter auf neuseeländischen Inseln leben." Vor allem dürfen keine mehr exportiert oder gegen Geld ausgeliehen werden.

6. Aufwand Kompliziert ist die Quallenzucht, der sich insbesondere Tierpfleger Daniel Strozynski im Keller des Aquariums widmet. Die Wirbellosen brauchen eine ganz spezielle Wasserchemie, Temperatur und Beleuchtung, die im Laufe ihres Reproduktionszyklus' geändert werden muss. Auch andere Tiere haben Ansprüche: "Seepferdchen sind Futterspezialisten, da muss man immer für kleine, lebende Garnelen sorgen", sagt Reviertierpfleger Marco Hasselmann. Chimären wiederum brauchen sehr kaltes Wasser, vertragen aber kein Blitzlicht.

7. Geschwindigkeit Schnell ist weniger das Tier als ein Teil von ihm: Ein Chamäleon kann seine Zunge zum Beutefang regelrecht herausschießen. Die Geschwindigkeit beträgt zwischen 3,5 und fünf Metern pro Sekunde.

8. Tarnung Schwer zu sehen sind die Rhinopias, dem Laien eher bekannt als Drachenköpfe. Die Fische sehen aus wie ein Algenbusch und sind perfekt getarnte Lauerräuber. Sie können völlig unbeweglich sitzen und auf Beute warten.

9. Wasser I Das Wasser wird nicht mehr aus der Nordsee herangeschifft, sondern selbst "gebraut", im Keller aus 76 Komponenten gemischt. Hauptbestandteil ist Kochsalz in bester Qualität, dazu kommen Mineralstoffe und Spurenelemente. Was kein Besucher sieht: Technik-, Zucht- und Quarantäneräume stellen rund 40 Prozent der ganzen Aquariumsfläche.

10. Wasser II Alles Wasser im Aquarium wird ständig umgewälzt, im Schnitt  ist ein Beckeninhalt in etwa einer Stunde komplett gefiltert. Die gesamte Wassermenge im Haus beträgt nach Schätzungen von Reviertierpfleger Marco Hasselmann 1,3 Millionen Liter. Zum Vergleich: Eine Badewanne fasst etwa 170 Liter. Das kleinste Becken im Haus umfasst 50 Liter, das größte bis zu 190.000 Liter. In den verschiedenen Becken können damit  unterschiedliche Lebensräume gezeigt werden: nicht nur die einheimischen Gewässer, sondern fast alle Ozeane dieser Welt. Das ist eine Voraussetzung für den Titel, eine der artenreichsten Bestandssammlungen der Welt auszustellen.

11. Konkurrenz Den Zoo Berlin gibt es seit 1844. Parallel existierte seit 1869 das Berliner Aquarium Unter den Linden 68a, Ecke Schadowstraße. Gegründet wurde es von Alfred Brehm, der mit seinen Tierlexika überaus populär wurde. Dieses Haus – in dem übrigens auch Säugetiere wie Menschenaffen zu sehen waren – musste im Jahr 1910 schließen. Erst als diese Konkurrenz vom Markt war, begann im Zoo Direktionsassistent Oskar Heinroth auf Bitten seines Chefs, des Zoo-Direktoren Ludwig Heck, mit den Planungen für ein zooeigenes Aquarium.

12. Vorgeschichte Das Berliner Aquarium Unter den Linden hätte restauriert werden müssen – doch die Aquariumsgesellschaft hatte kein Geld für einen Neubau, außerdem lag ihr ein Kaufangebot für ihr Grundstück vor. Über den Verhandlungen für einen Umzug verstarb der damalige Aquariumschef Otto Hermes. Alle Tiere wurden 1910 in Einrichtungen nach Leipzig und Frankfurt am Main abgegeben. Im Zoo Leipzig sind heute noch wunderschön bemalte Kacheln  zu sehen, die als Hinweis- und Informationsschilder dienten. Doch auch in Berlin finden sich noch Reste. "In der Fasanerie im Zoo stehen Säulen aus Basalt, die aus dem Aquarium Unter den Linden stammen", sagt der Historiker Harro Strehlow.

13. Standort An der Stelle des heutigen Aquariums am Zoo stand zuvor ein technisch veraltetes Maschinenhaus. Wie der Autor Goetz Kronburger in seinem Buch "Aquarium Berlin. Die schönsten Geschichten" erzählt, wählte  Direktionsassistent Oskar Heinroth den Standort aus, weil er in der Nähe der 1895 fertig gestellten Kaiser-Wilhelm Gedächtniskirche liegt. Es war das Zentrum des neuen Westens.

14. Baudaten Oskar Heinroth hat das Aquarium gemeinsam mit der Architektengemeinschaft Carl Zaar und Rudolf Vahl erarbeitet; sie hatten bereits andere Gebäude für den Zoo geschaffen. 1.138.835 Goldmark kostete der Neubau. In der Summe war nicht nur die gesamte Technik enthalten, sondern auch eine Erstausstattung mit Tieren und Pflanzen. Die Bauzeit betrug knapp 23 Monate für ein Gebäude mit drei Stockwerken, einer Länge von 53 Metern und Breite von 35 Metern. Eröffnet wurde das Aquarium im Zoo am 18. August 1913.

15. Pyramide Der Aufbau des Aquariums folgt der Regel von schwer zu leicht. Im Keller steht die Technik, im Erdgeschoss die Aquarien für Meeres- und Süßwasserbewohner – also die wasserbefüllten, schweren Becken. Darüber befinden sich Terrarien für Reptilien und Amphibien. Das oberste Geschoss beherbergt die luftigste Abteilung: das Insektarium mit allem, was krabbelt und fliegt. Die Krokodilhalle erstreckt sich vom Erdgeschoss bis zum Dach. 

16. Neuheit Die Krokodilhalle ist eine Erfindung von Aquariumserbauer Oskar Heinroth. Sie ist das erste begehbare, überdachte Tiergehege in der Geschichte der zoologischen Gärten. Mit Flusslandschaft und inselähnlicher Landfläche und üppiger tropischer Bepflanzung – und einer stabilen Bambusbrücke, die sich von einer Hallenseite zur anderen spannt. Die Grundfläche beträgt 170 Quadratmeter.

17. Missgeschick Am Eröffnungstag, dem 18.8.1913  platzt eine der besonders dicken Scheiben des Krokodilbeckens. Die Gäste waren zum Glück schon auf dem Weg ins Zoo-Restaurant, wie der Autor Goetz Kronburger schreibt. Die ebenfalls eingeladenen Bauarbeiter dürfen erst später feiern – sie müssen flugs den Schaden reparieren.

18. Krokodilsglück Die relativ wackelige Bambusbrücke in der Krokodilhalle wurde später durch eine Variante aus Beton ersetzt. Unter ihr lagerte immer der "Schwarze Peter" – ein Krokodil. Sein Ruheplatz war sein Glück. Im Schutz der Brücke überlebte er die Bombardierung Berlins und des Zoos im November 1943. Acht andere Krokodile starben.

19. Verhaltensforscher Aquariums-Erbauer Oskar Heinroth war Humanmediziner und Zoologe. Er beteiligte sich 1900 und 901 an der ersten deutschen Südsee-Expedition des Forschers Bruno Mende, die zum Bismarck-Archipel führte. Darüber hinaus gilt er als Begründer der Verhaltensforschung. Sein zoologisches Hauptgebiet war die Ornithologie. Er beobachtete seine Vögel sehr genau – so genau, dass er daraus eine Wissenschaft machte. Einer seiner bekanntesten Schüler ist "Gänsevater" Konrad Lorenz, der mit Graugänsen Verhaltensexperimente durchführte.

20. Dinosaurier Oskar Heinroth zeigte die Tiere möglichst in einer Umgebung, die ihrem natürlichen Lebensraum entspricht. Zugleich versuchte er mit Hilfe von Bildhauern, Malern und Paläontologen Tiere aus der Vorzeit dazustellen. Dazu gehören auch Dinosaurier. Einer ist fünf Meter hoch und trotzdem von der Budapester Straße aus nicht zu sehen. Die rund fünf Meter hohe Darstellung eines Iguanodons steht auf der Zooseite am Eingang zum Aquarium. Vor 130 Millionen Jahren lebten solche Dinosaurier in Europa, Nordamerika, Asien und Afrika.

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21. Meerwasser Die erste Bewässerung der Becken im Zoo-Aquarium stammte aus der Nordsee. Das Meerwasser wurde in Hamburg in zwei Elbkähne gefüllt, nach Berlin geschleppt und an der Tiergartenschleuse "verladen". Dazu verlegte die Berliner Feuerwehr bis zum Aquarium eine Pipeline aus Schläuchen. Länge: etwa 1000 Meter. Zweiundzwanzig Stunden dauerte das Abpumpen.

22. Chemie Der letzte Chef des Aquariums Unter den Linden, Otto Hermes, hatte ein Verfahren erfunden, wie man Seewasser künstlich herstellt. Es war ein Pulver, das man in normalem Wasser auflöste. 350 Tonnen Meerwasser stellte das Aquarium damals selbst her. Die Flüssigkeit musste ständig umgewälzt werden, blieb dann aber lange frisch. Das Verfahren, eigenes Wasser zu "brauen", wurde dann im Zoo-Aquarium aufgegriffen. 

23. I. Weltkrieg Der Erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 hatte Folgen für Zoo und Aquarium. Die wirtschaftliche Lage war verheerend. Besucher blieben aus. Das Haus musste zeitweise geschlossen werden. Viele Tiere wie Chamäleons, Seepferdchen oder Tintenfische überlebten im Aquarium – also in Gefangenschaft – nur wenige Monate. Weil der Nachschub ausblieb, konnten die Formen nicht mehr gezeigt werden. Auch nach dem Krieg waren die wirtschaftlichen Folgen noch lange zu spüren. Die Lage besserte sich erst nach der Währungsreform im Jahre 1923, die die Inflation beendete.

24. Komodowaran In den dreißiger Jahren ging Moritz im Aquarium spazieren. So hieß ein Komodowaran, der mit seinem Pfleger zumeist in den Abendstunden das Haus umrundete und die Treppe zurück auf seine Station erklomm. Komodowarane gelten als die größten lebenden Echsen und zählen zu den Drachenarten. Die Tierart war erst 1912 auf der indonesischen Insel Komodo entdeckt worden. Moritz war 1927 als Geschenk nach Berlin gekommen. Er war eine Sensation.

25. Rekord Fische, Amphibien, Reptilien – das Aquarium kaufte und kaufte und kaufte und konnte sich so bald mit dem Titel schmücken, den artenreichsten Tierbestand aller Institute der Welt zu besitzen. Der Autor Goetz Kronburger listet verschiedene Inventurdaten auf: Zur Eröffnung 1913 zeigte das Haus 400 Tierarten, Mitte 1914 sind es mehr als 500, im Jahr 1939 sind es 746 Arten mit 8532 Individuen.

26. II. Weltkrieg Nach der Bombennacht vom 23. auf den 24. November 1943 rauschte das Wasser aus dem Aquariumseingang. Das Dach der Krokodilhalle hatte einen Volltreffer hinnehmen müssen, der das Haus praktisch "durchblies". Alle Fenster, Scheiben und Türen wurden zerstört. Nur wenige Tiere überlebten. "Eine Inspektion lehrt uns, dass der Schwarze Peter, der Komodowaran Moritz, eine Riesenpython, die zwei Riesenschildkröten, die sechs Gaviale und einige Leguane vielleicht noch zu retten sind. Alle überlebenden Tiere sind von der Kälte benommen und starr." So schildert der Aufseher Th.C. Lamers seine Eindrücke. Der Holländer Lamers war im Herbst 1943 als ausländischer Zivilarbeiter nach Berlin dienstverpflichtet worden. Zitiert nach Goetz Kronburger (Aquarium Berlin. Die schönsten Geschichten. Bebra-Verlag)

27. Flüchtling Komodowaran Moritz wurde einige Zeit nach der Zerstörung des Aquariums im November 1943 durch Volltreffer des Bomber Command der britischen Royal Air Force als "Bombenflüchtling" im Zoo Leipzig aufgenommen. Oskar Heinroth vom Zoo Berlin war doppelt bedrückt. Er wusste aus Erfahrung, dass so alte Pfleglinge sich schwer an eine neue Umgebung gewöhnen. Er behielt recht: Moritz starb einige Monate später.

28. Kriegsschäden Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Zoologische Garten zu 96 Prozent zerstört. Nur 91 Tiere hatten die Luftangriffe und Stadtkämpfe überlebt. 

29. Postenposse Zwei Männer bewarben sich nach dem Krieg um die Leitung des Zoos. Ernst U. ließ sich den Posten vom Bezirksbürgermeister von Tiergarten bescheinigen. Edmund S. konnte sogar ein Papier des Hauptmagistrats von Groß-Berlin vorlegen. Doch die Bewerbungen wurden hinfällig, als sich herausstellte, dass der eine zuvor als Kraftfahrer gearbeitet hatte und der andere als Aushilfskellner im Zoorestaurant. Schließlich wurden Katharina Heinroth, die Witwe von Oskar Heinroth, als Leiterin des Zoos und Werner Schröder als kaufmännischer Direktor des Zoos bestellt.

30. Klinkenputzen Nach Kriegsende arbeiteten Katharina Heinroth und Werner Schröder regelrecht wie Zoo-Vertreter. Die beiden Zoo-Chefs besuchten Bezirksbürgermeister, Dezernenten für Bauwesen und für Lebensmittelversorgung, Mitarbeiter von Bezugsstellen, Gartenbauämtern, des Stadt-Magistrat sowie Vertreter der Besatzungsbehörden. Ihr Ziel: Wiederaufbau und Tierversorgung.

31. Rummel und Reklame Die Werbung um Besucher in der Nachkriegszeit war originell. Zirkusartisten um Paula Busch traten mit Tieren im Zoo auf. In Ausstellungen gaben Künstler pro verkauftem Werk Geld an den Zoo ab. Das Zoorestaurant wurde als Eigenbetrieb geführt. Schausteller richteten das Berliner Oktoberfest auf dem Gelände aus, mit Fahrgeschäften, Losbuden und Verlosungen.

32. Wiederaufbau 1951 bewilligte der Berliner Senat erstmals Geld für den Wiederaufbau des Aquariums. Die Ruinen wurden abgetragen und der Bau  auf den erhaltenen Kellergewölben aufgesetzt.

33. Berufung Werner Schröders Weg zum Aquariumschef war vorgezeichnet: Er hatte schon als Junge erst sein Zimmer, dann den Berliner Korridor der Wohnung mit Molchen, Eidechsen, Fröschen bevölkert. Als seine Eltern ihm das Wohnzimmer verweigerten, überredete er Mitschüler und Lehrer, in der Schule ein Aquarium einzurichten. 1952 wurde Schröder zum Leiter des Aquariums im Zoo berufen.

34. Neueröffnung I Im September 1952 wurden nach mehrjähriger Schließung die ersten neuen Räume im Erdgeschoss eröffnet. Besucher konnten eine Süß- und eine Seewasserabteilung besichtigen. Zu sehen waren 152 Arten.

35. Neueröffnung II 1956 wurde das erste Stockwerk im Aquarium eröffnet mit Krokodilhalle und Schlangenabteilung.

36. Neueröffnung III 1959 wurde im Obergeschoss das Insektarium eröffnet. Das Geld stammte von der Deutschen Klassenlotterie. Der Reigen der Wiedereröffnungen war abgeschlossen.

37. Schau für Guppys Sie sind bunt, billig und leicht zu halten: Guppys. Nach der Wiedereröffnung richtete das Aquarium jährlich als Attraktion eine "Internationale Guppyschau" aus.

 

38. Picasso-Fisch Ein Mitbringsel von Aquariumsleiter Werner Schröder von seinen Reisen war der "Rhinecanthis aculeatus", ein sogenannter Drückerfisch. Da er eine originelle farbige Zeichnung auf dem Zücken trägt, nannte Schröder – als Kunstliebhaber – ihn immer "Picasso-Fisch". Die Bezeichnung hat sich in Deutschland offiziell durchgesetzt.

39. Lokalkolorit Schröder brachte nicht nur von seinen Fernreisen Tiere mit ins Aquarium, er stellte auch besonders prächtige Beute von Berliner Anglern aus. Dazu gehörte "Klaus der Große": ein 1,05 Meter langer Hecht, der 25 Pfund wog. Oder ein 46 Pfund schwerer Spiegelkarpfen, der erst zum "Dicken Wilhelm" wurde, mit wachsender Erkenntnis aber in die "Schöne Wilhelmine" umbenannt wurde.

40. Krimischlange Auf der großen Welle der Edgar-Wallace-Filme schwamm auch das Aquarium. Regisseur Alfred Vohrer wünschte sich zum Beispiel für den Film "Der Zinker" schwarze Mambas – hochgiftige Tiere. Doch weil das "Opfer", der Schauspieler Günther Pfitzmann, diesen Einsatz nicht überlebt hätte, färbte Aquariumschef Werner Schröder zwei Boas um. Das berichtet Schröder in seine lesenwerten Memoiren: "Zum Abschied ein Krokodil". Mein Leben für das Berliner Aquarium."

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41. Schlangenmord 30.000 D-Mark Reingewinn brachte die Gier zweier Schlangen dem Haus ein – und einer der Schlangen den Tod. Was war passiert? Wie der Autor Goetz Kronburger schildert, hatten sich zwei Schlangen in ein und dieselbe Beute verbissen. Keine ließ los, aber eine schluckte immer weiter – und verspeiste so ihre Kollegin gleich mit. Tag für Tag strömten Besucher in Scharen vor das Terrarium, bestaunten den Riesenbauch der Überlebenden und warteten insgeheim darauf, dass sie platzen möge. Doch sie verdaute in aller Ruhe Stück für Stück. Es dauerte Wochen.

42. Swampy Als Mitglieder des 6. US-Infanterie-Regiments mit einem ihrer Angehörigen nicht mehr weiter wussten – er hatte einen Vorgesetzten in die Hand gebissen –, legten sie ihn Aquariumschef Werner Schröder auf den Tisch. Es handelte sich um Private First Class "Swampy". Das Maskottchen – ein etwa 80 Zentimeter langer Alligator – war krank. Schuld war die Berliner Kälte, Swampy war Temperaturen wie in Florida gewohnt. Doch im warmen Aquarium kurierte Schröder ihn aus. Swampy musste dann nur noch im Sommer bei Paraden mitlaufen. Schröder bat darum, dem Tier keinen Whiskey auszuschenken. Vielleicht verweigerte sich Swampy deswegen schließlich völlig seinem Job – er blieb ganz im Aquarium. 120 Kilo schwer verstarb der Militär-Pensionist schließlich am 10. August 1985.

43. Arapaima 1965, zum 125-jährigen Bestehen des Zoos, konnte das Aquarium wieder den artenreichsten und wertvollsten Tierbestand aller Schauaquarien der Welt präsentieren. Darunter waren seltene Arten und viele Erstimporte – wie etwa die zweier Arapaimas aus Südamerika. Das sind zwei sehr alte Tierformen, die aus dem Stromgebiet des Amazonas stammen. Sie waren 2,3 Meter lang und wogen bis zu 130 Kilo. Eine Attraktion.

44. Tintenfischzucht 1965 gelang Aquariumschef Werner Schröder erstmals die Paarung und Aufzucht von Sepia officinalis – dem Normalen Tintenfisch. Zuvor war über seine Lebensweise und Fortpflanzung nur wenig bekannt gewesen. Schröder züchtete dann noch Korallenfische, gelbe Anakondas oder Spitzkrokodile.

45. Löffelstör 1969 schwammen die Löffelstöre den Arapaimas den Rang in Schlagzeilen und Besuchergunst ab. Es mag an der großen Klappe liegen. Die Mississippi-Fische werden bis zu zwei Meter lang – davon macht die paddelförmige Schnauze ein Drittel aus. Die Süßwasserfische waren zum ersten Mal in Deutschland zu sehen. Bei Ankunft in Berlin waren sie nur daumengroß und wuchsen in vier Jahren immerhin auf 85 Zentimeter an, wie der Autor Goetz Kronburger berichtet.

46. Dauergast Mancher Tierpfleger war schon als Steppke Dauergast im Aquarium – so wie Ronny Keßner, heute zuständig für Reptilien und seit 1980 am Haus angestellt. "Ich kam als Kind mindestens ein Mal in der Woche her. Später, als ich mit dem damaligen Direktor Schröder befreundet war, noch öfter." Eines Tages besuchte Keßner den Pressetermin, auf der die Blomberg-Kröte präsentiert wurde – die größte Kröte der Welt. Ein anderes Kind durfte das Tier in den Arm nehmen. "Man hat das Kind vor lauter Kröte gar nicht mehr gesehen." Keßner kann das Bild bis heute nicht vergessen.

47. Schlangentrick Sicher ist nichts. Immer mal kann eine Schlange ausbrechen – auch wenn die Terrarien abgeschlossen werden. Kurz nachdem Tierpfleger Bodo Vogt 1975 im Aquarium begonnen hatte, büchste eine Eierschlange aus. Sie blieb ein Jahr lang verschwunden. Spurlos. Und war eines Tages wieder da. Vogts Kommentar. "Schlangen sind Hungerkünstler."

48. Bilanz "In all den Jahren ist noch kein Mitarbeiter von einer Giftsschlange gebissen worden", sagt Tierpfleger Bodo Vogts zur Jubiläumsfeier 2012. Eine Regel der Berufsgenossenschaft lautet: Bei der Arbeit mit Giftschlangen muss immer ein zweiter Mann bzw. Kollege in der Abteilung sein – zwecks Rettung. Im Falle eines Bisses kann ein Serum verabreicht werden, das im Tierpark in Friedrichsfelde gelagert wird. Vogts irritiert die räumliche Distanz nicht. "Das ist schnell genug hier". Kritisch würde es eher, wenn das Serum bereits an eine Privatperson abgegeben wurde, die mit der Haltung ihrer Giftschlange überfordert war und gebissen wurde. "Dann müssen wir unser Serum herausgeben", sagt Vogts. "danach kann es eine Weile dauern, bis wir es nachbestellt und wieder geliefert bekommen haben".

49. Schlangenbeschwörer Auch als Experten werden die Aquariumsmitarbeiter gerufen. So etwa, als einst ein Kunde an der Kasse von C&A eine Tüte mit einer Schlange vergessen hatte. Er holte sie nach Presseberichten tags darauf auf der Quarantänestation des Aquariums ab.

50. Generationswechsel Am 1. Oktober 1977 übernahm Jürgen Lange die Leitung des Aquariums. Er innert sich: "Ich hatte zuvor in Stuttgart in der Wilhelma gearbeitet und wurde über meinen Doktorvater vom damaligen Zoo-Direktoren Heinz-Georg Klös gefragt, nach Berlin zu kommen. Bei den Verhandlungen haben beide Seiten so hoch gepokert, dass ich nicht mehr ablehnen konnte. Immerhin war der Tierbestand exzellent, es gab eine riesengroße Sammlung. Erst danach habe ich hinter die Kulissen auf den baulichen Zustand blicken können – und wollte meinen Vertrag sofort annullieren lassen. Es war ein Haus im alten Stil, manches war kaputt, und die Entwicklung war weitergegangen." Doch Lange blieb und begab sich wie seine Vorgänger an den Planungstisch. Der inzwischen rund 25 Jahre alte Aquariumsbau wurde saniert und um ein großzügig gestaltetes Achteck erweitert.

51. Dreharbeiten 1979 dreht Metro Goldwin Mayer für den Film "Die Formel" mit George C. Scott auch in Berlin. Das Drehbuch sieht eine Riesenschlange vor. Aquariumschef Jürgen Lange und sein Kollege Rainer Kaiser können aushelfen – mit Tieren und Räumen. Das Zoo-Restaurant wird zur Kantine für Star und Drehstab, Statisten müssen in extra aufgebauten Zelten an der Budapester Straße essen. Gedreht wird nur nachts.

52. Risiko Die Arbeit im Aquarium ist riskant. Mit einem Schrecken kam der heutige Aquariumskurator Rainer Kaiser bei der Sanierung der Krokodilhalle davon. Als er Bromelien in luftiger Höhe montieren wollte, brach unter ihm ein Betonbaum durch und Kaiser stürzte zwischen die Krokodile. Er konnte sich unversehrt davonmachen.

53. Überraschung Für den Umbau der Krokodilhalle waren alle Tiere in die Zentralhalle des Antilopenhauses evakuiert worden. Doch leer war die Anlage zur Überraschung der Abbrucharbeiter trotzdem nicht. Sie trafen auf zwei frisch geschlüpfte Nilkrokodile. Alarmierte Tierpfleger fingen die Reptilien mit Schlingen ein, die über Kopf und Fuß gezogen werden müssen. Mit einem Seil wurden die Tiere in Kisten gezogen und umgesetzt; erst nach Verlassen der Kiste wurde das Seil gelöst. Ein schwieriges Verfahren, aber für das Tier gesünder als eine Betäubung.

54. Kobras Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten unter Jürgen Lange wurden alle giftigen Kobras zurück in ihr Becken gesetzt. Doch sie verschwanden im nächsten offenen Loch der Abwasserleitung. Meterweise wurden die Rohre zersägt. Doch die Tiere bleiben unauffindbar. Bis nach der Kaffeepause der Mitarbeiter – Hokuspokus waren sie wieder im Terrarium. Vermutlich hatte das Kreischen einer Metallsäge sie zurückgetrieben.

55. Anbau Am 20. August 1983 wird der ganze Komplex – sanierter Alt- plus achteckiger Neubau – offiziell eröffnet. Zum Volksfest kommen 20.000 Gäste. "Die Sanierung hat Luft und Licht reingebracht", erinnern sich Tierpfleger Ronny Keßner und sein Revierchef Klaus Marquardt. "Als wir 1980 hier anfingen, waren das im Pflegergang noch Grotten".

56. Polierskunst Die Sanierung brachte Ende der 70er-Jahre alte kunstvolle Arbeiten ans Tageslicht. Abbildungen vorsintflutlicher Tiere wie dem fischähnlichen Ichthyosaurus oder dem Luftdrachen Pteranodon hatten als  Fassadenbilder den Ursprungsbau von 1913 geschmückt. Die Überbleibsel  von drei der Zooseite zugewandten Mosaiken waren nach dem Zweiten Weltkrieg aber einfach zugespachtelt worden – obwohl das nicht der Auftrag an den damaligen Maurerpolier war. Er sollte die Reliefs eigentlich abschlagen, um das Material wieder zu verwenden. Doch der Arbeiter übte kunstgesinnte  "Sabotage" und versteckte die Reste hinter Lehm. Sie wurden wieder freigelegt. Mit Hilfe des Bildhauers Jochen Ihle arrangierte Zoo-Direktor Heinz-Georg Klös ihre Wiederherstellung. 

58. Piranhas Normalerweise schwimmen im Streichelbecken im Erdgeschoss Kois. Doch eines Tages setzten unbekannte Besucher fünf Piranhas in das Becken, wie die Berliner Morgenpost am 17. März 1984 berichtete. Gebissen haben sie keinen. Die Jungfische waren so verschreckt, dass sie sich in der Ecke drängten.

57. Tischgeburt Im Inkubator oder im Terrarium – mehr Orte gibt es nicht für eine betreute Reptiliengeburt im Aquarium. Außer die Tierpfleger machen Dokumentationen und wollen einen Riss in einer Schale eines Eis fotografieren. "Deswegen hatten wir 1983 einmal ein Segelechsenei mit in den Pflegerraum genommen", sagt Ronny Keßner. Doch das Tier hatte es eilig. Kaum abgelegt auf dem Tisch, schlüpfte es aus seinem Ei. Das Jungtier war 23 Zentimeter lang und fit. Es verbrachte den restlichen Tag als Fotomodell im Pflegerraum.

59. Unfall Teamarbeit ist lebenswichtig. Zum Beispiel, wenn ein Komodowaran einen in die Wade beißt, Blut leckt und seine Beute auffressen möchte. "Er hatte keine böse Absicht" verteidigt Tierpfleger Bodo Vogts noch heute den Waran namens "Nummer 5", der in seine Wade schnappte und seine Hose bis zum Knie aufriss. "meine Hose roch nach Ratte und Maus, also nach Futter. Kein Wunder, dass er zuschnappte." Vogt wurde von seinem Kollegen Klaus Marquardt aus dem Terrarium gezogen – er konnte nicht mehr gehen. Vier Wochen war Vogt krank geschrieben. Auf der Arbeit trägt er seitdem nur noch lange Hosen. "Die schützen besser. Wer weiß, wie ich ausgesehen hätte, wenn ich eine kurze Hose angehabt hätte."

60. Cafeteria Mit Komodowaran-Weibchen Sawo hatte Tierpfleger Bodo Vogt ein lockeres Verhältnis. Regelmäßig führte er die Dame an der Leine aus – so auch zur Eröffnung der Cafeteria Mitte der 80er-Jahre. "Doch dann kamen solche Spaziergänge langsam außer Mode, die Leitung sah das nicht so gerne."

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61. Werbung Der ehemalige Aquariumsleiter Jürgen Lange hatte keine Probleme mit ausgefallenen Ideen. 1987 lässt er zu einer schwedischen Designausstellung die Krokodilhalle mit Stoff ausgeschlagen. "Das gab Diskussionen, die Leute haben sich mit ihren Einträgen im Gästebuch regelrecht bekämpft. Immerhin sind wir sogar in einem italienischen Designmagazin genannt worden", sagt Lange. 1989 entwickelt er mit dem Hotel Steigenberger das Candle-Light-Dinner. Außerdem erfindet er die Taschenlampenführung für Kinder, anfangs sogar mit Spaghettiessen.

62. Veränderung Der Tierbestand verändert sich im Lauf der Jahre. "Wir haben uns auf die schwierige Zucht von Korallen, Korallenfischen und Quallen konzentriert", sagt Jürgen Lange, der 1977 Aquariumschef wurde. Wichtig ist dabei das richtige Futter: von Planktoorganismen über Garnelen und Insekten. Der technische Aufwand ist enorm: Man muss die richtige Wasserqualität und -bewegung herausfinden, Kalk und Spurenelementen dosieren, Lichtintensität und -farbe anpassen.

63. Pech.Eine Design-Ausstellung zieht 1988 allerlei Publikum an – doch nicht nur zahlende Gäste. Ein Einbrecher will am 28.Juni einsteigen und sucht auf dem Dach nach einem geeigneten Weg. Doch er stürtzt und landet auf dem gläsernen Dach der Krokodilhalle. Mit schweren Kopfverletzungen wird er notoperiert. Glasdach und Krokodile bleiben unversehrt.

64. Schildkröten-Express Komodowarane wurden schon an der Leine geführt  – auch mit Riesenschildkröten könnte man das machen. Aber das dauert. Und so packen die Tierpfleger eben doch selbst zu. "Bis vor 18 Jahren haben wir unsere Riesenschildkröten im Sommer jeden Morgen selbst rausgetragen auf die Wiese – und abends wieder reingeholt", erinnert sich Tierpfleger Ronny Keßner. Doch dann mussten die Tiere ihr Terrarium für eine neue Art – die Brückenechsen – räumen.

65. Treppensteigen Als die Brückenechsen ins Aquarium einzogen, mussten die Seychellen-Riesenschildkröten ihr Terrarium räumen. Sie wurden im Winter im Keller untergebracht. Das war nicht so schön, auf dem kahlen Boden und ohne Sonnenlicht. Vielleicht hat eine von ihnen deswegen gelernt, wie man Treppen steigt – und wurde dabei eines Morgens von Tierpfleger Robert Seuntjens ertappt.

66. Nur ein Jahr 1994 kam der Niederländer Robert Seuntjens als Tierpfleger ans Aquarium nach Berlin. "Ein Jahr wollte ich bleiben – und jetzt ist das Leben schon fast vorbei." Seuntjens kümmert sich um die Amphibien und Insekten im zweiten Obergeschoss.

67. Schabenküche Die Präsentationsformen ändern sich. Rund 20 Jahre lang zeigte das Aquarium die gemeine Küchenschabe in der Schau. Und zwar in einem Terrarium, in die eine Spielküche gestellt wurde – mit Miniaturtöpfen und Kannen, Stühlen und Ofen – alles, was Mädchenherzen damals vielleicht schneller schlagen ließ. "Das war ein Renner bei den Besuchern", sagt Tierpfleger Ronny Keßner.

68. Tischmanieren Es geht auch schlicht. Wo heute im Obergeschoss der Apsis Ameisen ihre Nester bauen und durch Röhren rennen, stand früher einfach nur ein Tisch. Darauf eine Vase. Darin Äste vom Maulbeerbaum. Sie waren das Zuhause der Seidenspinner.

69. Unterwasser-TV Aquariumschef Jürgen Lange nutzte die Becken nicht nur für Tiere und Pflanzen. Eines Tages schwammen die Fische um Fernseher herum. Die wasserdichten Geräte dienten zur Werbung für die Funkausstellung 1997.

70. Unfall Viele Firmen engagieren sich für Zoo- und Aquariumstiere. Schultheiß hatte zum Beispiel Geld für Riesenschildkröten von den Galapagos-Inseln gegeben. Es brachte kein Glück. "Die Schildkröten sind leider wegen eines defekten Heizungsrohres gestorben", so Tierpfleger Ronny Keßner.

71. Vanillepudding Kleinere Tiere und Pflanzen, Vitamine und Spurenelemente, das sind die Ernährungsgrundlagen für Reptilien. Doch es geht auch anders, und zwar im Falle eines Wickelschwanzleguans. "Den haben wir mit Vanillepudding großgezogen", sagt Reviertierpfleger Klaus Marquardt. Reine Geschmackssache.

72. Hochsprung Tierpfleger müssen wohl mit allem rechnen. Mannshoch war die Scheibe im Terrarium der Goliathfrösche. "Doch einer ist mir trotzdem abgehauen", sagt Tierpfleger Ronny Keßner. Was für ein Stunt! Er hüpfte über die Scheibe, landete auf dem Boden, sprang zum geöffneten Fenster und zwei Stockwerke in die Tiefe. Das Tier überlebte. Keßner fand den Frosch im Koibecken wieder.

73. Handgepäck Früher brachten Direktoren und Mitarbeiter von ihren Reisen viele exotische Tiere mit. So soll die ehemalige Zoochefin Katharina Heinroth in ihrer Reisetasche ein Zwergflusspferd transportiert haben – aus Nigeria bis nach Berlin. Und Aquariumschef Werner Schröder hatte einst ein weißes Krokodil aus Miami im Handgepäck. "Damals war das noch nicht verboten", sagt Keßner. Heute gibt es Artenschutz und Einfuhrverbote.

74. Leuchtfrosch Tiere, die im Dunkeln leuchten, sind rar. Im Fall einiger Krallenfrösche hatte ein Mensch seine Hand im Spiel gehabt. Genauer gesagt, eine Spitze in der Hand "Die Tiere stammten aus Korea und waren mit Lebensmittelfarbe eingefärbt", erklärt Reviertierpfleger Robert Seuntjens. Das Aquarium hatte die Tiere vom Zoll bekommen, der sie wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz beschlagnahmt hatte.

75. Futterzucht Zehntausende Ratten und Mäuse werden jährlich im Keller des Aquariums unter Laborbedingungen gezüchtet und an die Reptilien samt Nachwuchs verfüttert. Das Insektarium züchtet allein für Futterzwecke rund 12.000 Wanderheuschrecken und mehr als eine halbe Million Heimchen und Grillen.

76. Feuchtigkeit Jeden Tag werden ebenfalls im Keller des Aquariums mehrere Kubikmeter Salzwasser angesetzt. Genauer gesagt wird destilliertes Wasser mit einer Salzmischung versetzt. Sie wird 24 Stunden umgerührt, bis alle Komponenten gelöst sind und wird dann in ein großes Auffangbecken mit älterem Salzwasser geleitet. Die Wasser vermischen sich also immer. Von dort geht es mittels Pumpen weiter in die Becken. Bei all dem Wasser stellt sich die Frage nach der Luftfeuchtigkeit. Doch die wird reguliert. "Verdunstung ist da, aber wir lüften, so dass die Gebäudesubstanz möglichst wenig angegriffen wird", sagt Reviertierpfleger Marco Hasselmann. "Die Luftfeuchtigkeit ist bei uns nur an wenigen Tagen im Sommer im Jahr so hoch wie in den Tropen." 

77. Gewächshaus Das Aquarium hat sein eigenes Gewächshaus und einen eigenen Gärtner. "Doch bei uns ist keine große Zucht möglich", sagt Kurator Rainer Kaiser. "Wir brauchen nicht Hunderte von einer Pflanze, sondern ein großes Spektrum an Pflanzen, um das entsprechende Biotop bei den Terrarien anzugleichen. Da arbeiten wir mit dem Botanischen Garten zusammen." Beispiel Krokodilhalle: Dort wachsen Bananenstauden und Indische Mandelbäume, Kolbenfäden und Fischschwanzpalmen.

78. Schmetterlinge Da das Aquarium keine Flächen für Futterpflanzen hat, kauft es bei Schmetterlingsfarmen Puppen. Schmetterlinge wie Eulenfalter oder Postboten leben im Sommer in der Krokodilhalle und im Winter in der Apsis im Insektarium.

79. Ausfall Viel Technik braucht viel Strom. Und zwar rund um die Uhr. "Wir haben auch einen Notstromaggregator", sagt Ex-Aquariumschef Jürgen lange. "Falls der auch noch ausfällt, gibt es nach zwei Stunden die ersten Toten." Die Stromversorgung garantiert nicht nur den Chimären kühles Wasser. Auch das  tropische Becken muss gekühlt werden. Die Pumpen heizen es mit abstrahlender Wärme zu sehr auf.

80. Forscherdrang Für sein neuestes Keller-Zucht-Projekt hat Reviertierpfleger Marco Hasselmann sich Zitterwelse aus dem Kongo und Nigeria schicken lassen und selbst mit Genehmigung in Kamerun verschiedene Exemplare gefangen. Sie werden demnächst geröntgt. "Nur durch Angucken kann man nämlich nicht feststellen, was für ein Fisch es ist. Sie verändern immer wieder ihre Farbmerkmale. Wir werden sie röntgen müssen, über Zähne und Wirbel dann feststellen. Die Möglichkeit haben wir hier im Zoo", sagt Hasselmann. Nur wie man es macht, weiß er noch nicht. Sicher aber ist eines: Man muss aufpassen, wenn man sie anfasst – dann bekommt man einen Stromschlag. "Es fühlt sich an wie der Griff an einen Stromzaun, aber nicht so stark wie eine Steckdose." Hasselmann kennt beides. Und er lebt immer noch.

99 Jahre Aquarium in 99 Anekdoten - 81 bis 99

81. Ausbruch Wenn alle Bewohner des Aquariums plötzlich ausbrechen würden, würde sich Reviertierpfleger Marco Hasselmann am liebsten - Krokodil hin, Giftschlange her –  zuerst um die Blattschneiderameisen kümmern. "Wenn die uns einmal in die Krokodilhalle kommen, haben wir dort bald kein Blatt mehr."

82. Nachbarn Größe spielt keine Rolle beim Stichwort Geselligkeit oder Zusammenleben. "Wenn einem kleinen Fisch etwas nicht passt in seinem Becken, kann es sein, dass er Pflanzen ausreißt oder andere Fische angreift. Das Zusammenleben aller Fische muss abgestimmt sein, am besten im Vorfeld", erklärt Reviertierpfleger Marco Hasselmann. Buntbarsche sind zum Beispiel Individualisten. "Die sind intelligent und anspruchsvoll, sie gestalten sogar Umwelt aktiv, nehmen nicht nur hin, was da ist. Sie buddeln Bruthöhlen frei, bilden Reviere, vertreiben ungeliebte Eindringlinge." Und trotzdem gilt: Manche sind friedlich, andere aggressiv. Kennt man.

83. Überraschung Manche Zucht beginnt ganz natürlich. "Ende der 90er-Jahre habe ich morgens wie üblich meine Runde gemacht", erinnert sich Reviertierpfleger Marco Hasselmann. Plötzlich sah er im Süßwasserbecken kleine Rochen schwimmen. "Ich dachte zuerst, da sei eine Lieferung an mir vorbeigegangen". Aber die Kollegen waren genauso überrascht wie er. Die Pfauenaugen-Stechrochen aus Südamerika hatten Jungtiere – selbstgemacht. "Seitdem züchten wir sie und beliefern Schauaquarien mit Nachzuchten", so Hasselmann.

84. Ausflug Normalerweise sind die indischen Zwergschlammspringer unter sich. Doch eines Tages fand Reviertierpfleger Marco Hasselmann bei ihnen Korallenfingerlaubfrösche. "Die müssen aus dem Insektarium durchs ganze Haus, also vom zweiten Stock bis ins Erdgeschoss gelaufen sein und es genau da dann angenehm gefunden haben." Er brachte sie trotzdem zurück.

85. Sex Nicht nur Tiere praktizieren den Fortpflanzungsakt, auch die meisten Menschen sind mit dem entsprechenden Prozedere vertraut. Manche suchen dazu exotische Orte auf. So durften die Tierpfleger vor einigen Jahren Anteil nehmen an den Eskapaden eines Besucherpärchens im Pflegergang hinter den Kulissen. Es sollen dann  viele Pfleger Treppe gestiegen sein, statt den Fahrstuhl zu benutzen...

86. Gäste Nicht nur Menschen besuchen das Aquarium, auch ein Fuchs wurde schon gesichtet. Er oder sie lief 2010 in den oberen Etagen herum – und von alleine wieder aus dem Haus heraus. Er stammte vermutlich aus dem Zoo, denn  zeitnah waren Jungtiere vorm Aquarium zu sehen. Das war schlecht für das angrenzende Revier "Wiesen und Teiche", die hatten dann einige Ausfälle in ihrem Bestand.

87. Frauen Die Technik, sie macht immer mehr an exotischer Tierhaltung möglich, ist aber vermutlich Schuld an einer anderen Entwicklung. 16 Angestellte arbeiten im Aquarium. Alles Männer. "Wir bilden zwar auch Frauen aus, aber sie arbeiten danach in unserem oder einem anderen Zoo", so Kurator Rainer Kaiser. Die Frauen gehen weg. Aber zu Schulungen kommen Biologen und Kuratoren, Auszubildende und Tierpfleger aus ganz Europa nach Berlin.

88. Weihnachten Das Aquarium hat immer von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Außer an Heiligabend, da ist mittags schon Schluss, aus kulturellen Gründen. Nicht jedem Besucher ist das bewusst – und so hat Reviertierpfleger Marco Hasselmann aus Versehen schon Gäste eingeschlossen. Ein Kollege, der im Zoo wohnte, hat dann zu späterer Stunde das Klopfen an den verschlossenen Türen gehört und die Leute befreit.

89. Platzmangel Im Frühjahr 2012 musste Sandtigerhai Niki wegen Platzmangel an das Ozeaneum in Stralsund abgegeben werden. "Uns fehlt ein großes Haibecken", sagt Zoo-Direktor Bernhard Blaskiewitz. Pläne gibt es, Geld noch nicht.

90. Fossil Tuatara – den aus der Maori-Sprache stammenden Begriff für "Stachelträger" kennen vielleicht nicht so viele Besucher. Gemeint sind die Brückenechsen. Sie genießen, so schreibt es Zoo-Tierarzt André Schüle im Jahresbericht "Bongo", als lebende Fossile besondere Berühmtheit. Denn sie sind die einzigen Überlebenden der zu den Reptilien gehörenden Ordnung der Schnabelköpfe. Sie haben sich vor etwa 220 Millionen Jahren herausgebildet, also lange bevor die ersten Dinosaurier auf der Bildfläche erschienen sind. Und seitdem hat sich ihr Körperbau kaum verändert. Ungewöhnliches Merkmal: Sie haben ein drittes Auge, das Parietalauge. Es verfügt über eine Netzhaut, eine unterentwickelte Linse und einen Nerv, der über ein Scheitelloch eine direkte Verbindung zum Gehirn hat. Möglicherweise regelt es den Wärmehaushalt mit und funktioniert als biologische Uhr.

91. Synchronschlupf In freier Natur koordinieren Krokodile ihren Schlupf durch Rufe. Als es 2010 bei den Krokodilkaimanen so weit war, ließen die Tierpfleger Thomas Warkentin und Ronny Keßner das zuerst geschlüpfte Jungtier im Inkubator, um das eventuell noch im zweiten Ei befindliche Jungtier ebenfalls zum Schlupf zu animieren. Es funktionierte: Der zweite Kaiman kam noch am zweiten Tag zur Welt.

92. Emanzipiert Zu den Berliner Fabelwesen gehören nach Ansicht von Reviertierpfleger Marco Hasselmann auch Seepferdchen. Denn zu ihren nächsten Verwandten zählen die Seedrachen oder Geisterpfeifenfische. Dabei werden die Männchen zu Angebern, wenn es um die Reproduktion geht. Bei der Balz präsentieren sie ihre aufgepumpten Brusttaschen an der Bauunterseite. Die Weibchen stecken während der Paarung 20 bis 600 Eier dort hinein – je nach Art – und schwimmen davon. Die Männer sind von da an allein für die Nachkommenschaft verantwortlich.

93. Taucher Zu Schaufütterungen steigen einige der Tierpfleger in die großen Becken – aber auch, wenn geputzt werden muss oder Tiere zu retten sind. So am 7. September 2009, als das Hammerhaiweibchen zu gebären begann. Damit die etwa 18 Zentimeter kleinen Jungtiere nicht vom Zackenbarsch gefressen würden, fischte sie ein Taucher mit großen Schüsseln aus dem Wasser und setzte sie in ein Reservebecken, wie Reviertierpfleger Christian Heller im Bericht "Bongo 2010" berichtet.

94. Amphibienschutz Seit Ende der 70er-Jahre wurden etwa 120 Arten der derzeit 6500 beschriebenen Amphibienarten ausgerottet. 50 Prozent gelten als von der Ausrottung bedroht, von 20 Prozent gibt es keine weiteren Daten. Die Entwicklung skizziert Reviertierpfleger Robert Seuntjens im Jahresbericht "Bongo 2010". "Sind wir doch mal ehrlich", sagt er, "die meisten Menschen empfinden nicht allzu viel Sympathie für die Amphibien". So sei der Laubfrosch in Berlin wahrscheinlich verschwunden, weil er gern als Wetterfrosch verkauft wurde "Und wer kennt nicht die berühmten Froschschenkel". Das Aquarium Berlin widmet – anders als andere Häuser –  eine ganze Abteilung den Amphibien, und es beteiligt sich an Projekten für den Schwarzaugen Laubfrosch und den Blauen Baumsteiger.

95. Bier Die Schmetterlinge in der Krokodilhalle sind vermutlich Anti-Alkoholiker. Jedenfalls ignorieren sie die mit Bier gefüllten Schälchen, die Tierpfleger Haymo Sontag ihnen offerierte, nachdem er diese Gepflogenheit in anderen Schmetterlingshäusern beobachtet hatte. "Vielleicht war nicht die passende Sorte dabei. Die Versuche werden fortgesetzt", sagt Sontag.

96. Zahnweh Piranhas können ihre Beute blitzschnell bis aufs Skelett abknabbern. Zahnweh bekommen sie aber keines. Ihre Zähne sind zwar scharf, haben aber weder Wurzeln noch Nerven. Sie wachsen immer wieder nach.

97. Weichtiere Kraken sind keine Fische, sondern Tintenschnecken. Weicheier oder Warmduscher sind sie auch keine, ihnen genügt eine Wassertemperatur von 17 Grad. Man sollte sie sowieso nicht unterschätzen. Sie können sich in schmale Spalten quetschen und ihrer Beute nachsetzen. Dann stülpen sie sich darüber und zernagen sie mit ihrem Hornschnabel. Guten Appetit.

98. Packesel Färberfrösche leben am Boden. Doch ihre Brut verstecken sie zur Sicherheit in luftiger Höhe. Und dann jedes Kind für sich. "Sie mögen sich nicht so", sagt Reviertierpfleger Robert Seuntjens. Die Tiere leben ursprünglich in Regenwäldern des nördlichen Südamerika. Dort sind sie noch giftig, im Aquarium nicht mehr. Dort sind etwa zwei Dutzend verschiedene  Froscharten zu sehen. 

99. Sammlung Der ehemalige Aquariumschef Werner Schröder hat in seiner Artensammlung an Krokodilen zeitweise 21 Arten zusammengetragen, wie Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz in seinem Buch "Knautscke, Knut & Co" berichtet. 1976 schlüpfte erstmals ein Nilkrokodil im Zoo-Aquarium – "ein wahrhaft tolles Abschiedsgeschenk für Werner Schröders aktive Zeit", so Blaszkiewitz. Inzwischen ist die Krokodilzucht in beiden Berliner Tiergärten gelungen. Im Tierpark schlüpfte 2006 Stumpfkrokodil Iggy aus dem Ei.

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