13.08.12

Maueropfer

Wowereit unterstützt Idee einer Straße für Peter Fechter

Beim Gedenken an die Maueropfer hat sich Berlins Regierender Bürgermeister für eine Umbenennung der Zimmerstraße ausgesprochen.

Quelle: dapd
13.08.12 0:59 min.
Vor 51 Jahren wurde auf Geheiß der DDR-Führung mit dem Bau der Berliner Mauer begonnen. Sie umschloss auf 155 km den gesamten Westteil der Stadt. Bis zu ihrem Fall starben mindestens 136 Menschen.

Die Initiative für eine Straße für das Maueropfer Peter Fechter hat gute Chancen auf Erfolg. Am Montag schloss sich auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) persönlich der Idee an, die Zimmerstraße an der Bezirksgrenze zwischen Mitte und Kreuzberg nach dem Maueropfer zu benennen.

"Ich begrüße den Vorschlag, die Zimmerstraße umzubenennen, hier, wo er erschossen wurde und wo die Gedenkstele steht", sagte Wowereit am Rande der Kranzniederlegung. "Ich hoffe, dass die Gremien in Mitte der Initiative eine positive Begleitung geben."

Der junge Bauarbeiter Peter Fechter war am 17. August 1962 in der Nähe des Checkpoint Charlie von Grenzsoldaten angeschossen worden, als er versuchte, in den Westteil Berlins zu gelangen. Weil ihm die Grenzer nicht halfen, verblutete er auf dem Todesstreifen. Zu seinem 50. Todestag hatte Morgenpost Online die Aktion gestartet, eine Straße nach Peter Fechter zu benennen. "Der Name steht für alle Maueropfer", sagte der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning. Die Geschichte seines Todes zeige "die ganze Unmenschlichkeit" des SED-Regimes.

"Hier ist er umgekommen"

Fechters Schwester Gisela Geue legte am Montag zum 51. Jahrestag des Mauerbaus am 13. August 1961 gemeinsam mit Wowereit, Innensenator Frank Henkel (CDU), Parlamentspräsident Ralf Wieland, Friede Springer und dem Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, Kränze am Mahnmal für ihren Bruder nieder. Sie würde es begrüßen, wenn eine Straße nach Peter Fechter benannt würde. "Wenn, dann aber nur die Zimmerstraße", sagte Gisela Geue, "denn hier ist er umgekommen." Die Zimmerstraße ist nach dem Zimmererhof benannt, der sich hier während des Baus der Friedrichstadt im 18. Jahrhundert befand.

Grünen-Landeschefin Bettina Jarasch sagte, sie gehe davon aus, dass man in dieser Frage eine Einigkeit zwischen den Parteien herstellen könnte. Friedrichshain-Kreuzbergs Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) sprach sich ebenfalls für die Umbenennung aus, verwies aber auf die Zuständigkeit der Bezirksverordnetenversammlung Mitte.

Dort beginnt jetzt die Diskussion über den Straßennamen. Die CDU-Fraktion wollte das Thema am Montagabend auf ihrer ersten Sitzung nach der Sommerpause behandeln. "Ich gehe davon aus, dass wir die Benennung einer Straße nach Peter Fechter befürworten", sagte Fraktionsvize Heinz Kiske. "Die Gremien werden sich mit dem Vorschlag beschäftigen", sagte auch SPD-Fraktionschef Hans-Günter Mahr. "Wir haben aber eine eindeutige Situation", so Mahr. Grundsätzlich würden neue Straßen nach Frauen benannt. Ausnahmen seien jedoch möglich. Vorschläge für den Straßennamen könnten die BVV-Fraktionen, aber auch Vereine oder Einzelpersonen machen, sagte Christiane Hoff (Linke), Vorsitzende des Kulturausschusses der BVV Mitte. Der Ausschuss tagt am Mittwoch.

Hunderte Menschen verfolgen feierliche Andacht

Am Montagmorgen hatten einige hundert Menschen in der Kapelle der Versöhnung an der Bernauer Straße die feierliche Andacht zum Gedenken an die Opfer der Mauer verfolgt. Während zahlreiche Mitglieder des Abgeordnetenhauses im Kirchenschiff Platz genommen hatten, konnte das Publikum, darunter viele Schüler, die Veranstaltung zum 51. Jahrestages des Mauerbaus im Kirchenvorraum auf einem Monitor miterleben. Nach der Veranstaltung legten Klaus Wowereit und Vertreter der Fraktionen Kränze am nationalen Denkmal für die Opfer von Mauer und Teilung nieder.

Pfarrer Manfred Fischer hob in seiner Rede die Bedeutung der Gedenkstätte Berliner Mauer für die Erinnerung an die geteilte Stadt hervor. "Es hat sich gelohnt, die Spuren des Tatorts zu erhalten", sagte der Pfarrer. Die Besucherzahlen seien weiter gewachsen und auch junge Leute könnten gut nachvollziehen, wie eine 155 Kilometer lange Mauer eine Stadt geteilt und Schicksale von Menschen zerstört hat. Die Verletzung der Menschenrechte sei an der Gedenkstätte erlebbar.

"Wir geben den Opfern Namen und Gesicht und dem Gedenken Dauer und Form", so Manfred Fischer. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte zum Jahrestag des Mauerbaus ein neues Forschungsprojekt der Gedenkstätte Berliner Mauer zu den Opferzahlen an der einstigen innerdeutschen Grenze. Die Kanzlerin begrüße das Projekt ausdrücklich, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag.

Eine Gedenkfeier gab es auch an der Glienicker Brücke, die nach Jahrzehnten der Teilung seit 1989 wieder Berlin und Potsdam verbindet. Dort gab es einen Zwischenfall. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Brandenburger Landtag, Dieter Dombrowski, erlitt einen Schwächeanfall und musste medizinisch versorgt werden. Nach einer kurzen Behandlung ging es ihm wieder besser.

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