13.08.12

Prozess

Callboys drohen achteinhalb Jahre Haft für Mord an Zuhälter

Sie sollen ihren Zuhälter in dessen Berliner Wohnung umgebracht haben. Jetzt müssen sich die beiden Callboys vor Gericht verantworten.

Foto: DPA
Prozess gegen zwei Angeklagte wegen Tötungsdelikt
Der 19-jährige Angeklagte Jokubas S. im Amtgericht Tiergarten: Ihm und einem Komplizen vorgeworfen, einen stark alkoholisierten Mann aus dem Homosexuellen-Milieu erstickt und ausgeraubt zu haben

Im Prozess gegen zwei Callboys wegen Mordes an ihrem Zuhälter hat die Staatsanwaltschaft am Montag je achteinhalb Jahre Jugendstrafe beantragt. Die Angeklagten im Alter von 19 und 20 Jahren hatten vor dem Berliner Landgericht gestanden, den Mann in der Nacht zum 2. November 2011 in dessen Wohnung in Berlin-Tempelhof umgebracht zu haben. Mit Wertsachen des 37-Jährigen, der in der Hauptstadt einen Begleitservice für Männer betrieben hatte, waren sie geflohen. Die Verteidiger plädierten auf Totschlag. Das Urteil soll am kommenden Montag verkündet werden.

"Der Tod war für mich der einzig mögliche Ausweg, diesem Tyrannen zu entkommen und keine Angst mehr vor ihm haben zu müssen", hatte der 19-Jährige erklärt. "Der Mann war ein übler Zeitgenosse, aber das rechtfertigt nicht seine Tötung", hielt die Anklägerin entgegen.

Die Staatsanwaltschaft geht von Mord aus Heimtücke aus. Die Angeklagten hätten ihr Opfer mit der Anbahnung von Sexspielen in Sicherheit versetzt und die hilflose Lage des Mannes ausgenutzt. Der betrunkene 37-Jährige sei von den Angeklagten gefesselt worden. Der 20-Jährige habe den Zuhälter mit einem Kissen erstickt.

Im Prozess hatten die jungen Männer geklagt, sie hätten den Mann sexuell befriedigen und sich fast täglich prostituieren müssen. Sie seien geschlagen und erniedrigt worden. Auch aus Sicht der Anklägerin wurden die beiden ausgenutzt. Sie hätten aber gewusst, in wessen Hände sie sich begeben. Es sei der schnellste Weg gewesen, Geld zu verdienen.

Der 19-Jährige war nach Berlin gekommen, um Geld für ein Leben als Musiker in den USA zu verdienen. Nach der Tat war er nach New York geflohen. Ein ARD-Reporter, der ihn wenige Tage zuvor als Callboy gebucht hatte, überredete ihn zur Rückkehr nach Berlin. Von der Tat hatte der Journalist eigenen Angaben nach aber erst von der Polizei erfahren. Inzwischen sind beide verlobt.

Quelle: dpa/nbo
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