Technoparty
Berlin Summer Rave - Tanzen bis zum Sonnenaufgang
Der Berlin Summer Rave hat am Wochenende rund 22.000 Technofans auf den ehemaligen Flughafen Tempelhof gelockt.
Hinter den Fenstern des alten Hangars des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof flackert buntes Licht. "If you could read my mind, love…". Berlins Kult-DJane Marusha bewegt ihre Lippen synchron zum nasalen Gesang eines Techno-Remixes. Ein hektisches Gewitter aus Laserblitzen und Bassgrollen bricht über sie hinweg. Ihr Publikum ist zwischen 18 und 40 Jahre alt. Im mal blauen und mal roten Licht lässt es die Arme in die Höhe schnellen. Turnschuhe wischen in zackigen Aerobicschritten über den Boden.
Der dritte von A&P (Kaiser's Tengelmann) veranstaltete "Berlin Summer Rave" lockt in der Nacht zu Sonntag die Berliner Techno-Fans. Laut Angaben des Programm-Managers Armin Mostoffi feierten in diesem Jahr rund 22.000 Gäste auf dem ehemaligen Flughafengelände.
Viele Gäste seien mit ihren Eltern oder älteren Geschwistern gekommen, sagt Mostoffi. Der Rave der Neunziger werde hier an eine neue Generation weitergegeben. Das Line Up, eine Mischung aus Techno-Altmeistern wie Westbam und Minimal-Neulingen wie Aka Aka, solle zwanzig Jahre Rave-Geschichte in einer Art "Best of" erlebbar machen, beschreibt Mostoffi die Idee des Events.
Fünf Tanzflächen die ganze Nacht gut gefüllt
Ein Grüppchen etwa 18 Jahre alter Schüler aus Pankow formt Zeigefinger und Daumen zu Herzen: "Techno ist doch die einzige Musik, zu der man wirklich feiern kann. Das ist pure Liebeeee!", brüllen sie durch die Trockeneisnebel.
Die fünf Tanzflächen sind die ganze Nacht gut gefüllt; die Raver zeigen keine Ermüdungserscheinungen. Mostoffi will mit dem Summer Rave die durch die Love Parade entstandene Techno-Großveranstaltungslücke schließen. Aus der Sicht einer 41 Jahre alten Mutter aus Kreuzberg ist ihm dieses Vorhaben auch rundum gelungen: "Ich gehe wirklich selten aus, aber das hier ist ja wie früher auf der Love Parade. Jeden kann man hier ansprechen, alle sind friedlich, alle feiern, alle sind eins." Die Kreuzbergerin strahlt über das ganze Gesicht. Nina, eine 30-Jährige aus Schönberg, pflichtet ihr bei: "Bis auf Westbam und Marusha sagt mir das Line Up gar nichts. Aber das Feeling, das ist noch immer das gleiche, wie vor 15 Jahren. Hammer."
Eine junge Schülergruppe aus Prenzlauer Berg bemängelte hingegen die Lasershow: Sie habe bei 25 Euro Eintritt nicht überzeugt. Ein 28 Jahre alter Grafiker tritt um 1 Uhr morgens bereits den Heimweg an: "Provinz-Disco mitten in Berlin", kommentiert er knapp.
Stände mit Supermarkt-Werbebannern
"Noch vor zehn Jahren wäre ein Indoor-Rave dieser Größenordnung undenkbar gewesen", sagt Mostoffi und nimmt Bezug auf den Berliner Trend zu Techno-Clubs, die mit einer strikten "Türpolitik" nur genehme Gäste einlassen. "Die Sehnsucht nach solchen Großveranstaltungen für Jedermann ist wieder da", freut sich der Programm-Manager.
Auf der Freifläche vor den Hangars warten etliche Stände mit Supermarkt-Werbebannern auf die Gäste. Den vergessenen Wochenendeinkauf kann man aber allem Unken zum Trotz nicht nachholen, wohl aber neue Kraft durch eine Bratwurst schöpfen. Marusha ist derweil kurz nach ihrem Auftritt nach eigener Aussage noch "halbtaub". "Aber es war eine epische Abfahrt", freut sie sich. Ihr junges Team nickt bestätigend. Die DJane lässt sich einen wärmenden Pullover in den Backstagebereich bringen.
Die Raver auf den Tanzflächen feiern bis 9 Uhr morgens durch. Alles läuft glatt, alles bleibt friedlich. Der harte Kern von ihnen hat selbst im Sonnenlicht des frühen Sonntagmorgens noch nicht genug, sondern folgt der Einladung zu einer Aftershow-Party in einer Strandbar in Mitte.
"Es steht noch nicht fest, aber mit großer Wahrscheinlichkeit werden wir nächstes Jahr wieder einen Summer Rave feiern", sagt Mostoffi. "Dann streben wir an, die 30.000-Besucher-Hürde zu knacken." Sein Ziel sei es, den größten Indoor-Rave der Welt auf die Beine zu stellen.

















