20.07.12

Nahverkehr

Die Berliner S-Bahn fährt einfach nicht aus der Krise

Die S-Bahn bekommt ihre Probleme nicht in den Griff: Fahrgäste leiden unter Ausfällen und Verspätungen. Und es fehlen Züge und Personal.

Foto: DAPD
S-Bahn-krise: Am täglichen Ärger der Fahrgäste hat sich seit drei Jahren nichts geändert
S-Bahn-krise: Am täglichen Ärger der Fahrgäste hat sich seit drei Jahren nichts geändert

Die Krise der Berliner S-Bahn hält auch mehr als drei Jahre nach ihrem Beginn unverändert an. Noch immer müssen die Fahrgäste mit häufigen Ausfällen und Verspätungen leben, wie aktuelle Zahlen des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) belegen. Im Juni fuhren demnach nur 92,3 Prozent aller Züge pünktlich, also mit weniger als vier Minuten Verspätung. Im Verkehrsvertrag mit den Ländern Berlin und Brandenburg ist ein Sollwert von 96 Prozent festgeschrieben. Gemessen am Verkehrsvertrag, fielen zudem 6,8 Prozent der Züge komplett aus.

Zwar haben sich die Zahlen im Vergleich zum Vormonat leicht verbessert, von Normalität kann aber keine Rede sein, wie VBB-Chef Hans-Werner Franz betont. "Wir dümpeln immer noch bei etwa 90 Prozent herum, obwohl seit Wochen der Ferienfahrplan mit weniger Fahrten gilt", sagte Franz der Berliner Morgenpost. "Das ist in keiner Weise akzeptabel." Außerdem sei die S-Bahn inzwischen nicht mehr bereit, einen Zeitpunkt festzulegen, wann sich das Angebot erkennbar verbessern werde.

Ende vergangenen Jahres klang das beim S-Bahn-Mutterkonzern Deutsche Bahn noch ganz anders. Von Dezember 2011 an, hatte Bahn-Chef Rüdiger Grube versprochen, sollten täglich gut 500 Doppelwagen im Einsatz sein. Damit wäre theoretisch ein Normalbetrieb, wenn auch mit teilweise verkürzten Zügen, möglich gewesen. Die Bilanz des VBB fällt jetzt ernüchternd aus. "Die S-Bahn konnte das Versprechen im laufenden Jahr an gerade einmal sechs Tagen halten", sagte Franz. Im Juni habe die S-Bahn nur 88 Prozent der vertraglich geforderten Fahrzeuge zum Einsatz gebracht. Nach S-Bahn-Angaben waren im Vormonat täglich 487 der sogenannten Viertelzüge im Einsatz. Aktuell sollen es aber knapp 500 sein.

Am täglichen Ärger der Fahrgäste ändert das jedoch nichts. Obwohl fast alle Technikprobleme, die seit Sommer 2009 für Einschränkungen sorgten, inzwischen mit Millionenaufwand behoben wurden, fuhr die S-Bahn 2012 seit Februar in jedem Monat unpünktlicher als im gleichen Zeitraum 2011. Mal sind es neue Technikprobleme wie am späten Mittwochabend, als Dutzende Fahrgäste zwischen Grunewald und Nikolassee in einem Zug festsaßen, weil laut eines S-Bahn-Mitarbeiters Regenwasser die Elektrik beschädigt hatte.

Mal sind es Signal- und Weichenstörungen, für die mit dem Unternehmen DB Netz eine andere Bahntochter verantwortlich ist. Am Freitag sorgten dann Kabeldiebe sowie Wildschweine auf den Gleisen für Unterbrechungen. Die Hauptprobleme sind nach Ansicht des VBB-Chefs aber hausgemacht: "Der S-Bahn fehlen immer noch Züge und Fahrer."

Die S-Bahn verwies hingegen auf den leichten Aufwärtstrend im Juni. Ein vollständig störungsfreier Betrieb sei aber "trotz aller Anstrengungen leider nicht zu erreichen", sagte ein Sprecher.

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