20.07.12

Web-Projekt

Journalistenschüler entdecken Kreuzberger Oranienstraße neu

20 Volontäre der Axel-Springer-Akademie erzählen in ihrem Web-Projekt "Zoom Berlin" Geschichten, die auf der "O" passieren.

Foto: Matthias Bannert
Ein Projekt, ein Mittelpunkt: Geschichte, Gegenwart und Zukunft – betrachtet für die Oranienstraße, liebevoll einfach nur die „O“ genannt
Ein Projekt, ein Mittelpunkt: Geschichte, Gegenwart und Zukunft – betrachtet für die Oranienstraße, liebevoll einfach nur die "O" genannt

Zweitausendzweihundert Meter Berliner Geschichte, Berliner Gegenwart und Berliner Zukunft – das ist die Oranienstraße, von den Anwohnern liebevoll einfach nur die "O" genannt. Hier, am nördlichen Rand von Berlins rau-charmantem Kreuzberg, wohnen Spießer neben Steinewerfern, Hartz-IV-Empfänger neben Yuppies und blonde Schwaben neben dunklen Ur-Berlinern, deren Eltern aus Anatolien eingewandert sind.

Die "O" ist eine Straße, die vielleicht wie keine andere für unsere bunte Hauptstadt steht. Sie ist ein Beispiel dafür, wie unser Land einmal aussehen könnte. Denn hier ist Realität, was Deutschlands Zukunft zu wünschen wäre.

Die Integration funktioniert: Türkischstämmige Migrantenkinder bieten im "Smyrna" anatolische Nussspezialitäten an, die von spanischen Touristen, Istanbuler Künstlern und Kreuzberger Ureinwohnern gleichermaßen geliebt werden. Imbissbuden verkaufen mit "Currywurst Halal" Berliner Wurstspezialitäten nach islamischem Reinheitsgebot. Deutsche Klempner halten die "Luzia"-Bar in Schuss, während gegenüber ein Altlinker in seiner urigen Metallwerkstatt schwitzt und seine Hammerschläge mit Abneigung gegen die Touristenmassen würzt, die über die "O" walzen.

Die Geschichte der "O-Straße"

Dabei hat die Straße eine bewegte Geschichte. Die herrschaftliche Oranienstraße wurde durch die Bomben des Zweiten Weltkriegs besonders im westlichen Teil zerstört, dann folgte ein slumähnliches Dasein am Rande der West-Enklave, genau an der Berliner Mauer, an die sich abgesehen von Geringverdienern und Einwanderern höchstens noch der Verleger Axel Springer mit seinem Hochhaus und seiner Druckerei wagte. Erst mit der Wende gelangte die Straße plötzlich in den Mittelpunkt der neuen, gesamtdeutschen Hauptstadt und wurde zu dem, was sie heute ist. Eine reizvolle Mischung aus zerklüfteter Vergangenheit und rosiger Zukunft. Denn ohne den Keim, der im einzigartigen Biotop des Mauerslums entstand, wäre die "O" heute vielleicht eine Straße wie jede andere.

20 Journalistenschüler der Axel Springer Akademie wurden wochenlang über diese Straße geschickt, um ihre Geschichten aufzuspüren und zu erzählen. Jene letztendlich entstandenen rund 30 Geschichten, die sie auf der Straße gesucht haben, bilden nun das Ergebnis: das Web-Projekt "Zoom Berlin".

Es zeigt eine beeindruckende Mischung von Menschen und Geschehnissen, unterteilt in die Kanäle "Gestern", "Heute" und "Morgen", in Text, Bild und Video. Während etwa in Hausummer 6 Erfinder Konrad Zuse unter dem Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs einen der ersten Computer der Welt entwickelte, musste der jüdische Schuh-Zampano Julius Klausner, der in Hausnummer 34 das Schuhhaus Leiser gründete, das "Reich" Hals über Kopf verlassen.

Von Straßenschlachten und SO 36

Und während "Andy80", ein Autonomer der ersten Stunde, von seiner Flucht vor der Polizei durch Kellergänge berichtet, erzählt ein ehemaliger Beamter der berühmt-berüchtigten "Einsatztruppe für besondere Lagen" von den epischen Straßenschlachten, an deren Ende sich die Beamten der Polizei damals auf die Anhöhen im Görlitzer Park retteten. Die Anhöhen, die im Beamtenjargon "Golanhöhen" genannt werden.

Während ein Journalistenschüler mit Musikern den "Soundtrack der O" von tätowiertem Hardcore bis zu politischem Hip-Hop ergründete, ging eine Kollegin in den legendären SO36-Klub, wo "der Punker mit dem Schwulen tanzt". Und moderne Auguren waren ebenfalls am Werk, die zwar nicht in Eingeweiden lasen, dafür aber Statistiker bemühten und mit Experten sprachen – über die Geschichte der Start-up-Szene um Ashton Kutcher oder die "O-Vision" mit den Zukunftsträumen der Kreuzberger.

Alle weiteren Geschichten und Anekdoten stehen ab sofort auf der Webseite von "Zoom Berlin".

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Ein Küsschen für Ronny: Herthas Brasilianer kann heute noch Torschützenkönig werden. Ein Treffer wäre dafür mötig
10:09Gegen Energie Cottbus
Diese Rekorde kann Hertha heute noch knacken

Zum Saisonfinale gegen Energie Cottbus wird Berlins Olympiastadion noch einmal richtig voll. Und für Hertha ist beim Abschied aus dem Unterhaus noch so manche Bestmarke möglich – nicht nur für Ronny. mehr...

Die dänische Sängerin Emmelie de Forest hat den ESC gewonnen
08:29Malmö 2013
Eurovision Song Contest - Dänin vorn, Deutschland enttäuscht

Emmelie de Forest war die Favoritin der Buchmacher, und gewann mit ihrem Hippie-Chic tatsächlich den Eurovision Song Contest. Deutschland stürzt mit Euro-Trash-Klängen von Cascada auf Platz 21 von 26. mehr...

-
18.05.13Kreuzberg
Karneval der Kulturen 2013 in Berlin – Alles was Sie wissen müssen

Der Karneval der Kulturen hat mit dem obligatorischen Straßenfest am Blücherplatz begonnen. Höhepunkt ist wieder der große Umzug am Pfingstsonntag. Infos zum Fest und die Übersicht der Straßensperrun… mehr...


Flughafenchef Hartmut Mehdorn will den Airport Tegel bis 2018 offen halten und den BER etappenweise ans Netz gehen lassen. Mit seinen Plänen sind nicht alle Gesellschaftler zufrieden
07:22Hauptstadtflughafen
Was die Aufsichtsratsmitglieder von Hartmut Mehdorn halten

BER-Chef Mehdorn hat sich mit seinen neuen Hauptstadtflughafen-Plänen wenig Freunde gemacht. Besonders die Tatsache, dass er Tegel bis 2018 offen halten will, stößt vielen Politikern sauer auf. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
Parlament Bundestag debattiert über Atommüllendlager
Cannes Emma Watson spielt Kriminelle in Coppolas Film
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Großeinsatz

Feuer in Berliner Autowaschanlage

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote