16.07.12

Guter Zweck

Ersteigern Sie Kunstwerke von Prominenten

Politiker, Künstler, Sportler und Manager haben ihre Porträts vervollständigt. Jetzt werden diese Unikate für einen guten Zweck versteigert.

Von Philip Cassier
Foto: Reto Klar

Unsere Fotografen Reto Klar und Martin Lengemann waren länger als ein Jahr unterwegs und baten Prominente, ihr Porträt zu vervollständigen. Jetzt werden die Kunstwerke, die in der BIZ gedruckt wurden, bei Ebay versteigert. Greifen Sie zu! Der Erlös kommt dem Verein „Berliner helfen“ zugute. Zur Auswahl stehen die folgenden Werke. So erschien am 9. Januar 2011 dieses Porträt: Vom BIZ-Titel grüßte Karoline Herfurth - mit Herzchen für den Prinzen

67 Bilder

Unsere Fotografen Reto Klar und Martin Lengemann waren länger als ein Jahr unterwegs und baten Prominente, ihr Porträt zu vervollständigen. Greifen Sie zu! Der Erlös kommt dem Verein "Berliner helfen" zugute.

Ein wirklich gutes Porträt zu inszenieren, ist für Fotografen die höchste Kunst. Das Gesicht so aufzunehmen, dass es mit dem Betrachter spricht, ganz ohne Worte – wer wollte glauben, dass so etwas überhaupt möglich ist? Und doch gelingt es Profis mit der Kamera hin und wieder, mit einem Druck auf den Auslöser ein ganzes Leben einzufangen. Augen, in denen sich widerspiegelt, was sie gesehen haben. Falten, die zu Spuren unterschiedlichster Erfahrungen geworden sind. Reto Klar und Martin Lengemann sind zwei Vertreter ihres Berufsstandes, denen solche Fotos hin und wieder glücken. Das macht sie in der Branche zu respektierten bis gefürchteten Repräsentanten; gefürchtet, weil bei weitem nicht jeder ihrer Kollegen zu solcher Kunst fähig ist.

Die Presselandschaft ist schnell und flüchtig, Journalismus im Internet hat eine noch schnellere Taktung. Da erstaunt es nicht, dass Klar und Lengemann nach einer längerfristigen Beschäftigung Ausschau hielten, die der Hektik des Tagesgeschäfts wenigstens ein bisschen entzogen sein sollte. Die beiden treffen sich fast täglich und bereden bei einer Tasse Kaffee, was so anliegt. Viele Leute behaupten ja, dass auf dem Boden einer Kaffeetasse oft die besten Einfälle lägen – und so entwickelten Klar und Lengemann bei einem ihrer Zusammentreffen die Idee, mit der Kunst des Porträts noch etwas weiterzuarbeiten: "Nicht unser Blick sollte beim neuen Projekt im Vordergrund stehen, sondern der, den der oder die Abgebildete auf sich selbst hat", sagt Martin Lengemann. Ausgehend von einer Aufnahme des Gesichts war den Prominenten die Aufgabe gegeben, das Bild zu gestalten. Dafür war alles aus den Bereichen Malen und Basteln erlaubt.

Unsere Fotografen waren anfangs skeptisch

Anfangs waren Reto Klar und Martin Lengemann etwas skeptisch. Ob wirklich alle, die zu der Idee ja gesagt hatten, wirklich einen Entwurf abliefern würden, der etwas über sie erzählte? Hier fing es an, persönlich zu werden. Ein guter Fotograf, so sagt es Reto Klar, müsse die Fähigkeit besitzen, beim Shooting zu führen, also sein Modell dazu bringen, genau das auszudrücken, was es bewege, in dem Moment oder generell. Von Klar und Lengemann ist Klar der extrovertiertere, er lobt und spricht viel, während Lengemann eher mit wenigen Worten das Gefühl vermittelt, bei ihm in guten Händen zu sein. Abgesehen davon wissen beide darum, dass jeder Mensch eine Seite hat, die fotogener als die andere ist: Beim Gesicht, so sagt es Martin Lengemann, ist es zumeist diejenige, auf der der Scheitel falle (was einem bei einem Mann wie beim Sänger Rummelsnuff wenig hilft).

Das Foto nach der Session vorbeizubringen und die Prominenten zum Malen zu bewegen, das war der nächste Schritt. Die meisten hatten eine Woche lang Zeit, um sich in Szene zu setzen. Beim Programmpunkt Abholen des Werks standen naturgemäß die meisten Überraschungen an: "Bei manchem, den wir als äußerst kreativ eingeschätzt hatten, kam etwas heraus, das ganz ordentlich war", sagt Reto Klar. Doch ganz wie im wahren Leben war die Verblüffung und Freude bei den beiden immer dann besonders groß, wenn sie gar keine großen Erwartungen hatten. Christian Lohse beispielsweise, Zwei-Sterne-Koch aus dem "Fischers Fritz" am Gendarmenmarkt, machte sich selbst zur Biene. Was das mit seinem Beruf am Herd zu tun hat, weiß kein Mensch, es tut auch nichts zur Sache. Auf jeden Fall ist ein Blick auf einen Menschen entstanden, den vorher niemand für möglich gehalten hätte.

Einige Modelle kamen so richtig aus sich heraus

Wenn Lengemann und Klar sich daran erinnern, wer ihnen in all der Zeit so vor die Kameras gekommen ist, sind sie schnell beim Spiel "Mensch, weißte noch?". Es muss eine Menge sehr kurioser, aber auch erfüllender Zusammentreffen gegeben haben. Grob gesagt lassen sich die SelbstbildnerInnen in zwei Gruppen aufteilen: Einmal diejenigen, die gar nicht so sehr auf die eigene Person eingingen. Bettina Wulff beispielsweise, zum Zeitpunkt der Aufnahme die Gattin des Bundespräsidenten, ergriff die Gelegenheit, um Verständnis für Kinder zu wecken. Sie wollte darauf hinweisen, dass der Nachwuchs Liebe und Bildung gleichermaßen benötigt, wenn er gedeihen soll: "Manche Politiker brachten ihr Porträt mit dem zusammen, wofür sie politisch stehen", sagt Reto Klar. Was nur Beweis für die Tatsache ist, dass Politik als Beruf den Menschen manchmal vor das Problem stellt, nur schwer loslassen zu können. Andererseits: wollen wir denn Volksvertreter, die ihre Tätigkeit nonchalant nebenher erledigen?

Erfüllender für Klar und Lengemann war es, wenn ihre Modelle so richtig aus sich herauskamen. Das konnte so weit gehen, dass sie sich selbst so gut wie unsichtbar machten, wie der Schauspieler Heikko Deutschmann. Ein Bild mit einiger Magie, wenn man sich klar macht, dass es Deutschmanns Profession ist, möglichst häufig für möglichst viele Menschen sichtbar zu sein. So wird das Selbstbildnis für jeden, der es möchte, zum Kunstwerk. Es ist bis hin zur Küchenpsychologie absolut interpretationsoffen. Das lässt sich von dem, was der Playboy Rolf Eden um sich herum malte, nicht unbedingt behaupten. Aber sein Dasein dreht sich nun einmal sozusagen per Definition um Frauen, die wenig bis nichts am Körper haben; da ist es nur konsequent, wenn er das auch bei seinem Bildnis in den Vordergrund stellt. Der Maler Klaus Fußmann wiederum pinselte sich selbst mit Ölfarbe an. Und der Maler, Grafiker, Designer und Bildhauer Otmar Alt gab eine Probe seines Könnens, er hinterließ damit eine Art Fingerabdruck.

Das sind nur willkürlich ausgewählte Beispiele. Jede Selbstbildnis ist ein absolutes Unikat – und den heutigen Bundespräsidenten Joachim Gauck dereinst zum Mitmachen bewegt zu haben (auch wenn zur Zeit der Produktion noch Christian Wulff im Amt war), das macht speziell Reto Klar noch heute stolz. Rückblickend erinnern Klar und Lengemann auch an manche Stressmomente, unerwartete Absagen und Ähnliches. Doch das verblasst, wie es meistens ist. Außerdem sitzen die beiden ja häufig genug bei einer Tasse Kaffee zusammen, sodass sie sicher bald ein neues gemeinsames Projekt präsentieren werden.

Sie haben die Möglichkeit, Ihr Lieblings-Selbstbildnis zu ersteigern. Besonders schön daran: Sie tun Gutes – der Erlös kommt dem Verein "Berliner helfen" zugute.

So machen Sie mit

Die Selbstbildnisse werden seit diesen Sonntag auf der Auktionsplattform Ebay versteigert. Unter http://myworld.ebay.de/berliner_helfen finden Sie unter "Angebote" die ersten zehn Selbstbildnisse. Darunter die Porträts von Bundespräsident Joachim Gauck, Modedesigner Harald Glööckler und der ehemaligen First Lady Bettina Wulff. Alle weiteren werden im Lauf der kommenden Woche eingestellt.

Das Mindestgebot liegt bei 25 Euro. Der Originalabzug hat eine Größe von 30 mal 30 Zentimeter. Alle Erlöse kommen dem gemeinnützigen Verein Berliner helfen e.V. zugute.

Berliner helfen e. V. wurde im Jahr 2000 auf Initiative der Berliner Morgenpost gegründet. Der Verein unterstützt anerkannt förderungswürdige Institutionen und Initiativen der Jugend- und Altenhilfe und der Wohlfahrtspflege. Finanzielle Hilfe wird auch Menschen gewährt, die durch einen Unfall, ein Verbrechen oder eine Brandkatastrophe unverschuldet in Not geraten sind. Berliner helfen e.V. unterstützt ehrenamtliches und bürgerschaftliches Engagement in den sozialen Brennpunkten der Stadt, fördert Kinder- und Jugendbetreuungseinrichtungen wie das Jonas Haus in Staaken, das Kinderheim Sonnenhof in Spandau oder das Netzwerk Schülerhilfe in Neukölln. Der Verein im Internet: www.berliner-helfen.de und bei Facebook

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