Berliner Architektur
Die einstige Stalinallee soll Weltkulturerbe werden
Die Museumsinsel ist es schon - Unesco-Weltkulturerbe. Nun bemühen sich Bürger um den Status für das Hansaviertel und die Karl-Marx-Allee.
Das Hansaviertel und die Karl-Marx-Allee in Berlin sollen zum Weltkulturerbe der Unesco werden. Dieses Ziel verfolgen der Bürgerverein Hansaviertel, die Hermann-Henselmann-Stiftung und der Förderverein Corbusierhaus. Sie haben dazu am Freitag eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet und dem Senat übergeben. Die Bürgermeister von Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg, Christian Hanke (SPD) und Franz Schulz (Grüne), haben die Schirmherrschaft für das Vorhaben übernommen. Doch die Zeit ist knapp. Schon am 1. August 2012 endet die Frist, bis zu der das Land Anträge bei der Kultusministerkonferenz anmelden kann.
Neben dem Hansaviertel sollen auch weitere Gebäude aus der Zeit der Interbau von 1957 zum Weltkulturerbe werden, darunter die Hansaschule am Spreeufer, das Corbusierhaus mit 530 Wohnungen nahe dem Olympiastadion in Charlottenburg und das Haus der Kulturen der Welt, die frühere Kongresshalle im Tiergarten. Es sei etwas Besonderes, zwei Orte aus dem Ost- und dem Westteil der Stadt als ein Projekt zu betrachten, sagte Bürgermeister Hanke. Beide Stätten, Hansaviertel und Karl-Marx-Allee, seien wie eine Doppelhelix miteinander verbunden, begründete Berlins Ex-Kultursenator Thomas Flierl, Vorsitzender der Hermann-Henselmann-Stiftung.
Der erste Teil der damaligen Stalinallee sei Anfang der 50er-Jahre als sozialistische Straße geplant worden, von Architekten wie Hermann Henselmann, Richard Paulick und Hans Hopp. "Das Hansaviertel ist als städtebauliche Antwort des Westens zu verstehen", so Flierl. Mit dem zweiten Teil der Stalinallee habe die DDR an die architektonische und städtebauliche Moderne angeknüpft, die im Westteil der Stadt entstanden war. Dieser Abschnitt zwischen Strausberger Platz und Stalinallee wurde Ende der 50er- und Anfang der 60-Jahre gebaut.
Bislang sind drei Berliner Stätten aufgenommen worden
Die Vereine und die Stiftung haben bereits eine Begründung des Antrags für die Unesco vorbereitet, doch eingereicht werden soll er vom Land Berlin. Die Zeit sei knapp, betonte Dagmar Tille von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: "Man muss sofort die Ärmel hochkrempeln und arbeiten." Der herausragende Wert des Hansaviertels und der Karl-Marx-Allee müssten nachgewiesen werden. Der Antrag sei sorgfältig und prägnant zu begründen. Außerdem gebe es zehn Kriterien, von denen zwei oder drei erfüllt sein müssten. "Das ist Facharbeit", sagte Tille. Dieser Antrag sei zehn Jahre lang vorbereitet worden, sagte Tille.
In Berlin gehören bereits die Museumsinsel sowie mehrere zwischen 1913 und 1934 gebaute Großsiedlungen der Berliner Moderne und Teile der preußischen Schlösser- und Gärtenlandschaft zum Unesco-Weltkulturerbe.
Jedes Bundesland kann zwei Kandidaten für die Welterbeliste benennen. Berlin wird sich voraussichtlich auch mit dem Jüdischen Friedhof in Weißensee bewerben. Die Stätte soll zusammen mit anderen bedeutsamen europäischen und außereuropäischen jüdischen Friedhöfen, die in derselben historischen Tradition stehen, als "Serienantrag" präsentiert werden. Die wissenschaftliche Vorbereitung dafür laufen seit 2004. Der Jüdische Friedhof wurde 1880 vom Architekten Hugo Licht angelegt. Mit mehr als 115.000 Grabstellen gilt er als ein herausragendes Zeugnis jüdischer Sepulkralkultur.
Auch die Berliner Umspannwerke der Bewag, die unter dem Begriff Elektropolis zusammengefasst werden, sind im Gespräch. Erst im Jahr 2014 sollen die deutschen Stätten, die von der Kultusministerkonferenz ausgewählt werden, an die Unesco weitergeleitet werden. Fördermittel der Weltorganisation sind mit dem Status nicht verbunden.
In diesem Jahr hat die Unesco weltweit 26 Stätten neu in ihre Liste einzigartiger Schätze der Menschheit aufgenommen, darunter aus Deutschland das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth.















