05.07.12

Schüsse auf Rocker

Berliner Polizei ermittelt wegen versuchten Totschlags

Vor dem Clubhaus der Bandidos Eastgate in Berlin-Wedding sind in der Nacht zu Donnerstag zwei Männer niedergeschossen worden.

Foto: Steffen Pletl
Vor dem Vereinsheim der Bandidos wurde auf zwei Männer geschossen. Die Polizei sichert Spuren
Vor dem Vereinsheim der Bandidos wurde auf zwei Männer geschossen. Die Polizei sichert Spuren

Nach der Schießerei vor einem Vereinsheim der Bandidos in Berlin-Wedding mit zwei Verletzten ermittelt die Polizei wegen versuchten Totschlags. Die vor kurzem gegründete Task Force Rocker der Berliner Staatsanwaltschaft sei mit dem Fall betraut worden, zudem beschäftige sich die Mordkommission des Landeskriminalamtes damit, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Die genauen Hintergründe für die Schießerei sind unterdessen weiter unklar.

Vor dem Vereinsheim an der Provinzstraße waren am späten Mittwochabend zwei Männer im Alter von 33 und 38 Jahren verletzt worden. Die Beiden wurden in ein Krankenhaus gebracht, Lebensgefahr bestand den Angaben eines Polizeisprechers zufolge nicht.

Anwohner hatten am Mittwoch gegen 23 Uhr Schüsse gehört und den Notruf gewählt. Die Polizei kam mit einem großen Aufgebot. Auch das Spezialeinsatzkommando (SEK) rückte an, kam aber nicht zum Einsatz. Die Polizei nahm von etwa 40 bis 50 Gästen des Rockerclubs die Personalien auf.

Die Anwesenden sollen nach Angaben der Justizsprecherin Mitglieder verschiedener Chapter der Bandidos gewesen sein. Ob es sich bei der Schießerei um eine interne Auseinandersetzung gehandelt hat, konnte sie nicht sagen.

Das Milieu der verfeindeten Clubs Bandidos und Hells Angels in Berlin und Brandenburg ist seit einigen Wochen in Aufruhr. Immer wieder war es zu Einsätzen und Razzien der Polizei gegen örtliche Gruppen der beiden Clubs gekommen. Im Mai hatte Innensenator Frank Henkel (CDU) die Berliner Ortsgruppe der Hells Angels MC Berlin City verboten. Der Termin für eine dazu geplante Razzia war jedoch von einem Maulwurf an die Presse verraten worden.

Bei einer Schießerei Anfang Juni war der Ex-Präsident der Berliner Hells-Angels-Ortsgruppe "Nomads" auf offener Straße mit mehreren Schüssen aus nächster Nähe niedergeschossen worden. Als Reaktion auf die Schießerei und die anhaltenden Auseinandersetzungen hatte die Staatsanwaltschaft die "Task Force Rocker" ins Leben gerufen. Nach Angaben der Staatsanwaltssprecherin sind in der Ermittlergruppe verschiedene Bereiche gebündelt, die Fälle von organisierter Kriminalität bearbeiten.

Quelle: dapd/sei
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Die Rockergruppen Hells Angels und Bandidos
  • Entstehung

    Die Hells Angels gelten als mächtigster und mitgliederstärkster Rockerclub der Welt. Sie wurden 1948 von Kriegsveteranen in Kalifornien gegründet, der Name stammt von einer Bomberstaffel. Ihr Emblem ist der geflügelte Totenkopf. Aus der Gruppe von Harley-Davidson-Fans wurde eine straff geführte Organisation mit Mitgliedern in rund 30 Ländern. Der erste deutsche Ableger entstand 1973.

  • Wurzeln im US-Militär

    Auch die 1966 in Texas als Motorrad-Club entstandenen Bandidos haben Wurzeln im US-Militär. Die meisten Gründungsmitglieder dienten als Marines im Vietnamkrieg. Die erste deutsche Sektion tauchte Ende der 1990er Jahre auf. Das Club-Emblem zeigt einen mexikanischen Banditen mit Machete und Pistole.

  • Kriminelle Machenschaften

    Nach Angaben des Bundeskriminalamtes hat der Anteil der Rockergruppen an der Organisierten Kriminalität in Deutschland seit 2009 stark zugenommen. Dabei geht es vor allem um Drogenhandel, Prostitution und Schutzgelderpressung. 2006 gab es nur zwei Verfahren gegen diverse Gruppen. 2010 wurde schon in 35 Fällen ermittelt. Dabei waren 20 mal die Hells Angels und 9 mal die Bandidos betroffen.

  • Ermittlungsverfahren

    "Die steigende Anzahl der Ermittlungsverfahren gegen Rocker ist einerseits mit einer erhöhten öffentlichen Wahrnehmung und andererseits mit einer Zunahme der schlichten Anzahl der Gruppierungen und der darin organisierten Personen zu erklären", heißt es in einem Positionspapier der Gewerkschaft der Polizei. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter weist darauf hin, dass es auch Bezüge zum Rechtsextremismus und zur Hooligan-Szene gibt.

    Quelle: dpa

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