Nachnutzung
Gründer und Investoren müssen sich in Tegel in Geduld üben
Für den September war der Umzug zum Flughafen TXL geplant. Doch jetzt macht die Verschiebung des BER-Eröffnungstermins viele Pläne zunichte.
Sie sollten eigentlich im September in die Hallen und Hangars einziehen: junge Unternehmen, die als Zwischennutzer das Flughafengelände in Tegel beleben sollten, ehe die ganz großen Investitionen und Ansiedlungen erfolgen. Aber daraus wird nichts, weil dort in den nächsten Monaten mehr Fluggäste und Jets als je zuvor unterwegs sind.
Eine Firma hat der Gesellschaft Tegel Projekt, die sich im Auftrag des Senats um die Nachnutzung des Areals kümmern soll, mit einem Projekt abgesagt. "Wir hatten aber noch keinen Vertrag abgeschlossen", sagte ein Sprecher der Tegel-Gesellschaft. Andere Interessenten für Räume im Terminalgebäude hätten signalisiert, warten zu wollen, bis die Flieger nach BER umgezogen sind. Den Namen der Firma will der Sprecher nicht nennen.
In Geduld üben müssen sich auch die jungen Absolventen der Beuth-Hochschule für Technik. Die Hochschule wollte im Herbst ein Gründungszentrum in Büroräumen im Hauptgebäude einrichten. "Jetzt haben wir Zeit, noch genauer zu planen", sagte Beuth-Präsidentin Monika Gross.
Die Hochschule soll der wissenschaftliche Kern des neuen Technologieparks in Tegel werden. Energietechniker, Mobilitätsspezialisten, Materialforscher und andere, die sich unter dem Motto "urban technologies" zusammenfassen lassen, sollen in Tegel konzentriert werden, damit sich Gründer und alteingesessene Unternehmen dieses Sektors in diesem kreativen Ambiente ansiedeln.
Für die Beuth-Gründer bestehe zwar ein gewisser Druck. Das bestehende Zentrum, in dem sich Absolventen mit einem Stipendium bis zu zwei Jahre lang als Unternehmer ausprobieren dürfen, sei voll, sagte die Präsidentin. Aber insgesamt sei die Verschiebung für die Hochschule nicht kritisch. Sie gehe weiterhin davon aus, dass sie mit den ersten Studiengängen im Wintersemester 2013/2014 den Lehrbetrieb in Tegel aufnehmen kann, sagte die Professorin. Im eigenen Hochschuletat sei Geld bereitgestellt, um die neuen Räume auch auszustatten.
50 Anfragen von Firmen
Aus Sicht der Tegeler Projektgesellschaft, die die 460 Hektar Gelände nach Abzug der Flughafengesellschaft übernehmen und davon 210 Hektar zu einem Technologie- und Gewerbezentrum für urbane Technologien entwickeln soll, ist die Verzögerung ebenfalls verkraftbar. Mittel- und langfristig ändere sich nichts an den Plänen, hieß es. Diese waren ohnehin so, dass Baurecht und Baugenehmigungen für größere Umbauten erst Ende 2013 fertig sein könnten, die ersten Baukräne sollten sich Anfang 2014 drehen.
Bisher habe die Gesellschaft 50 Anfragen von Firmen erhalten, die erwägen, sich in Tegel anzusiedeln. Davon passten 20 zum Profil, das politisch für dieses Gelände gewünscht wird. Denn Tegel soll ja nicht irgendein Gewerbegebiet werden, sondern einen klaren Schwerpunkt für urbane Technologien bekommen. Die Akquise werde jetzt ein wenig erschwert, weil man Interessenten ja nicht die Räume zeigen könne, solange Flugbetrieb herrsche, so der Tegel-Sprecher.
Platz jedoch ist erst mal eine Menge auf dem Gelände. Und so will auch die Akademie der Feuerwehr gerne nach Tegel umziehen. Unter anderem könnten praktische Übungen dort wetterunabhängig in Hangars stattfinden.















