28.05.12

Kriminalität

Der Zoll stellt immer mehr Drogen in Berlin sicher

Die Menge von sichergestelltem Marihuana hat sich verdreifacht. Berliner Fahnder heben immer häufiger Cannabis-Plantagen aus.

Von Peter Oldenburger
Foto: REUTERS
Mariuhana
Berliner Zollfahnder konnten im Vorjahr 67 Kilogramm Marihuana einziehen

Die Mengen beschlagnahmter Drogen wie etwa Marihuana und Haschisch sind im Bereich des Zollfahndungsamtes Berlin-Brandenburg in jüngster Zeit drastisch gestiegen.

Das belegen sowohl die Jahresbilanz für 2011 als auch die Ermittlungserfolge des laufenden Jahres. So konnten Berliner Zollfahnder im Vorjahr 67 Kilogramm Marihuana einziehen. Das ist deutlich mehr als die dreifache Menge des Jahres 2010, als der Zoll 19 Kilogramm der Droge beschlagnahmte.

Auch bei der Sicherstellung von Haschisch stieg die beschlagnahmte Menge um mehr als 20 Prozent auf 68 Kilogramm an. 2010 hatte der Zoll in der Region 53 Kilo konfisziert.

Hinzu kommt eine drastische Zunahme von sichergestellten Cannabispflanzen, die in sogenannten Indoor-Plantagen gezüchtet werden. Mit teils aufwendiger Licht- und Bewässerungstechnik wird so auch in einfachen Wohnungen immer wieder Cannabis gezüchtet.

Die Zahl gefundenen Pflanzen ist nun stark gestiegen: 4300 durch den Zoll eingezogene Pflanzen bedeuten eine Zunahme um mehr als das fünffache gegenüber 2010, als der Zoll 780 Cannabispflanzen aus dem Verkehr zog.

Die Berliner Polizei hatte 2011 auch deutlich mehr Cannabispflanzungen entdeckt als in den Vorjahren. Mit 70 ausgehobenen illegalen Plantagen wurde ein beträchtlicher Anstieg verzeichnet: 2009 wurden 50 und 2010 nur 40 Zuchtanlagen ermittelt.

Dealer lassen sich die Anlagen installieren

Die Bandbreite erstreckte sich dabei von Kleinanlagen mit 20 bis hin zu Plantagen von mehr als 1000 Pflanzen. "Anbieter aus den Niederlanden bieten Dealern die komplette Austattung von Samen bis Belüftung im Internet an. Inwischen werden die Anlagen sogar auf Wunsch installiert", sagt Zollsprecher Norbert Scheithauer.

Als besonders problematisch sieht der Sprecher, dass gleichzeitig der Wirkstoffgehalt der Pflanzen stetig steigt. Statt mit sechs bis acht Prozent des Rausch erzeugenden Inhaltsstoffes THC (Tetra-Hydro-Cannabinol) wie vor sechs Jahren werde die Ware heute mit 18 bis 20 Prozent verkauft. "Unkundige Konsumenten wirft solch ein Kraut komplett um", so Scheithauer. Grund dafür sei die Nachfrage nach einer immer extremeren Rauschwirkung.

Größter Kokain-Aufgriff seit drei Jahrzehnten

Gemeinsam mit der Polizei gelang der Zollfahndung im August 2011 zudem der größte Kokain-Aufgriff seit mehr als drei Jahrzehnten. Rund 100 Kilo der für den Berliner Markt bestimmten Droge konnten in Bremerhaven auf einem venezolanischen Frachter beschlagnahmt werden.

Das hochreine Rauschgift wurde in einer Ladung Rohkaffee entdeckt und hätte auf dem Schwarzmarkt sieben bis zehn Millionen Euro eingebracht. Der von Türken dominierte Schmugglerring, der die Verteilung über einen Kulturverein organisierte, wurde zerschlagen. Kopf der Bande war ein 50 Jahre alter Türke. Gegen ihn und sechs weitere Tatverdächtige hat der Prozess in diesem Monat begonnen. Die Ermittlungen gegen die Bande hatten zwei Jahre gedauert. Die Täter müssen im Fall einer Verurteilung mit Freiheitsstrafen von bis zu 15 Jahren rechnen.

Gewaltiger Schlag gegen Handel mit Cannabis

Bei der Bekämpfung der Drogenkriminalität arbeitet die Zollfahndung mit der Kriminalpolizei in gemeinsamen Ermittlungsgruppen zusammen. Diese bestehen jeweils zur Hälfte aus Kriminalbeamten des Landeskriminalamtes und Zollfahndern.

Erst vor vier Wochen gelang der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift ein gewaltiger Schlag gegen den Handel mit Cannabis. Insgesamt 273 Kilogramm Haschisch und Marihuana konnten im April nach langwierigen Ermittlungen sichergestellt und eine Dealergruppe festgenommen werden.

Ihren Ursprung hatte der Fahndungserfolg in einem Zugriff durch Zollfahnder in Lübeck im Jahr 2010. Dort hatten die Beamten eine Ladung von 50 Kilogramm Haschisch aufgespürt und als Lieferant einen 49-Jährigen Berliner identifiziert.

Positive Bilanz bei Kampf gegen Zigarettenschmuggel

Die Zollfahndung Berlin-Brandenburg hat auch bei ihrer Schwerpunktaufgabe, dem Kampf gegen den Zigarettenschmuggel, eine positive Bilanz vorzuweisen. Mit 33 Millionen konnte die Menge sichergestellter Zigaretten gegenüber 2010 mit rund 29 Millionen Stück um rund 14 Prozent gesteigert werden.

Schätzungen zu Folge gehen den EU-Mitgliedsstaaten jährlich rund zehn 10 Milliarden Euro durch den Schmuggel illegaler Zigaretten verloren. Die Region Berlin-Brandenburg ist wegen ihrer Nähe zu Osteuropa eine bedeutende Drehscheibe für den Handel mit unverzollten Zigaretten. Häufig ist die Region nur Durchgangsstation für Ladungen, deren Ziel oft Großbritannien und die skandinavischen Länder sind.

Ein bedeutender Zugriff gegen internationale Zigarettenschmuggler aus dem Dezember fließt dabei wegen der noch laufenden Ermittlungen gar nicht in die positive Jahresbilanz ein: Mitte Dezember konnte der Zoll einen Schmugglerring sprengen, dem die illegale Einfuhr von 230 Millionen Zigaretten seit dem Jahr 2002 von Russland in die Bundesrepublik nachgewiesen werden kann.

Der ermittelte Steuerschaden dieser Bande beläuft sich auf 42 Millionen Euro. Bei der Durchsuchungsaktion unter dem Decknamen Kermit wurden 35 Objekte in Berlin, Brandenburg und Rheinland-Pfalz von 200 Beamten durchsucht. Neun Haftbefehle wurden gegen die Drahtzieher im Alter von 29 bis 74 Jahren vollstreckt.

Umschlagplatz in Großbeeren

In Koblenz konnte in einem Lager eine Million Zigaretten sichergestellt werden. Ein weiterer Kopf der Bande wurde bei seiner Rückkehr aus dem Ausland verhaftet. Zudem wurden bei den Razzien zwei Lkw, Münzsammlungen und Spareinlagen im Wert von 250.000 Euro beschlagnahmt sowie vier Einfamilienhäuser samt Grundstücken und zwei unbebaute Grundstücke gepfändet werden. Einer der beiden Umschlagplätze für die heiße Ware lag in Großbeeren (Teltow-Fläming) südlich von Berlin.

Der Absatz erfolgte über bereits langfristig bestehende Verteilerstrukturen. "Das vorliegende Ermittlungsverfahren gegen Strukturen der Organisierten Kriminalität beschreibt einen besonders schweren Fall der banden- und gewerbsmäßigen Steuerhinterziehung. Die Höchststrafe, die das Gesetz für jeden einzelnen Täter vorsieht, beträgt zehn Jahre Freiheitsstrafe", so der Pressesprecher des Zollfahndungsamtes Berlin-Brandenburg, Norbert Scheithauer.

Ein Beispiel für die drakonischen Strafen hat ein lettischer Lkw-Fahrer kürzlich erfahren. Der Mann wurde vom Zoll mit 7,2 Millionen Zigaretten der Marke L&M ohne Steuerbanderole erwischt und ist im März zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Die Ware war von Litauen aus unter einer Tarnladung von tiefgekühltem Brot versteckt und sollte in die Niederlande gebracht werden. Der Coup ging am 15. Mai 2011 durch eine Zollkontrolle nahe Frankfurt/O. schief. Neben der Haftstrafe sitzt der Lkw-Fahrer nun auf einem Berg von einer Millionen Euro Steuerschulden.

Der jüngste Erfolg der Zollfahnder erfolgte vor zwei Wochen: Fünf Vietnamesen wurden am 15. Mai in östlichen Berliner Bezirken bei Razzien in acht Wohnungen festgenommen. Sie hatten seit Dezember 2011 sechs Millionen Schmuggelzigaretten in den Verkehr gebracht und den Verkauf der heißen Ware in Berlin und Umland organisiert.

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