26.05.12

Bauverzögerung

Staatsoper - Berlin blamiert sich schon wieder

Nach dem BER wieder eine Panne in Berlin: Jochim Stoltenberg zur Bauverzögerung bei der Staatsoper und zu Wowereits Verantwortung.

Von Jochim Stoltenberg
Foto: DPA
Sanierung der Staatsoper Berlin verzögert sich
Nicht nur beim Flughafen verschiebt sich der Eröffnungstermin: Die Brliner Staatsoper wird erst 2015 fertig

Was eigentlich klappt noch in dieser Stadt? Zu viele Schulen in einem miserablen Zustand, die Straßen voller Schlaglöcher, die S-Bahn mehr ein Zufallstransportmittel denn eines, auf das Verlass ist. Und nun folgt der bislang größten Blamage rund um die unvollendete Großbaustelle des Flughafens BER die nächste Horrormeldung für die Verlässlichkeit Berlins: Die Sanierung der Deutschen Staatsoper Unter den Linden dauert schon wieder länger als geplant. Der Vorhang im renovierten, einst von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff 1741 bis 1743 gebauten Haus mit der klassizistischen Außenfassade und den vom Rokoko dominierten Innenräumen bleibt um ein weiteres Jahr bis 2015 geschlossen.

Es ist die zweite Verschiebung, nachdem bereits vor einem Jahr der Zeitplan geplatzt war und die Wiedereröffnung von 2013 auf 2014 verschoben werden musste. Nun also ein weiteres Jahr Notquartier Schillertheater an der Bismarckstraße. Ein Desaster für die Kulturmetropole Berlin, eine noch länger währende improvisatorische Herausforderung für den am Optimum orientierten Generalmusikdirektor Daniel Barenboim und dessen ehrgeizigen Intendanten Jürgen Flimm.

Diesmal ist es der morastige, wasserhaltige Untergrund, der den Bauleuten einmal mehr die Pläne wegschwimmen ließen. Wie schon Ende der 20er-Jahre des letzten Jahrhunderts beim Umbau der Staatsoper und dann wieder im vergangenen Jahr, als die erste Bauverzögerung verkündet wurde. Hätte man also vorgewarnt sein müssen? Bevor auch in diesem Fall die letzten Verantwortlichkeiten aufgeklärt sind, gibt es zumindest einen, der sich nicht länger aus seiner Gesamtverantwortung für die Stadt stehlen kann, in der immer weniger klappt. Dieser heißt Klaus Wowereit.

Wowereit ist nicht nur Regierender Bürgermeister, sondern zugleich Kultursenator und damit letztverantwortlich für alles, was auch mit der Oper Unter den Linden zu tun hat. Wie geschlagen er bereits durch die Bruchlandung BER ist, hat er auf nicht sehr feine Art dadurch bekundet, dass er der Opern-Tragödie zweiten Teil durch die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und den Landesarchäologen Matthias Wemhoff verkünden ließ. Sowohl der "regierende Senator" wie sein ansonsten so selbstbewusster und eloquenter Staatssekretär Andre Schmitz drückten sich, die nächste Peinlichkeit dieser Stadt mit zu verkünden.

Es wird höchste Zeit, dass Wowereit sein Amt endlich so ernst nimmt, wie es die gravierenden Probleme dieser Stadt verlangen. Schluss mit lustig, ran an die harte, kontinuierliche Arbeit. Zeit genug dafür hat Wowereit jetzt, da er nach der Flughafenpleite, die zur bundesweiten Lachnummer geworden ist, alle höheren politischen Weihen endgültig fahren lassen muss.

Der Berliner Senat steht vor großen Hausforderungen, um die Stadt finanziell, wirtschaftlich, schulisch und integrativ zukunftsfähig zu machen. Dazu braucht es einen entschlossenen, sich kümmernden Regierenden Bürgermeister. Klaus Wowereit ist das zurzeit leider nicht. Das ist nicht gut für unsere Stadt.

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