Technische Mängel

Stellwerke verantwortlich für S-Bahn-Ausfälle

Um die Infrastruktur der Berliner S-Bahn zu modernisieren müsste die Bahn in den nächsten zehn Jahren 1,5 Milliarden Euro investieren.

Foto: DPA

Die technischen Mängel bei der Berliner S-Bahn sind offenbar weit größer als bislang bekannt. Verantwortlich dafür ist aber nicht allein die Nahverkehrstochter der Deutschen Bahn, die für den Betrieb auf der Schiene zuständig ist. Neben den diversen Technikproblemen an den Fahrzeugen, die seit Sommer 2009 für ein reduziertes Verkehrsangebot sorgen, verursachen zunehmend auch Pannen bei der Infrastruktur Verspätungen und Ausfälle. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters will der Mutterkonzern Deutsche Bahn nun mit einem milliardenschweren Sonderprogramm reagieren.

Die Ausfälle selbst in diesem milden Winter gingen auf fehlende Modernisierungen der Stellwerke zurück, heißt es in internen Unterlagen des S-Bahn-Mutterkonzerns Deutsche Bahn, die der Nachrichtenagentur vorliegen. "Störungen sind auf das Alter der Anlagen zurückzuführen", heißt es dort. Dreiviertel der Stellwerke arbeiteten mit einer deutlich mehr als 20 Jahre alten Technik. Nötig sei daher das "Aufsetzen eines Sonderprogramms Leit- und Sicherungstechnik". Dafür müssten in den nächsten zehn Jahren 1,5 Milliarden Euro aufgewendet werden.

Eine Bahn-Sprecherin sagte gegenüber Morgenpost Online, man nehme zu internen Unterlagen grundsätzlich keine Stellung. Von 1994 bis 2011 habe die Bahn aber bereits rund 2,3 Milliarden Euro in die Infrastruktur der Berliner S-Bahn investiert. Von 2012 bis 2016 seien bereits 720 Millionen Euro für weitere Investitionen fest eingeplant. Unbestritten sei, dass auch nach 2016 weiterer Investitionsbedarf bestehe.

"In das Netz muss noch wesentlich investiert werden. Das ist unbestritten", sagte Hans-Werner Franz, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) gegenüber dieser Zeitung. In der jüngsten Monatsbilanz hat der VBB unter anderem "zahlreiche Infrastrukturstörungen" für die auf 93,8 Prozent gesunkene Pünktlichkeit der S-Bahn verantwortlich gemacht.

Schon in den Monaten zuvor hatten Ausfälle von Stellwerken, Weichen und Signalen für erhebliche Betriebsstörungen gesorgt. Franz begrüßte daher das vom Konzern offenbar geplante Sonderprogramm. "Wenn die S-Bahn Berlin ihre selbst verschuldeten Fahrzeugmängel und Personalengpässe in den Griff bekommt, wäre es schön, wenn auch das Netz entsprechend funktionieren würde", sagte der VBB-Chef.

Trotz deutlich verstärkter Wintervorbereitungen hatte es im vergangenen, vergleichsweise frostarmen Winter erneut zahlreiche Ausfällen bei der S-Bahn gegeben. Überwiegend waren sie auf Signal- und Stellwerksprobleme zurückzuführen. Die Steuerungssysteme gelten als das Herz des Bahnbetriebs. Mitte Dezember legte eine Panne im Stellwerk Halensee praktisch den gesamten S-Bahn-Verkehr über mehrere Stunden lahm.

Die S-Bahn Berlin kämpft seit 2009 mit massiven Problemen vor allem bei ihrem Wagenpark. Deshalb wurden die zuvor drastisch reduzierten Ausgaben für Werkstätten und Instandhaltung inzwischen wieder hochgefahren. Bis heute kann die S-Bahn jedoch noch nicht wieder das volle, vertraglich vereinbarte Angebot fahren. Verschärfend kommt hinzu, dass der S-Bahn Triebfahrzeugführer fehlen.

Auf den Personalmangel hat das Unternehmen bereits reagiert: Ende 2011 beschäftigte die S-Bahn mit über 3000 Mitarbeitern laut den Unterlagen rund 150 mehr als zunächst geplant. Die Pannenserie hinterließ auch 2011 Spuren in der Bilanz: Der Umsatz lag zwar mit rund 540 Millionen Euro etwa sechs Prozent über dem des Vorjahres, aber klar unter Plan. Auch der Verlust fiel mit 36 Millionen Euro vor Steuern höher als die geplanten 24 Millionen Euro aus. Im Geschäftsjahr 2010 lag das Defizit allerdings noch bei über 222 Millionen Euro.

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